Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 82-83 (18.10.1900)
- Date
- 1900-10-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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WWWMHWWWMWNM 1677 an der Jeder Rath und Förderung erhält und zugleich einen Stellen-Nachweis. Meiner Ansicht nach muß es die Hauptaufgabe des Vereins sein, in erster Reihe die besser situirten Kreise, den sogenannten Mittelstand, zu interessiren und ihn zu veranlassen, selbst praktisch an's Werk zu gehen. Denn die Landwirthschaft und Gärtnerei ist nur ein lohnender Berus für den gut fundirten Besitzer. Ein solcher wird mit seiner Familie stets seine gesicherte und angenehme Existenz haben und sich bei Intelligenz und Fleiß, ebenso wie in allen anderen Berufen, emporarbeiten. Arme Kinder aber zur Landwirthschaft und Gärtnerei mit Hilie der öffentlichen Wohlthätigkeit auszubilden, halte ich absolut nicht rathsam, denn nach den von mir gemachten jahrelangen eingehenden Erfahrungen kann sich mit Schaufel und Hacke ein Jude in Deutschland als ländlicher Tagelöhner nur sehr kümmerlich selbst, absolut aber leine Familie ernähren. Ich halte daher das aufgewendete Stipendium meist für irrationell ausgegeben u. jede andere Carriere für ein armes Kind als hoffnungsvoller. Wenn aus den niederen Schichten trotzdem Kinder hierzu erzogen werden sollen, so muß das betreffende Individuum besonders und hervorragend geeignet sein, denn leider geht mit der Armuth auch meist angeborene körperliche Schwäche und geringe Intelligenz Hand in Hand. Mit solchem Material ländliche Kolonieen zu errichten, wäre doch wohl ein kränklich Ding, es gliche einer Spitalsuppe. Soll ein frischer und gesunder Zug in die Sache kommen, so muß sie vom kräftigen Mittelstände mit eigenem Kapital unternommen werden. Der Erfolg in der Landwirthschaft hängt mehr als in irgend einem anderen Berufe von der Tüchtigkeit und dem Fleiße ab; der Name „Oeconomie" besagt alles. Wenn befähigte und solid erzogene Glaubensgenossen sich der Landwirthschaft zuwenden, werden sie sich bald ebenso den Vorrang erringen, wie ihnen dies im Handelsstande und anderen städtischen Berufen gelungen ist. — Hat sich erst ein wohlhabender jüdischer Landwirthsstand in unserem deutschen Vaterlande gebildet, dann kann sich ein ländlicher Beamten- und Gehilfenstand aus ärmeren Kreisen daran reihen. Denn dann werden sie den nöthigen Stützpunkt durch ihre Glaubensgenossen finden können und daran mögen sich dann zur Hebung auch des vierten Standes jene Wohlfahrtsbestrebungen anreihen, die dann auch praktische Erfolge haben werden. Um aber dieses Problem zu lösen, bedarf es der Mitwirkung weitester Kreise. Bereits hat der Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands einige Hundert Mitglieder und in einer Anzahl Orte haben sich Lokal-Komitees gebildet, die nun in Wechselwirkung mit der Eentrale ihre Thätigleit entfalten sollen. Die Bildung von Ortsgruppen in allen größeren Städten des Reiches wird diesen Winter in die Hand genommen und Herr Generalsekretär Dr. Ernst Tuch sott in einer größeren Anzahl von Städten durch Vorträge über unsere Zwecke das Interesse wachrufen. Durch unser Vorstandsmitglied Herrn Rittergutsbesitzer Dr. Papilski ist eine Enguete über die Anzahl und Lebensbedingungen der jüdischen Landwirthe in Deutschland inscenirt und sott diese Statistik vervollkommnet werden. Nebenher sott aber auch besondere Fürsorge den in der Israelitischen Erziehungsanstalt zu Ahlem ausgebildeten Gärtnerlebrlingen zugewendet werden und wenn dieselben sich als tüchtige Gehilfen bewährt haben, müßte der Verein ihnen zu ihrer Etablirung förderlich sein. Es sollte auch in's Auge gefaßt werden, so lange der Verein nicht über größere Mittel verfügt, jüdischen Landwirthen zu Pachtungen von Gütern Subvention zu gewähren. Aber auch den größeren Aufgaben, insbesondere der Au.ftheilung von Gütern nach dem Vorschläge von Herrn Rosenthal sollte, schon um einen größeren praktischen Versuch zu machen, der Vorstand baldmöglichst näher treten. So richte ich hiermit einen Appell an alle wohlwollenden Glaubensgenossen, sich an dieser großen Aufgabe zu betheiligen. Selbst Diejenigen sollten nicht abseits stehen, welche aus irgend welchen Bedenken sich als Gegner betrachten. Denn soll für die Gesammtheit ein Segen erwachsen, so muß das Für und Wider sorgfältig erwogen werden. Prüfet Alles und wählet das Veste. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 12. Oft. Nachdem die Pensions-, Wittwen- und Waisenkasse des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im deutschen Reiche am 1. Oktober eröffnet worden ist, sind Gesuche um Aufnahme in die Kasse unter Beifügung der in den Satzungen geforderten Papiere an Herrn Dr. F i e g e l, Berlin NW., Klopstockstraße 21. zu richten. Berlin, im Ott. (Wasversteht man hier unter „jüdischer Erziehung?") In der „Berl. Morgenztg." vom 4. Oktober findet sich folgendes Inserat: „An der Rudolf Mosse'schen Erziehungsanstalt zu Dt.Wilhelmsdorf—Berlin ist die Stelle eines jüdischen Erziehers, die mit einem Gehalt von 900 Mk. bei freier Station lB e k ö st i g u n g nicht rituell) verbunden ist, sofort zu besetzen. Bewerbungen von „semi-