Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-12-10 · Heft 98 (10.12.1900) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 98 (10.12.1900)
Date
1900-12-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449140--52145-2502273
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

2053 erschienenen Nummern schreibt: Die Lösung der Judenfrage ist so lange „unausführbar," meint Ulrich „Dühring" in seinem Personalist und Emanziator Nr. 28, 1900, so lange die Völker durch das von Juden eingeführte Christenthum in ihrer geistigen Anschauung zu jüdischen Ansichten gebahnt sind und in jüdischem Verherrlichungswahne fortleben, wo Aberglaube, Haß und Unduldsamkeit die abscheulichsten Verbrechen zeitigen. Geistig ist der Christ hebräisirt und verjudet. Che dieses Stück An- und Durchjudung der neueren Völker nicht beseitigt ist, läßt sich auf eine nachhaltige Vernichtung des Hebräismus und auf ein Verschwinden des alles überwuchernden Judenthums nie u. nirgends rechnen. Der jüdische Nationalismus rühmt sich sogar, das Christenthum aus sich heraus geboren und so vielen Kulturvölkern vererbt, ja schließlich den besten Racen eingeimpft zu haben. Ehe diese Völker- und menschheitswidrige Impfung nicht zu einem Ende gelangt und mit ihren geistig alterirenden Folgen verwunden und überwunden ilt, kann von einem ernsthaften Antisemitismus, richtiger Antihebräismus, wohl gedacht, aber niemals lebensfähig gemacht werden. Das Christliche steht dem ernsthaft Antisemitischen im Weg Jud und Junker ist alter Gegensatz; der letztere ist christlich feudal. Zu seinem Schwert gehörte ursprünglich das Kreuz und aus den Kreuzzügen entstand der Ritterorden. Der Junker ist eine Entartung des Edelmanns. Er glaubt den Juden zu bekämpfen, während er ihn in eineru wesentlichen Punkte kultivirt und verherrlicht. Die Juden können nicht weggebetet werden; sie müssen als Ausländer und Fremde durch drakonische Staatsgesetze behandelt und der Aufenthalt überall verleitet werden. Erst dann können die Völker gesunden und der erwünschte Friede und die bürgerliche Gewissensruhe eintreten. (Das-ist auch unsere Herzensmeinung. Redations-Bemerkung des „Freien Beobachter.") Vielleicht hat einer oder der andere von unseren Lesern Gelegenheit, christliche Freunde auf derartige Auslaffungen aufmerksam zu machen. Red. d. „Jsr." T. Schwab. (Amnnd. Auf eine Eingabe des hiesigen Vorsängers. Herrn U h 1 m a n n, an dos Bat.- Kommando, wurde sofort Verfügung getroffen, daß die jüdischen Soldaten jeden Samstag dem Gottesdienste beiwohnen können. Oe st er r. -Ung. Monarchie. Wien, im Dez. Die „Oesterr. Wochenschrift" schreibt: Von einem hervorragenden conservativen Mitgliede der israelitischen Cultusgemeinde erhalten nur folgende Zuschrift: Herr Redakteur! Obschon niemals Zionist, habe ich doch stets dem Zionismus eine gewisse Sympathie entgegengebracht, weil ich der Meinung war, daß durch denselben ein gewisses Interesse für das Judenthum angeregt werde. Als ich aber einer zionistischen Wählerversammlung (am 22. v. Mts. im Ronacher-Saale) beiwohnte, wurde ich eines Besseren belehrt. Der Präsident der Zionisten, Dr. Herzl, setzte nämlich in einer in hochfahrendem Tone gehaltenen, recht inhaltsarmen Rede auseinander, wer vom zionistischen Standpunkte aus ein „guter Jude" sei. Wenn ich aus den bombastischen Phrasen des Herrn Präsidenten den Kern herausschäle, so hat ein „guter Jude" nach seiner Facon sich um Confession und Tradition gar nicht zu kümmern, sondern sich ausschließlich als Nationalist zu fühlen, den modernen Anschauungen Rechnung zu tragen und sogar den Religionsunterricht nach dieser Richtung ertheilen zu lassen. Da ich der Meinung bin, daß ein „guter Jude" in erster Reihe seiner Religion und erst in zweiter Reihe dem Nationalismus huldigen muß, so war ich von dieser Stunde an vom Zionismus a Ja Herzl- Nordau geheilt. Nicht verschweigen kann ich, daß auch begleitende Nebenumstände mich darüber aufgeklärt haben, inwieweit die derzeitigen Führer dieser Richtung dem Judeniyum Segen bringen können. Der Präsident der Zionisten nahm in der bezeichneten Wählerversammlung sein Souper (Restaurant Ronacher) ein und bestieg mit dem letzten Bissen (vielleicht Schweinscarre) im Munde, die Rednerbühne, um den „guten Juden" zu definiren. Es kam ihm offenbar gar nicht in den Sinn, daß es die erste Bedingung wahrer Aufklärung sei, die Meinung Anderer zu respektiren und öffentliches Aergerniß zu vermeiden. Kann von dieser Seite dem Judenthume Heil erwachsen? Ein alter Jude. Budapest, im Dez. (Das „B l u t m ä r ch e n" in S z t. - E n d r e.) Aus Szt.-Endre wird der folgende Fall berichtet: Einige deutsche Bauern überfielen einen Beamten der israelitischen Kultusgemeinde, der ein kleines Mädchen an der Hand führte, in der Nähe der Eisenbahnstation und schlugen ihn, vom Wahne befangen, daß er an dem Kinde einen „Ritualmord" verüben wolle, halb todt. Glücklicherweise eilten einige Passanten dem bereits aus mehreren Wunden blutenden bewußtlosen Manne zu Hilfe und retteten ihn aus den Händen seiner Peiniger. Der Schwerverwundete wurde in's Jobannisspital gebracht. Den Thätern aber gelang es, zu entweichen. Nachträglich stellte es sich heraus, daß das von dem Kultusbeamten vermeintlich geraubte Mädchen das Töchterchen eines verarmten Alt-Ofener -- Juden, des Juweliers Moritz Weil war, dessen Vater einen Selbstmord verübte und dessen Mutter aus Schmerz über den Verlust ihres Gatten irrsinnig wurde, der vermeintliche Mädchenräuber aber damit betraut war, das unter der Obhut seiner Großmutter Frau Boskowits befindliche verwaiste Kind im Budapeiter israelitischen Waisenhause unterzubringen. Auf dem Wege zur Station der Budapest-Szt.-Endreer Vizinalbahn wurde er jedoch, wie erwähnt, von den unwissenden fanatisirten Bauern unter dem lächerlichen Verdachte eines beabsichtigten „Ritualmordes" attakirt

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.