Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 98 (10.12.1900)
- Date
- 1900-12-10
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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2061 früh morgens nach dem Aufstehen, eine Entleerung herbeizuführen; auch wenn man keinen Stuhldrang verspürt, auch wenn man weiss, dass keine Stuhlentleerung erfolgt, unterlasse man es nicht, diese Zeit einzuhalten. Selbst ein träger Darm wird durch diese Art der Erziehung, durch diese Regelmässigkeit veranlasst, seine Funktion prompter zu verrichten. Der Magenleidende hat aber neben diesen auf den Speisegenuss sich direkt beziehenden Massregeln noch einer Reihe von Vorschriften Beachtung zu schenken, die mit der sonstigen Lebensweise Zusammenhängen. Die beschränkte Verdauungskraft des Magenleidenden beschränkt auch die Zufuhr von Nahrungsmitteln, bringt es mit sich, dass ihm neue Kräfte nicht in dem Maasse zugeführt werden können wie einem Menschen, dessen Verdauungsorgane gesund sind. Ausserdem liegt es in der Natur einer jeden Krankheit, dass sie bald eine gereizte, nervöse, bald eine trübe, melancholische Stimmung erzeugt. Am Ausgeprägtesten zeigt sich dies grade bei Magenkranken, die infolge ihres Leidens dauernd gezwungen sind, sich in Speise und Trank Opfer aufzuerlegen und eine von den anderen Menschen so verschiedene Lebensart zu führen. Diese Umstände lassen es als nothwendig erscheinen, dass der Magenkranke ausser im Essen und Trinken auch in der sonstigen Lebensweise gewisse hygienische Verhaltungsregeln beobachte, welche in gleichem Maasse die Wohlfahrt und Erhaltung seiner Leibeskräfte wie die Mässigung seiner Gemüthsaffekte erstreben. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, ist es in erster Linie nothwendig, dass der Magenkranke sich jeder aufreibenden Thätigkeit, mag sie in körperlicher oder geistiger Arbeit bestehen, fernhalte, sich vor jeder Überanstrengung in Acht nehme. Es ist darum auch verfehlt, wenn Magenkranke, wie es so oft anzutreffen ist, durch Spazierengehen ihre Körperkräfte allzu sehr anstrengen. Allerdings ist es ihnen zu empfehlen, öfters während des Tages Bewegung zu machen, da diese den Appetit und die Verdauung anregt. Die Bewegung ist ja auch im Stande, förderlich auf die Entleerung des Darmes einzuwirken; finden wir doch, dass Stuhlverstopfung meist bei Kranken, die eine sitzende Lebensweise führen, bei Geistlichen, Gelehrten, Beamten, Comptoiristen, anzutreffen ist*) Die Bewegung soll aber stets langsam *) In eindringlichen Worten schärft schon Maimonides die Bedeutung einer ausgiebigen Bewegung für die Gesundheit ein, indem er sagt, dass nichts in der Welt der Bewegung und massigen Leibesübungen au Werth gleich- I gestellt werden könne. I und gemessen sein und geschehe nie bis zur Ermüdung und Abspannung. Dass man zu seinen Spaziergängen nur gesunde, staubfreie Plätze wählen soll, ist selbstverständlich; gehört ja die Sorge für gute, frische Luft zu den ersten Bedingungen einer jeden Hygiene, denen alle Kranken zu genügen haben. Bei Magenkranken hat das Einathmen von reiner, sauerstoffreicher Luft sicherlich den Effekt, dass der Stoffwechsel belebt und der Appetit angeregt wird. Es ist darum unbedingt erforderlich, eine genügende Aufmerksamkeit den Wohnräumen zuzuwenden, in denen Magenkranke während des Tages sich aufhalten. Es ist nicht zu leugnen, dass die Bewegung, welche Magenkranke im Interesse ihrer Gesundheit zu machen haben, einen gesteigerten Stoffverbrauch des Körpers zur Folge hat. Da es aber bei Magenkranken darauf ankommt, den Stoffverbrauch so viel wie möglich zu verhüten, ist es auf der anderen Seite unerlässlich, dass sie sich mehr Ruhe, mehr Schlaf gönnen, um den etwa enstandenen Verlust an körperlichen Bestandtheilen einzuholen und auszugleichen Es steht nämlich fest, dass die Muskelruhe des Körpers, wie sie in erster Linie im Schlafe zum Ausdrucke gelangt, eine Verminderung des Stoffverbrauchs bedingt und einen Ansatz von Körpersubstanz begünstigt. Wem aber kommen diese Wohlthaten des Schlafes in höherem Maasse zu Gute als gerade Magenleidenden, deren beschränkte Nahrungsaufnahme auch den Körperansatz beschränkt? Das Schlafbedürfnis ist bei verschiedenen Individuen ziemlich verschieden entwickelt, je nach Gewohnheit und Art ihrer Lebensweise. Arbeitende, im Freien Beschäftigte bedürfen eines längeren Schlafes als solche, deren Thätigkeit auf die Stube beschränkt ist. Jugendliche, noch im Wachsthum begriffene Personen haben eine längere Schlafzeit nöthig als herangereifte Männer. Im Allgemeinen reicht eine Schlafzeit von 7—8 Stunden für gesunde Menschen vollkommen aus*). Schwache, kranke Personen freilich, unter ihnen alle Magenleidende, handeln im Interesse ihrer Gesundheit, wenn sie die Schlafzeit auf 9, ja 10 Stunden ausdehnen; bei ihnen wirkt ein längerer ausgiebiger Schlaf gradezu wohlthuend und erquickend. Wir können aber die Wahrnehmung machen, dass gerade Magenkranke ein gesunder, kräftiger Schlaf, der ihnen so sehr Bedürfnis ist, oft flieht. Woran das liegt? Bei dem einen mag vielleicht die Schuld liegen an der mit dem Magenleiden *) Es genügt, so nrtheiit Maimonides, wenn der Mensch den dritten Theil des Tages, also 8 Stunden, dem Schlafe widmet.