Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 98 (10.12.1900)
- Date
- 1900-12-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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MMW^Ed^MWWWWWWF 2048 Borstand des genannten Vereins zu dem Beschlüsse ge nöthigt, die Aufnahme von Knallen lvährend der Mo uate Dezember und Januar zu sistiren. Belgien. Brüssel. 7. Dez. Die Bittschrift an den Papst, welche von einem Komitee beider christlichen Konsessio nen in Belgien gegen den Antisemitismus, namentlich aber gegen die Blutbeschuldigung gerichtet wurde, hat folgenden Wortlaut: ..Sehr heiliger Bater! Die Unterzeichneten, welche den verschiedensten philosophischen Schulen und, mit Ausnahme der jüdischen, allen Religionen angehören, haben die Ehre, Ew. Heiligkeit zu melden, daß alle edlen Geister, gleichviel wessen Glaubens, mit Schrecken den großen Fortschritt wahrnehmen, den der Judenhaß in allen Ländern macht. Aengstlich sehen sie die wachsende Gunst, mit welcher die unwissenden Massen die ebenso hassenswerthe wie absurde Legende vom Ritualmorde ausnehmen. Sie beklagen die Gewaltthätigkeit und die Plünderungsscenen. denen diese Legende als Vorwand dient; sie bedauern auch das in Kuttenberg am 16. September gegen einen Juden wegen eines Ritualmordes ausgesprochene Todesurtheil, das sie als den größten Schimpf für die Civilisation ansehen. Gleich nach Fällung jenes Todesurtheils hat die civilisirte Welt Protest dagegen erhoben, die Wissenschaft ist eingeschritten, und der verurtheilte Jude Hilsner ist nicht hingerichtet worden. Alle Geister der Humanität athmeten nach gefälltem Spruch des Kassationshofs erleichtert auf, da er durch Anullirung des Urtheils der modernen Gesellschaft die Schande einer Hinrichtung wegen Ritualmordes erspart hat. Die Unterzeichneten setzen ihre Hoffnung auf die Weisheit Ew. Heiligkeit, die sie inständigst bitten, den glorreichen Traditionen des päpstlichen Stuhles zu folgen und die Wiederkehr ähnlicher Greuel zu verhindern. Die Unterzeichneten können sich auf mehr als einen erlauchten Vorgänger Ew. Heiligkeit und namentlich auf die Päpste Gregor X., Martin V., Paul 111. und Clemens XIV. berufen. Aber schon vor diesen drückte sich der große Papst Jnocenz IV. wie folgt darüber aus: „Indem wir uns gegen die Verderbtheit und den Geiz schlechter Menschen erheben, befehlen wir, daß Niemand jüdische Gräber schänden und jüdische Leichen ausgraben darf, um bei ihnen nach Geld zu suchen. Daß ferner Niemand die Juden anklagen darf, sich zu religiösen Zwecken des Christenblutes zu bedienen. Das alte Testament verbietet ihnen den Gebrauch des Blutes überhaupt, geschweige denn des Menschenblutes." „Da in Fulda und in manchen anderen Orten viele Juden infolge dieser Anklagen getödtet wurden, so verbieten wir hierdurch aus das Strengste, daß sich solche Ereignisse noch einmal wiederholen." Aber Publizisten hetzen die verblendete Menge mit solcben Verbrechen aus, und Behörden geben dem Drängen dieser Menge nach und verklagen und ver urtheilen Juden wegen Ritualmorde. Alle Diejenigen, welche bemüht sind, dieser verbrecherischen Legende beim Volte Glauben zu verschaffen, befinden sich in offener Rebellion gegen den heiligen Willen des souveränen Pabsithums, sie erheben sich gegen die Kirche, indem sie den 23. Artikel des Syllabus und das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit verletzen. Daher bitten die Unterzeichneten Ew. Heiligkeit, die christliche Welt an ihre Pflicht zu mahnen und dadurch die Wiederholung jener blutigen Seenen und Justizverbrechen zu verhindern, welche der Menschheit zur Schmach gereichen." Rumänien. Bukarest, 6. Dez. Angesichts der keine Aussicht auf Besserung bietenden Nothlage der rumänischen Israeliten, gründet die „Alliance Jsraelite", indem sie die planmäßige Leitung der ferneren Auswanderungen übernimmt, in Jassy eine hierzu vorbereitende israelitische Ackerbauschule. Feuilleton ersöhnte Weinde. Von Babette Fried. In Prag waren die preußischen Truppen eingezogen und in Mähren wurden eifrig Friedensunterhandlungen gepflogen. Hie und da verirrte sich ein Zeitungsblatt in das entlegene Städtchen, aber bei der strengen Censur, die in dieser unruhigen Zeit geübt wurde, erfuhr man auch nichts Rechtes. Tie beiden Freundinnen saßen allabendlich nach gethanem Tageswerk in dem kleinen Stübchen, das sie gemeinschaftlich bewohnten und unterhielten sich von den kleinen Erlebnissen des Tages. Rosa war allmählich etwas heiterer geworden; die Hoffnung, den geliebten Bruder wiederkommen zu sehen, hatte sie immer noch nicht aufgegeben. Fest glaubte sie daran, daß, so lange ihr Bildntß nicht wiederkam, so lange lebe er. In den Gesprächen der beiden Mädchen spielte der „Doktor," wie sie ihn kurzweg nannten, so lange sie unter sich waren, keine unbedeutende Rolle. Rosa gerieth immer in Feuer, wenn sie von ihm sprach oder sprechen hörte, so daß einmal Anna, scherzend mit dem Finger drohend, ausrief: „Rosa, Rosa, mir scheint, daß Du den preußischen Doktor am Ende gerne hast."