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Der Israelit · 1900-12-10 · Heft 98 (10.12.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 98 (10.12.1900)
Date
1900-12-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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2046 verübt haben.' Diese Thatsache ist für die inserirende Firma ebenso charakteristisch wie für das antisemitische Insertions-Organ. Berlin, 7. Dez. In einem längeren Aufsatz über „die politische Gleichberechtigung der Juden" von Herrn Dr. Max Nordau in einer Nummer der „Welt" findet sich der folgende Passus: „Wir hören oft von Affimilationsjuden uns mit geheuchelt oder aufrichtig wuthbebender Stimme die Frage in's Gesicht schreien: „Sollen wir etwa feige aufgeben, was unsere Väter mit solcher Anstrengung erkämpft haben?" Diese Frage schließt eine freche Geschichtsfälschung in sich, und es ist Zeit, dieser Lüge die Maulschelle zu versetzen, die sie reichlich verdient. Es ist nicht wahr, daß unsere Väter die politische Gleichberechtigung erkämpft haben. Sie haben sie erschlichen und erkrochen, und ich, der Nachkomme, für den sie es gethan zu haben glaubten, werfe es ihnen, ohne mich für undankbar zu halten, bitter vor und werde schamroth, wenn ich diesen Abschnitt unserer neuen Geschichte lese." Wenn man diesen Paffus in einem der wüthendsten Antisemitenblätter fände, bemerkt hierzu die „Allg. Ztg. d. I.", Berlin, würde man ihn empörend finden. Was soll man aber dazu sagen, wenn ein Jude in einem jüdischen Blatte derartiges zu sagen sich erdreistet. Wahrlich, die Zeiten des Meffias scheinen nach dem bekannten Ausspruch des Talmuds nicht fern zu sein. Breslan, 7. Dez. Der „Voff. Ztg." wird von hier gemeldet: Das Schwurgericht in Beuchen, Oberschles., verurtheilte den Privatschreiber Paul Orda aus Kattowitz wegen wissentlichen Meineides zu fünfjährigem Zuchthaus und zehnjährigem Ehrverlust. Orda hatte in einem an die Konitzer Staatsanwaltschaft gerichteten Schreiben Jsraelski der Ermordung des Gymnasiasten Winter beschuldigt. Als er hierauf in Kattoivitz eidlich vernommen, bekundete er, er sei am ID März in Könitz gewesen und habe gesehen, wie Winter von zwei Männern, anscheinend Juden, überfallen und in einen Wagen geschoben wurde, der dann schnell davongefahren sei. Einer der Männer hätte einen anderen mit dem Namen Jsraelski angeredet. Die angestellten Ermittelungen ergaben, daß diese Angaben Ordas erfunden waren, da er am 11. März in Zawodzie bei Kattowitz einen Halbpaß gelöst hat. Könitz, 6. T)ez. Die Versetzung des bisherigen Ersten Staatsanwalts hier, Settegast, nach Limburg a. d. Lahn ist geeignet, weithin Aufsehen zu erregen. An sich steht es ja selbstverständlich in dem Ermessen der Justizverwaltung, die Beamten der Staatsanwaltschaft im Interesse des Dienstes zu versetzen, und es wird auch wohl keinem Zweifel unterliegen, daß den meisten Staatsanwälten die Wabl zwischen Limburg und Könitz nicht schwer fallen würde. Aber hier hat der Justizminister einen Beamten versetzt, der von der antisemitischen Presse in stärkster Weise angeseindet wurde, dem man in unzweideutiger Weise vorwarf, alle Spuren nicht beachtet zu haben, die auf eine Schuld der Juden hindeuteten. Wenn dieser Beamte unmittelbar nach Beendigung der Konitzer Prozesse nach dem Westen versetzt wird, so könnte dies den Eindruck machen, daß die Justizverwaltung dein Drängen der antisemitischen Presse nachgegeben habe, die denn auch ein Triumphgeschrei erhebt. Ob sich die Justizverwaltung in ihren Entschließungen durch die Wünsche der antisemitischen Partei hat beeinflussen lassen, wissen wir nicht, aber sie mußte auch den Schein vermeiden, als ob dies geschähe, und zwar auch dann, wenn die Versetzung aus Anregung des Beamten ausgesprochen worden wäre, denn auch dann mußte eine gelegene Zeit hierfür abgewartet werden. Wie sich die Justizverwaltung bei solchen Anlässen zu verhalten hat, kann aus dem Verfahren des Justizministers gelegentlich des Prozesses Buschoff entnommen werden; auch damals richtete sich der Haß der antisemitischen Presse gegen die Beamten der Staatsanwaltschaft, vor allem den damaligen Oberstaatsanwalt des Oberlandesgerichts Köln, den jetzigen Präsidenten dieses Gerichtshofes, und es fehlte mit Nichten an Preßauslassungen, die seine Versetzung verlangten. Die damalige Justizverwaltung hatte aber kein Ohr hierfür, sie vermied auch den Schein, als ob sie sich zu einer Maßregel bestimmen ließe, die ausschließlich im dienstlichen Interesse verfügt werden kann. Es mag ja sein, daß dienstliche Gründe für die Versetzung des Herrn Settegast sprachen, vielleicht war sie auch schon längst in Aussicht genommen, aber dann mußte ein anderer Zeitpunkt für ihre Ausführung getvählt toerden. Jedenfalls wird dieser neue Erfolg der ziigel- und zuchtlosen antisemitischen Presse den Kamm noch mehr schwellen machen. Dresden, 6. Dez. Dem Baumeister Hartwig ist in einem schöffengerichtlichen, vom Landgericht als Berufungsinstanz jüngst bestätigten Urtheil der Vorwurf gemacht, er habe in einer Grundstücksangelegenheit wider Treu und Glauben gehandelt, sein Wort gebrochen und sich einer Schiebung schuldig gemacht. Hartwig ist Präsident des „Deutschen Haus- und Grundbesitzer-Verbandes, Vorsitzender des hiesigen Hausbesitzer-Vereins, antisemitischer Reichsu. Landtagskandidat und Vize-Vorsteher der Stadtverordneten in Dresden. Nach jenem Urtheil erklärten 22 Dresdener Stadtverordneten, daß Hartwig nicht mehr die Qualifikation zur Bekleidung eines städtischen Ehrenamtes besitze, er möge es niederleaen. Die Angelegenheit wurde dem Vorstande und den Ausschüssen der Stadtverordneten zur Vorerörterung übergeben und diese Herren sind jetzt zu der Ansicht gekommen, daß Hartwig nach der sächsischen Städteordnung feine Unbescholtenheit nicht verloren hat und fein Ehrenamt behalten kann. — Bei der Zusammensetzung unseres Stadtparlaments ist es zu erwarten, daß diese

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