Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 82-83 (18.10.1900)
- Date
- 1900-10-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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naristisch oder akademisch" gebildeten Lehrern sind zu richten an den Direktor Dr. Heini tz." Commentar überflüssig! Hannover. Noch ist das Oweljahr um Jsaac Hirsch s. A. nicht beendet und schon beklagen seine Angehörigen sowie unsere ganze Gemeinde auf's Neue einen herben Verlust. Dr. med. Raphael Hirsch, der älteste Sohn des Obengenannten, wurde nach einem sehr kurzen Krankenlager uns entriffen. Was er als Arzt und Mensch gewesen, schildert eine hiesige Tageszeitung wie folgt: In seinem Berufe, welchem er sich mit großer Pflichttreue und unermüdlichem Eifer hingab, hatte er sich die Liebe und Achtung Aller erworben, mit welchen er in Berührung trat. Sein menschenfreundliches Wesen, seine Geschicklichkeit und Gewissenhaftigkeit, mit welcher er jeden, ob reich oder arm, seine Dienste widmete, verschafften ihm die Werthschätzung in seinem Patientenkreise. Er erfreute sich aber auch der größten Achtung unter seinen Kollegen, welche seine ärztliche Tüchtigkeit, seinen kollegialen Sinn hochschätzten. Doch uns, unserer Gemeinde, war er mehr. Getreu den Traditionen seiner Familie, war er Jehudi mit allen Fasern seines Herzens. Erst vor kurzer Zeit, nach dem Tode seines in unserer Mitte unvergeßlichen Vaters, war er in die Verwaltung unserer Gemeinde gewählt worden und entwickelte ein reges Interesse für alle Institutionen derselben. Ganz besonders lag ihm das neue Krankenhaus und die Altersversorgungsanstalt, welche Anstalten demnächst in einem neuerbauten Hause eröffnet werden, am Herzen. Dieselben zu Mustereinrichtungen zu machen, war er eifrig bemüht, weßhalb man ihm an dieser Anstalt die Stelle eines Oberarztes übertragen hatte. Noch am Jomkippur iveilte er den ganzen Tag im Gotteshause und schon am zweiten Snkkanstage hauchte er seine edle Seele aus. Neben Jscnw Hirsch s. A. wird der Name seines uns allzufrüh entrissenen Sohnes (er stand erst im 37. Lebensjahre) für immer in Ehren genannt werden. Von der allgemeinen Liebe, der sich der Verstorbene erfreute, gab das am zweiten Tag Choulhamoed stattgehabte Leichenbegängniß Zeugniß. Ein unabsehbarer Zug folgte dem Oraun. Am Grabe widmete unser Herr Landrabbiner dem Verstorbenen herrliche Worte, die allen Anwesenden aus dem Herzen gesprochen waren. Köln, 7. Okt. Unter überaus großer Vetheiligung fand gestern die Einführung des neuerwählten Rabbiners der Ehewras Talmud Thora, Herrn Dr. B. Wolf statt. Nicht nur der Hörsaal war bis auf den letzten Platz gefüllt, sondern auch die angrenzenden Räume vermochten kaum die zahlreich erschienenen Mitglieder und Freunde der Chewra zu fassen. Nachdem zunächst Herr Dr. N. C o h n, der unsere Rabbinatsstelle seit der Uebersiedelung des Herrn Rabbiners Dr. Nobel nach Königsberg interimistisch bekleidete, in kurzen, aber kernigen Worten sich von seinen Zuhörern verabschiedet hatte, dankte der Vorsitzende, Herr S. M a n n s b a ch , Herrn Dr. N. Cohn für die Uebernahme der Vorträge und des Unterrichtes während des Provisoriums und für die gute und gewissenhafte Erfüllung der übernommenen Pflichten, um sodann in warmen Worten den Herrn Rabbiner Dr. Wolf zu begrüßen, und besonders seiner Freude darüber Ausdruck zu geben, daß es der Chewra vergönnt war, den Sohn ihres Begründers und langjährigen Leiters für den Posten zu gewinnen. Darauf ergriff Herr Rabbiner Dr. Wolf das Wort zu seiner Antrittsrede. Beginnend mit einen: Danke an Gott für das ihm zu Theil gewordene Glück, an der Stelle seines unvergeßlichen Vater s. A. stehen zu dürfen, dem er so, wie das „Rüstzeug, auch den Wirkungskreis" verdanke, führte er den Gedanken der Ueberlieserungstreue im Judenthum aus, in welchem sich stets Gegenwart und Zukunft auf der Vergangenheit aufbaue. Um diese Treue in der Ueberlieferung zu erhalten, sei es aber erforderlich, daß Alt und Jung mit gleicher Hingebung sich dem Studium von npnpn 'jmw widme. „So erhebt, labt und stärkt das Gotteswort nicht nur den Mann, in dessen Brust das Mißgeschick den Ernst ergreift, eS will vor allem die jungen Menfchenfprofsen segnen, auf daß zum Segen sie gedeihen." Wir können natürlich im Nahmen eines kurzen Berichtes nicht die Gedankenfülle wiedergeben, durch welche sich die nach Form und Inhalt gleich vollendete Rede auszeichnete. Die ersten Verse des Wochenabschnittes, welche der Redner sich zum Tertworte gewählt hatte, gaben demselben Gelegenheit, besonders zu betonen, daß „nicht nur in Schwäche und in Leiden Gottes Allgewalt zu fürchten sei, sondern auch die Freude empfang' aus Seiner Hand der Huld." Bereits die heute gehörte Rede, die auf alle Zuhörer einen sichtlich tiefen Eindruck machte, läßt uns hoffen, daß wir in unserm Herrn Rabbiner eine gute Wahl getroffen, die, s. G. w., zum Segen und immer weiteren Ausbau der Chewra dienen wird. Möge es uns vergönnt sein, ibn lange an der Spitze derselben wirken zu sehen. Koniü, 14. Okt. Vor einigen Tagen brachte die „Staatb. Ztg." die Mittheilung, in Kamin hätten die Kinder des jüdischen Händlers Landecker bei dessen Ueberführung in die Irrenanstalt (Landeckers Geistesirankheit ist als die wahrscheinliche Folge einer antisemitischen Ausschreiiung anzusehen) Aeußerungen fallen lassen, die auf eine Mitwissenschaft an der Konitzer Mordthat schließen lassen könnten. Auf Grund eingezogener Erkundigungen ist nunmehr festgestellt, daß der s. Zeit gemißhandelte und jetzt geisteskranke Händler Landecker ans Kamin weder jemals verheirathet gewesen ist, noch Kinder besitzt. Die Glaubwürdigkeit antisemitischer Nachrichten wird damit wieder auf ganz eigenariige Weise beleuchtet.