Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 98 (10.12.1900)
- Date
- 1900-12-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2044 MWWWW^MWW *mm / eignet lialnm. l’ln dieser praktischen Einführung und Gewöhnung fehlt es auch in meinem Falle nicht, es ist der Ehinnnch, wie er jedem jüdischen Hause geläufig ist. völlig rathlos stehe ich aber, sobald es sich um den theoretischen Theil des Erziehungsgeschäftes handelt. Hier hintt sogar mein ganzer Vergleich ganz bedenklich, denn das, was hier fehlt, ist ungleich mehr, als die Theorie im Vergleich zur Praxis. Mein Mann, dessen Ausspruch mir vorschwebt, gilt allgemein als tüchtiger Geschäftsmann. Er kann dabei aber von der edlen Schreibkunst nicht viel mehr als feinen' Namen schreiben, von fremden Sprachen versteht er gar nichts, von einer handelswissenschaftlichen Ausbildung kann gar keine Rede sein. So wünschenswertb, ja so nothwendig diese Kenntnisse auch sein mögen, ihr Mangel hat ihn nicht gehindert, ein guter Geschäftsmann zu werden. Er hätte es vielleicht noch weiter gebracht, wenn er über alle diese Kenntnisse verfügt-'. er Et daher angelegentlich darauf bedacht, dast sie seine Kinder sich aneignen; aber er ist für seine Person mit dem Erreichten zufrieden und er hat auch alle Ursache dazu. Dagegen kenne ich Andere, welche sich auf Buchführung, Eorrespvndenz und Sprachen ganz ausgezeichnet verstehen, dabei aber in Wirklichkeit recht mittelmäßige Geschäftsleute sind. Ich folgere daraus, dasz der Werth der kaufmännischen Kenntnisse nur ein bedingter ist und sich in der Thai zur wirklichen kaufmännischen Ausbildung wie Theorie zur Praxis veri-ält. - " ■ Gan.z anders gestaltet sich das Verhältnis zwischen dem indischen Wissen und feiner praktischen Erfüllung. Cf/ne das erstere ist die letztere gar nicht möglich. Wenn es einst hieß, daß ein Unwissender nicht fromm sein könne, so hat heutzutage ein Am Horez nicht einmal die Garantie, daß er Jude sein und bleiben könne. Wenn mein Kind unwissend heranwachsen müßte, so lvare die praktische Erfüllung des jüdischen Gesetzes, wie cs sie zu Hause vor sich sieht, ungenügend, es mit ser Krott aus zu rüsten, der es bedürfen wird, um im Leben seinem jüdischen Berufe treu zu bleiben. Ja, die praktische Erfüllung des Gottesgesetzes wird ihm ohne Kenntnis; derselben von vornhinein unmöglich sein. Gs gibt kein rw: oh u> "Sir:. Ich brauche mein Kind noch nicht zu verlassen, lvcnn nur es mich verläßt und in die Welt treten wird, um sich für dos Leben vorzubereiten, so ist der Kamps bereits da, den ihm die treue Erhaltung feines Inden thnnrs ansidränat. Es wird sehen, daß die jungen Leute, die den Sabbat und Feiertag ans ihrem Leben gestrichen haben, leichter und rascher Earriere machen, sie belachen und verspotten denjenigen, der es noch ernst nimmt mit allem dem, was ihn d'as Elternhaus als heilig rind unverbrüchlich gelehrt hat. Ans Schritt und Tritt ist es dem Hohn und der Verführung seiner Umgebung onsgesetzt, wenn es an den Idealen des Elternhauses auch irr der fernen Fremde festhakten will. Was wird es gegen diese Gefahr von außen, gegen die Leidenschaft im Innern mit Erfolg und für die Dauer stützen können? Was wird ihm seine Reinheit wiedergeben können, falls es sie — Gott behüte — draußen ein büßen sollte? Die bloße durch Beispiel und Vorbild angelernte und eingetvöbnte Erfüllung, der jüdischen Lebenspflichten reicht dafür nicht aus. n;*;r nrx rrsc 7U2 Es gibt dafür nur ein einziges Mittel, das uns Derjenige gereicht, der auch die Leidenschaft in die Menscheribrust gesenkt und uns das Geheimnis; ihrer Bekämpfung anvertraut hat. Das ist die Thora und die intensive Beschäftigung mit ihr n ts-s “’b-“ “'vr Darüber kann fein Zweifel sein, daß das Studinm. die .Kenntnis; der Thora, und die vollkommene Durchdringung des ganzen Wesens mit ihrem Geiste das einzige ervrobtc und bewährte Mittel ist, um den Kamvf mit dem Thier, das in jeder Menschenbrust lauert, siegreich zu bestehen. Die Frage nach der jüdischen Erziehung unserer .Kinder ist daher in Wirklichkeit nur die Frage: Wie gewinnen wir unsere Kinder für die Thora. Ich weiß, daß die Unterweisung unserer Kinder iw Geiste der Thora zunächst Pflicht des Vaters ist. Aber leider ist heutzutage nicht jeder Vater in der Lage, diese Pflicht zu erfüllen, weil ihur oft die erforderliche Thorakenntniß selber fehlt und weil die Sorge für seine Familie die ganze Tageszeit in Anspruch nimmt. DaS Geschäft, die Reisen für dasselbe, nehmen fast meine ganze Zeit in Anspruch, so daß ich persönlich für den Thoraunterricht meiner Kinder so gut wie nichts thun kann, wenn ich auch die Befähigung dazu bis zu einem gewissen Grade mir vielleicht Zutrauen darf. Wie sollen nun meine Kinder Thora lernen? Wir haben hier eine Religionsschule, die so gut und so schlecht ist, wie die meisten andern. Die Tbora. die darin gelehrt wird, verhält sich zu dem, ums die Kinder wissen minien, wie der x'ir.ü zur ganzen Mahlzeit. Jedes Kind hat ungefähr 4—n Stunden Religionsunterricht in der Woche. Würden die Kinder in Thora statt in Religion unterricfitet, so würde auch diese Zeit unzulänglich sein, um etwas Nennenswert he s;it leisten. 'Jütn vertheilt sich aber dieser Unterricht aus zwei Tage in der Woche: auf Sonntag, der ganz, und auf Mittwoch, der halb schulfrei ist. Dadurch, daß die Kinder nicht täglich die Religionsschule besuchen, halt es schrver, daß sie nur hebräisch lesen lernen. In diesem zarten Alter ist ein Zeitraum von einer halben Woche zu lange, der zwischen einem und dem anderen Unterrichtstage liegt. Die eigentliche Thora, der L'r'n-Unterricht, beginnt erst im zweiten und dritten Schuljahr und beschränkt sich nur auf mm nmsr; die mündlich überlieferte Thora geht bei diesem Unterricht ganz leer ans. Rach dem alten mechanischen