Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 82-83 (18.10.1900)
- Date
- 1900-10-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1679 Memel, 7. Oft. Gestern, Samstag, erhob sich in den Nachmittagsstunden ein furchtbares Unwetter, das zwar nur sehr kurze Zeit anhielt,- aber desto größeren Schaden anrichtete. Blitz, Donner und Hagel hatten sich zusammen vereinigt, wozu sich noch eine mächtige „Windhose" hinzugesellt hatte. Diese letztere spielte vollends gar mächtig an dem Zerstörungswerke mit. Biele Häuser und Anwesen wurden arg beschädigt. Mit ganz besonderer Gewalt wüthete das Unwetter auf dem jüdischen Friedbofe. Der Zaun ist fast von allen Seiten niedergerissen, die Bäume auf dem Friedhofe sind gelnickt, zerschmettert und umgeworfen, Grabsteine sind mngefallen und zerschlagen, das Ganze stellt ein Bild arger Verwüstung und Zerstörung dar. Ebenso wurde das daneben befindliche Bcthaus, die sog. „alte Schul", von dem Unwetter hart mitgenommen. Nur das in gleicher Nähe befindliche neuerbaute „Jüdische Krankenhaus" hatte den Naturgewalten Stand gehalten. Der Schaden soll ein ganz bedeutender sein. E. B. Insterburg, 12. Ott. (W arnun g.) In jüd. Zeitungen wird fortwährend koschere Wurst aus Budapest angeboten und viel nach Deutschland bezogen. Auf eine diesbezügliche Anfrage ist uns von zuständiger Seite berichtet worden, daß manche Händler erwiesenermaßen trevha Fleisch zu ihren Fabrikaten verwenden. Hunan, 12. Oft. Der bisherige Distriktsrabbiner zu Burgprevpach, Dr. Bamberger, wurde laut Verfügung Kgl. Negierung zu Kassel, nunmehr zum 'Provinzial Rabbiner in Hanau ernannt. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Görbö Pinezcheln (Ungarn). Hierselbst wurde am 22. September die durch die Opserwilligkeil der Mitglieder der orthodoxen israelitischen Gemeinde neuerbaute Synagoge iu feierlichster Weise eingeweiht. Der zur Feier berufene Nabbinatskaudidat Herr Philipp F i s che r breit die mit großem Beifalle aufgenommene Einweibungsrede. Gleichen Beifall fand auch dessen Predigt am Neujahrsfeste. England. London. (Englisches Risches im 0 r a n gesrei st a a t.) Wie genauere Kenner es schon längst vorausgesagt haben, ist mit den Engländern auch der bis dahin ungekannte Antisemitismus in die Burenstaaten eingezogen. Einstweilen ist England in den südafrikanischen Republiken nur blos durch sein Militär vertreten, aber schon dieses hat mit dem Anti semitismus bereits einen vielversprechenden Anfang geinacht: Wie aus Port Elizabeth berichtet wird, wurde ein Jude aus dem gegenwärtig im Belagerungszustand sich befindenden Orangefreistaat ausgewiesen, weil er einige Minuten über acht Uhr seinen Laden noch offen hatte. Der Gemaßregelte legte von Port Elizabeth aus bei den oberen Militärbehörden Berufung ein, welche jedoch von dieser mit der kurzen Bemerkung „Unmöglich, Ihre Bitte zu berücksichtigen," barsch zurückgewiesen wurde. Jrrthümlicherweise wurde aber zugleich mit diesem Bescheid dem Bittsteller auch die eingereichte Bittschrift im Original zurückgestellt und da fand sich am Rand derselben eine kleine, aber interesiante Bleistiftnotiz, die „tief blicken läßt." Die Notiz ordnete Erhebungen über den Fall an und lautete: „Nachforschen, ivas für ein Geschäft der Mann hat, bei günstiger Auskunft den Mann gewähren lasten, aber „es ist ein Jude" und da hängt es viel davon ab, was für ein Geschäft er hat. Eine zweite Bravourleistung der Engländer —• nicht etwa gegenüber den Buren, sondern gegenüber den Juden — ist eine in holländischer Sprache verfaßte Proklamation an die neutral gebliebenen Buren von Transvaal, in welcher die Militärbehörden diese davor warnen, in Betreff der ihnen für Lieferungen zukommenden Gelder sich von den „Joden" beschwindeln zu lassen. Und das geschieht jetzt schon, vor Beendigung des Krieges, in dem Hunderte von Juden für England ihr Blut verspritzen, was wird erst später geschehen, wenn Tausende von habgierigen Engländern sich heißhungrig über die zu Boden liegenden Republiken stürzen werden, um möglichst große Stücke von der Beute an sich zu reißen? Wir glauben uns kaum zu irren, wenn wir annehmen, daß die erste That der „Beschützer" der Ouitländer der Erlaß eines scharfen auf die Juden gemünzten Fremdengesetzes sein wird. T. — Herr Raphael, der Herausgeber der in London erscheinenden „Jewish Word" lenkte die Aufmerksamtcii des Generals Sir Evelyn Wood, Generaladjutanten der britischen Streitkräste, auf eine in Potschefstroom kTransvaal) von dem Distriktskommistar Oberstleutnant A. H. M. Edwards veröffentlichte Proklamation, in der angeordnet wurde, daß „nur die ursprünglichen Empfänger von Ouittungen für Waaren, Lebensmittel. Pferde, Maulesel, Wagen etc., die Ihrer Maj. Regierung geliefert werden, den schuldigen Betrag ausbezahli erwbalten werden." Der Oberstleutnant schloß seine Proklamation mit der Bemerkung, daß der Zweck dieses Befehls sei, zu Verbindern, daß die Burghers von Juden „angeschwindelt" werden. Herr Raphael protellirte gegen eine solche allgemeine Anschuldigung und wies auf die glänzenden Dienste hin, welche Inden in dem Feldzuge geleistet haben. Daraufhin hat nun General Evelyn Wood unterm 4. Oktober geantwortet, daß der Kriegsminister Lord Lansdowne „sehr bedauert, daß eine solche Proklamation, ohne Zweifel aus Unachtsamkeit, aber trotzdem nicht entschuldbar, erlassen worden ist,- daß der Oberbefehlshaber telegraphisch die Aufmerksamkeit des Lord Roberts ans die Sache gelenkt hat und daß der beleidigende Ausdruck entfernt worden ist."