Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 98 (10.12.1900)
- Date
- 1900-12-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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4U Jahrgang. Zweite Aeilage zu jv§ 98 des „Israelit". 1/ c i t e n d e r Artikel. Die Nahrung des gesunden i Men Magens. Zur Verhütung lind Linderung von Magenkrankheiten. Mit besonderer Berücksichtigung: der ,jüd. Speispgeaetze. Von Dr. P. Münz, pract. Arzt, Nürnberg. (Sr!iln>s stüft Fortsetzung.) Bei anderen .Magenkranken hinwiederum ist die Unterernährung in dem Charakter des Leidens selbst begründet, sei es dass der Magen so geschwächt ist. dass er selbst die beste Nahrung nicht verträgt, nicht verdaut, gegen ihre Aufnahme mit Schmerzen oder heftigem Erbrechen reagirt. oder sei es dass ein Appetitmangel. ein schnell eintretender Widerwille der ausreichenden Xaliruiigszufiihr im Wege steht. Es giebt wohl keine Magenerkrankung, bei der nicht liier und da derartige 1'ebelstände zu Tage treten können. Wie kann hier Abhilfe geschaht werden? In ganz hartnäckigen Eällen. wie sie beim Magenkrebs . beim Magengeschwür, bei der Magenerweiterung meist Vorkommen, kennen wir keinen andren Ausweg als zur künstlichen Ernährung") die Zuflucht zu nehmen, zur Ernährung durch den Mast dann, von welchem aus feinvertheilte Nährstotfgemenge in die Körpersäfte übergehen können. Werden die Nährklystiere in geeigneter Form, in gut durcliquirltem und auf Körpertemperatur normirtem Zustande während des Tages 2-4 mal je nach Bedarf eingegeben, so ist es möglich, den Kräfteverfall zu verhüten und sogar unter Umständen einen Ansatz von Körper.substanz zu erzielen. Die Nährklystiere haben vielfach wie bei den Magenkatarrhen und Magengeschwüren nebenbei den Elfekt, dass dem Magen dadurch die Möglichkeit gegeben wird, sieb zu erholen und zu kräftigen. was sicherlich zu einer Linderung, wenn nicht gar zu einer Heilung des Leidens beiträgt. Die Nährklystiere setzen sich am besten zusam- *) Bei Fett?chwun<l des Körpers werden jetzt auch ziir Ernährung Einspritzungen unter die Haut mit Del (Olivenöl! mul Fetten gemacht, freilich mit recht unzureichendem Erfolg. , men: entweder ans göO gramm Milch. 2 Gelbj eiern. I Theelöffel Kochsalz, ] Esslöffel Ko, b- | wein. 1 Esslötfel Kraftmehl: oder aus 25o Gramm Bouillon, 120 Gramm Wein, 2 Gelbeiern. 5—20 j Gramm trockenem Lepton: oder auch aus löo Gramm gekochtem Hammel- resp. HiilinerHeiseli. öo Gramm Kalbsmilcli. u> Gramm Fett. 7 Gramm Cognac. 9o Gramm Wasser, die Mengen stets gesiebt und zu einem Brei.* verrieben. Das religiöse Gesetz verbietet es nicht.• Nährklystiere auch da. wo es sich keineswegs um Lebensgefahr bandelt, aus Stoffen, die nicht in ritueller Weise gewonnen sind, zu verabfolgen, da sich jenes Verbot mir auf die Einführung unerlaubter Speisen auf dein gewöhnlichen Wege, durch den Mund, erstreckt. Es ist aber sehr gut möglich, ebenso wirksame Nährklystiere aus rituell zulässigen Nahrungsmitteln herzustellen. Tn jenen leichteren Fällen, wo der Magen noch nicht so empfindlich ist und nur Appetitmangel besteht, ist es angezeigt, sieh verschiedener Kunstmittel zu bedienen, um den Appetit zu reizen un! das Hungergefühl anzuregen. Die Bedeutung der Genussmittel in dieser Beziehung haben wir bereits kennen gelernt : wir werden also in der Krankenernährung dieses oder jenes Genussmittels nicht leicht entrathen können. Von ganz besonderer 'Wichtigkeit ist es aber, in der Kostdarreichung eine angenehme Abwechselung, eine Mannigfaltigkeit eintreten zu lassen, die sich nicht nur in den einzelnen Nahrungsmitteln, sondern auch in der Art -ihrer Zubereitung geltend zu machen hat. Wem nämlich ununterbrochen dieselbe Nahrung dargeboten wird, der bekommt mit der Zeit einen solchen Widerwillen gegen dieselbe, dass sein ganzen' Appetit darunter leidet. Die Xahrungszufuhr. und mag sie sich noch so abwechslungsreich gestalten. muss aber stets auf die individuellen Empfindungen des Kranken Rücksicht nehmen: man reiche ihm. soweit es sich nur irgend wie mit den Gesetzen der Hygiene in Einklang bringen lässt, diejenige Nahrung und in derjenigen Zubereitungsart, nach der ei-grade Verlangen trägt. Es ist nämlich nicht zu vergessen, dass das Hungergefühl und die Geschmacksrichtung sich stets als die besten Führer auf dem vielverschlungenen Pfade der Ernährung Magenkranker erweisen; allerdings wäre es verfehlt-, sich in -der Kostdari'eichung einzig und allein von den individuellen Empfindungen des Kranken leiten zu lassen, da sie gar oft im Stich lassen und auf