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Der Israelit · 1900-12-10 · Heft 98 (10.12.1900) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 98 (10.12.1900)
Date
1900-12-10
Page
– (sequence 18)
Language
German
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r rf-' - 2060 Abwege führen. Das Hungergefühl kann bald ganz fehlen oder doch nur schwach entwickelt sein. Der Geschmack findet oft alles fade und widerlich oder richtet sich auf Nahrungsmittel, die dem Magen unverträglich, gradezu Gift sind. Um in solchen Fällen Hungergefühl und Geschmack in die richtigen Bahnen zu lenken, um den Appetit anzuregen und zu reizen, ist jedenfalls eine vernunftgemässe Abwechselung in der Nahrungsdarreichung als eins der vorzüglichsten Mittel zu betrachten. Aus diesem Grunde bietet auch das Passah- Fest (Ostern) mit seiner etwas veränderten Lebensweise eine willkommene, angenehme Abwechselung in der Diät Magenkranker. Mit dem Angenehmen geht auch das Nützliche Hand in Hand, da die durch Ostern bedingte Veränderung in der Lebensweise in vielfacher Beziehung günstig auf den Ablauf des Magenleidens einwirkt. Es unterliegt nämlich keinem Zweifel, dass die Entziehung jeder „gesäuerten“ *) Nahrung bei Kranken, bei denen abnorme Gährungs- und Säuerungsprocesse sich so oft im Magen abspielen und den Verdauungsakt beeinträchtigen, ein nicht zu unterschätzendes Heilmittel darstellt. Dazu kommt noch, dass die Osterbrode, weil sie beim Backen wegen ihrer Dünnheit der Einwirkung der Hitze in ihrer ganzen Masse zugänglich sind, sich als ebenso leicht verdaulich denn jedes andere Brod erweisen; ja sie können ausgiebiger gekaut und mit Speichel vermengt werden. Die Auswahl der sonstigen Lebensmittel erleidet aber, abgesehen vielleicht von geringen Veränderungen in der Zubereitungsweise, keine oder doch nur eine so unbedeutende Einschränkung, dass sie kaum fühlbar wird. Denn jene Bodenerzeugnisse wie Erbsen, Linsen, Graupen, Gerste u. a. und jene aus den Getreidearten durch Gährung erzeugten Präparate wie Bier, Branntwein, die insgesamt am Ostern religionsgesetzlich für den Genuss fortfallen, spielen in dem Nahrungsregime Magenkranker eine s,o untergeordnete Rolle, dass ihr Verlust leicht verschmerzt wird, ja gar nicht in Betracht kommt. *) Gesäuerte Nahrung in diesem Sinne liefern die Getreidearten Weizen, Dinkel, Gerste, Roggen, Hafer in jeglicher Form, wenn zu ihnen, bevor sie sich in gebackenem Zustande befinden, von dem Zeitpunkte des Abschneidens der Halme Feuchtigkeit hinzugetreten. In diesem Falle findet bei Gegenwart von Wasser durch Zutritt von sogenannten Fermenten, kleinsten, überall in der Luft befindlichen Organismen in den Getreidearten nach einer bestimmten Zeit ein Proces statt, den man als Gährung, „Säuerung“ bezeichnet. Es ist darum für die Zubereitung von den Osterbroden jene Vorsicht und Sorgfalt geboten, die es ermöglicht, dass vor dem Backen keinerlei Gährung stattgefunden hat. Wenn aber trotzdem um die Osterzeit herum die Klagen über Verdauimgsbeschwerden sich unter den Juden häufen, so ist die Schuld hierfür einzig und allein der vernunftwidrigen Lebensweise beizumessen, die zu Diätfehlern führt. Man isst eben zu viel und zu oft und dazu recht schwer verdauliche Speisen. Vor Allem sind die verschiedenen aus Osterbrod zusammengesetzten und mit einem Zusatz von Fett oder Gewürzen versehenen Gerichte wie Knödel, Mazzothspeisen recht schwer verdaulich und schädigen auch ganz gesunde Organe. Magenkranke sollten vor Allem an den beiden ersten Osterabenden, an denen eine Mannigfaltigkeit und Reichhaltigkeit in den Speisen, eine „ausgedehnte“ Tafel zu den herkömmlichen Gebräuchen gehört, die bereits angegebenen Grundsätze der Massigkeit streng befolgen und unter anderem den Genuss zu scharfer „Kräuter“ vermeiden und sie mit milderen wie Petersilie, Salat vertauschen. Wie eine Regelmässigkeit in der Nahrungszufuhr, so gehört auch eine Regelmässigkeit in der Darmentleerung zu den Erfordernissen, denen im Interesse der Gesundheit zu genügen ist. Die Hygiene macht es zur Pflicht, einmal wenigstens in 24 Stunden eine Stuhlentleerung eintreten zu lassen.**) Es bildet aber, wie man weiss, eine der häufigsten Klagen von Magenkranken, dass sie an Stuhlverstopfungen leiden, die, oft recht hartnäckig, zu einem der unangenehmsten Symptome des ganzen Leidens answachsen können. Kein Wunder, wenn es der sehnlichste Wunsch solcher Kranken ist, eine Regelung des Stuhlganges herbeizuführen, und sie darum zu allen möglichen Abführmitteln greifen. Man hüte sich aber, den Darm an Abführmittel zu gewöhnen, da diese mit der Zeit den entgegengesetzten Effekt erzielen, den Darm immer mehr und mehr schwächen und schliesslich ihre Wirkung versagen. Allenfalls erweist sich, wo es sich um einen momentanen Erfolg handelt, die Anwendung von lauwarmen Wasser-Klystieren als ein recht bewährtes und unschädliches Mittel. Natürlich ist bei ihrer Handhabung Vorsicht geboten und eine Angewöhnung zu meiden. Unser vorzüglichstes Bestreben sei vielmehr stets darauf gerichtet, eine Besserung des Zustandes durch eine verbesserte Lebensweise, eine geeignete Diät, die aus stuhlfordernden Nahr ungsmitteln sich zusammensetzt, zu erreichen. Unterstützt wird der Erfolg, wenn man sich gewöhnt, zu ganz bestimmten Zeiten, am besten **) In richtiger Würdigung dieses Umstandes erkennt anch Maimonides in der regelmässigen Entleerung der Eingeweide eines der wichtigsten Mittel, um die „Kräfte vor Verfall zu hüten.“

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