Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 82-83 (18.10.1900)
- Date
- 1900-10-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1685 war ein frommer Mann im wahren Sinne des Wortes, der den Traditionen des alten, echten jüdischen Glaubens mit ganzer Seele anhing, reichlich Wohlthätigkeit übte und für Arme und Bedrückte stets offenes Herz und offene Hand hatte. Bei feiner ihm eigenen Bescheidenheit hinterließ er, daß bei feinem Begräbniß leine Trauerrede gehalten werden solle, welchem Wunsche auch selbstredend Rechnung getragen wurde. Der überaus imposante Leichenzug und die zahlreiche Betheiligung auch von Nichtisraeliten bei seiner am Freitag stattgefundenen Beerdigung legten beredtes Zeugnis; ab, wie geachtet und geschätzt der Dahingeschiedene in allen Kreisen gewesen war. Möge Gott die trauernde Familie trösten und an dem Verblichenen möge sich das Wort unserer heiligen Schrift erfüllen: „Deine Frömmigkeit wird vor Dir hergehen, und die Herrlichkeit Gottes Dich aufnehmen." Düsseldorf. Dem Bericht des „Vereins zur Verbreitung und Förderung der Handwerke unter den Juden" vom 1. April 1899 bis 31. März 1900 entnehmen mir: Bei Beginn des Berichtsjahres 1899—1900 standen unter Obhut des Vereins 66 Lehrlinge bezw. Fachschüler. Davon hatte Düsseldorf 32, Köln 28 und Aachen 6. Es wurden neu aufgenommen bezw. unterstützt von Düsseldorf 12, von Köln 10, von Aachen 1. Rach beendeter Lehrzeit schieden aus von Düsseldorf 12, von Köln 9, von Aachen 4, sodaß am Ende des Berichtsjahres noch 64 Lehrlinge bezw. Fachschüler vorhanden mnren. Davon befinden sich im Lehrlingsheim zu Düsseldorf 23, im Lehrlingsheim zu Köln 22, und sind auswärts untergebracht bezw. unterstützt 20; und zwar je 10 von Düsseldorf und Köln. Dresden. (Im K r e b s g a n g.) Mit den sächsischen Antisemiten geht es rasend bergab. Die Zeilen, wo noch die gefammte Amtspresse Propaganda für die Reformer machte, sind längst vorüber, und von den kleinen morschen Scküsslein, die noch auf den halb ausgetrockneten antisemitischen Pfützen existiren, finkt eins nach dem andern. In einer ihrer letzten Nummern kündigt auch die Kamenzer Zeitung ihr Ende an. Das Blättchen wurde vor 14 Jahren gegründet und mit der trüben antisemitischen Fluth gehoben. Jetzt liegt es aut dem Trocknen und zeugt als werthlofes Wrack vom Zerflossenen Glanze der antisemitischen Partei. Dresden. 14. Olt. Wir berichteten kürzlich, daß der hiesige bekannte Führer der Antisemiten, Leberecht Hartwig, ehemaliger Reichstagsabgeordneter für Dresden-Altstadt und seitdem mehrfach Reichtagskandidat der Antisemiten, vom Gericht für ungeeignet für den Posten eines Stadtverordneten-Bize-Borstehers bezeichnet worden ist. Es waren sehr unsaubere Grundstücksgeschäfte von ihm zur Sprache gebracht worden. Kurz zuvor war Hartwig zum Vorsitzenden des Centralverbandes der Gründe und Hausbesitzervereine Deutschlands gewählt worden. Jetzt hat nun der Grundbesitzerverein. in Eharlottenburg die Forderung erhoben, daß Hartwig von diesem Amte zurllcktrete und der brandenburgische Provinzial-Verbandstag der Hausbesitzer wird sich gleichfalls mit dem netten Centralvorsitzenden beschäftigen. Gießen, 4. Okt. Vor dem Schöffengericht wurde in dieser Woche ein Preßbeleidigungs-Prozeß verhandelt, der sieb gegen den Redakteur Schack von der antisemitischen „Deutschen Handelswacht" in Hamburg und dem Commis Weber, Verfasser eines in dem Blatte erschienenen Artikels richtete. Der Prozeß ist nicht sonderlich wichtig. Wohl aber soll eine Aeußerung des Rechtsanwalts Dr. Spohr-Gießen, des Anwaltes der Beklagten, hier wiedergegeben werden, die zeigt, mit welcher Dreistigkeit sich der Antisemitismus vor Gericht beträgt. Dr. Spohr erklärte unter anderem: Die den Juden angeborene Prositwuth verleitet sie, ihr Personal bei äußerster Ausnutzung der Arbeitskraft, schlecht zu bezahlen und zu beköstigen. Es gäbe zwar auch einzelne anständige Juden, da aber die Mehrheit mit Fehlern und üblen Gewohnheiten behaftet ist, so muß ein Jude vor Gericht erst beweisen, daß er ein anständiger Mensch ist. Kann er das nicht, so muß das Gegentheil angenommen werden. E'ne so haßverblendete und den Grundbegriffen der Gerechtigkeit wohl absichtlich hohnsprechende Denkweise gereicht jedem gebildeten Menschen zum Vorwurf, einem Anwalt de? Rechts aber benimmt sie außer der persönlichen auch die berufliche Würde. Ans dem Cllsaß. Ein llnicum besteht nach dem „Elsässer" in dem benachbarten Vorderweidenthal. Dort bat vor einiger Zeit ein frommer Stifter dem Dorfe die Kirchenalocken gestiftet mit der Bestimmung, oaß sie für jeden Angehörigen der Gemeinde, welcher Confessivn er auch angehörte, beim Begräbnisse geläutet werden miiffcn. So hätten auch dieser Tage sämmtliche Glocken der christlichen Kirche geläutet, als eine jüdische Ehefrau zur ewigen Ruhe bestattet wurde. Touristen, die sich zu der Zeit in dem Orte aufhielten, konnten durch Fragen diesen Tbatbestand feststellen. (Das Letztere wird jetzt widerrufen; die Beerdigung, die übrigens am Samstag stattfand, war die einer christlichen Frau. Red.1 O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien, im Okt. (Ein Oberlandesgericht gegen den Geschäftsantisemij i s m u s.) Eine hochinteressante Entscheidung gegen den Geschäftsantisemitismus hat das Oberlandesgericht in Prag gefällt. Am 29. Juli d. I. wurde die „Nat.- Zeitung", ein deutsch-nationales Antisemitenblatt in Saaz, wegen eines aus der ersten Seite erschienenen Ausrufes, der sich gegen die jüdischen Kausleute richtete, confiscirt. Das Blatt erhob natürlich Einspruch gegen die Confiscation und bei der am 29. August vor dem Brüxer Kreisgerichte stattgehabten Einspruchsverhaud-