Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 98 (10.12.1900)
- Date
- 1900-12-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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m 2045 Drill wird das tpoin überseht urib vorher schon das Oiebetbuch, nach derselben Schablone wird Biblische Geschichte, Hebräisch Schreiben und-Hebräisch-Deutsche Lesen eingeübt, in späteren Jahren auch etwas Grammatik. 71^2 br x'.i n das ist die ganze Thora, die da gelehrt wird. Die Religion, was Religion ist. rvozu sie unS antreiben soll, die Eigenschaften Gottes, kurz, der ganze Firlefanz, dessen Summe man Religionsunterricht nennt, lasse ich hier ganz bei Seite, obwohl er den größten Theil der Schulzeit ausfüllt. Sein wirklicher Werth steht in umgekehrtem Verhältniß zu dem Pathos und der Wichtigkeit, die auf diesen Religionsunterricht verwendet wird. Füglich entscheidet aber nicht der Unterricht, sondern die Persönlichkeit des Lehrers. Unser Lehrer ist seminaristisch gebildet, das ist sein größtes Unglück. Gr-unterrichtet nach alten schulgerechten Gesetzen .der modernen Pädagogik und kommt mir dabei wie eine Novize in der Kochkunst vor, die, vor dem Feuerherd stehend, mit dem Kochbuch in der Hand, vertieft in ihre Wissenschaft, die Speisen anbrennen läßt. So ist unser Lehrer lauter Methode, dadurch bleibt er kalt, hölzern und unbeholfen, ohne Einfluß auf die ihm anvertrauten Kinderseelen. Gr ist ein braver Mann, aber ein schlechter Musikant. Seine Wirksamkeit auf die jüdische Erziehung ist gleich Null und dabei ist es noch ein Glück, daß sie nicht Minus Null ist, wie bei vielen seiner Kollegen, die ihre Unkenntniß durch Freigeisterei und Minus jeder Art zu verschleiern suchen. Ich glaube,, daß die. Schäden und Mängel vieler unserer Lehrer nicht so sehr in ihnen, als in unserer ganzen Zeittichtung liegen, daß Lehrer, wie sie mir als Ideal feuriger Jehudim, die von ihrem hohen Berufe ganz durchdrungen sind, vorschweben, in den meisten Gemeinden geradezu unmöglich ivären. Wenn unser erster, großer Lehrer, wenn un rtra, der sich doch gewiß wie kein anderer auf die „mosaische Religion" und ihren Unterricht verstehen mußte, wenn er heute herniederstiege und eine Anstellung als Religionslehrer suchte, er, würde sie ganz gewiß so leicht nicht finden. Mit unserem Herrn Lehrer sind wir dagegen alle zufrieden. Diese Zufriedenheit würde aber rasch in ihr Gegentheil Umschlägen, wenn er wirklich ein-ni'n p cöinine. il fallt wäre, und er erfüllt von seinem Lebensberufe, die Mitglieder unserer Gemeinde belehren wollte, daß ihre Kinder täglich so viele Stunden Thora lernen müssen, als sie jetzt die ganze Woche Religion treiben. Wenn er sich aus freien Stücken erböte, diesen Unterricht ohne Entgelt zu ertheilen, wie es unsere großen Lehrer immer gethan haben, er würde keine Eltern finden, die üjtm ihre Kinder anvertrauen würden.' Si» würden die Ueberbürdung, die Gesundheit der Kinder und noch ein ganzes Schock ähnlicher Bedenken vorschützen und sichweigern, diesen einzigen Weg zu beschreiten, auf dem, allein die jüdische Erziehung unserer Kinder zu er-- reichen ist. Vielleicht bin ich zu hart, wenn ich sage, daß sie diese Bedenken vorschützensie sind möglicherweise ganz aufrichtig davon,durchdrungen und zwar mit eineni ge nässen Rechte, tlnsere bürgerlichen Schulen stellen ja in der Thai so große Ansprüche an ihre Schüler, daß ihnen faktisch nicht so viel Zeit übrig bleibt, als ein gründlicher, erfolgreicher Thorannterricht täglich er fordert. Um diesem Dilemma auszuweichen, hat man der Gründung von Schulen das Wort geredet, welche die jüdischen und anderen Fächer harmonisch vereinigen und beide mit ebenbürtigem Ernst und der ganzen Hin gebung pflegen, die jede dieser Disciplinen erfordert. Auch ich glaube, daß dies das einzige Mittel ist, um die beiden Gegensätze auszugleichen und unbescha det ihrer Ausbildung für das bürgerliche Leben unfern Kindern die Möglichkeit einer jüdischen Erziehung zu sichern. Aber zwischen dieser Idee und ihrer Verwirf tichung klafft noch heute eine so tiefe Kluft, trotz der verschiedenen ackstungswerthen Versuche, die zu ihrer - Ueberbrückung bereits gemacht wurden, daß jede prü sende- Untersuchuna des bereits Erreichten und des nock Anzustrebenden auch heute noch feie Aufmerksamkeit aller Betheiligten zu fesseln geeignet ist. Ich habe mich über die bestehenden Schulen, die hier in Betracht kommen, möglichst ge man zu orientiren versucht, aber ich habe mich bis heute noch nicht entschließen können, meine Kinder einer derselben zu 'übergeben, weil ich nicht die -Ueberzeugung habe, daß diese Anstalten u lies bieten, u-m über die jüdische Erziehung meiner Kinder nun außer Sorge sein zu können.. . (Schluß folgt.) Zeltrrngsriachrichle« und (Korrespondenzen. Deuischland. . Berlin, 7, , Dez. Der, Gesammtaüslage der „Staatsbürgerztg." vom 21. v. M. lag nicht nur das 16, Preisverzeichniß der. Firma .Baer .Sohn bei. sonderndas judenfeindliche Blatt brachte in.derselben Nummer unter „Geschäftliche Mittheilungen" eine redaktionelle Empfehlung der „drei modern erweiterten .und praktisch eingerichteten Geschäftshäuser" dieser Firma, bezw. der „enormen Läger" derselben. Die Annahme, daß Herr D. Baer Dissident sei, ist eine irrthümliche; dieser Herr bekennt sich nicht nur heute noch zum Judenthum,, sondern hals. Z. sogar (wie eine No tiz der Voss.. Ztg." vom 1. Mai d. I. beweist) eine Be sprechung von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde angeregt. um eine Geldsammlung für die Entdeckung der Mörder, in Könitz zu veranstalten. Trotzdem ist,er ein bevorzugter Inserent des Blattes, welches täglich die Meinung zu verbreiten sucht, daß diese Mörder Juden sind und das Verbrechen aus religiösem Fanatismus