Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 80-81 (4.10.1900)
- Date
- 1900-10-04
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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1671 verkaufen, sv ist es mir auch recht. Das ist mein letztes Wort!" Als die Herren sahen, dast alle .Häufte an dem Biedersinn des wackeren Weibes zu Schanden wurden, machten sie ans der Roth eine Tugend. „Ihr redet und handelt wie eine Esches Chajil reden und handeln mnst. Wir iverden also heute Abend iviederkommen, tvenn Euer Mann zu Hause ist. Aber das Geld lasten mir bei i^uch auf dem Tische liegen, damit ivir es nicht den ganzen Tag bei uns heru-ntragen müssen; tvann ist Euer Mann .zurück?" „Mein Mann ist zu Mincha jedenfalls tvieder ba heim, aber das Geld laste ich nicht einen Augenblick länger auf meinem Tisch. Fast hätte es mich zum Schwanken gebracht, warum sollte ich meinen Mann ebenfalls einer solchen Versuchung aussetzen und zwar unnöthiger Weise, denn Ihr dürft sicher sein, verkaufen tvird mein Mann seinen Esrog nicht und wenn Ihr ihm alles Geld der Welt dagegen brächtet, also seid mauchel Rabbaußaj und nehmt Euer Geld mit." Die Herren gingen mitsammt ihrem Gelde, von dem Esroghändler begleitet, in dessen Wohnung zurück, um dort die Rückkunft des Reb Jtzig's abzuwarten. Er muszte auf dem Rückweg zuerst das Haus des Esroghändlers passieren, und darauf hatte der letztere einen neuen Plan gebaut, um das Esrog füglich doch zu erhalten. Nach wenigen Stunden kam der arme Handelsmann mit einein schiveren Sack voll Waare beladen zurück. Der Esroghändler, der sich am Eingang der Straße ausgestellt hatte, rief Reb Jtzig: „Scholem Alechem und Masel tos" zu. „Reb Rtendel aus P. ist hier mit noch zwei Abgesandten von Rösch Hatobol in P. Sie sind ertra gekommen, um Euer Esrog zu kaufen. Was meint Ihr, wie es ihnen Euer Weib gelassen hat? Ra, Ihr rathet's doch nicht: 400 Gulden, in baar ausgezahlt!" Die vierzig Gulden, die er verschwiegen, hoffte er auf irgend eine Meise noch zu seinen Gunsten bei dem Handel herausschlagen zu können. Reb Jtzig nahm seinen schiveren Packen nicht vom Rücken, sondern sah den Sprecher nur groß an. „Mas sagt Ihr da? Mein Weib hätte nr e i n Esrog verkauft? Das glaub ich nicht, aber wenn sie es gethan hat. so hat sie es ohne mein Wissen und gegen meinen Willen gethan und ich lverde die Käufer zum Din Thora fordern." Als Reb Jtzig eben weiter gehen wollte, traten ihm die Deputirten aus P. in den Weg, riefen ihm den Friedensgruß entgegen und sagten: „Ihr scheint gar nicht zu wissen, tvas wir heute für Geld in Euer Haus gebracht haben; ein solches Gejchäft macht man nicht jeden Tag!" „Meine Meinung habt Ihr gehört, gebt gutwillig den Esrog heraus, sonst pastirt ein Unglück. Glaubt Ihr, ich lasse mir so etwas gefallen? Und glaubt Ihr, Eure Khillo wäre mit einem solchen Esrog jauze? Glaubt Ihr. man dürfe das letzte der zehn Gebote übertreten, wenn es sich um eine Mizwo handelt, sobald die eine Partie Schluchim von P. sind und die andere ein ariner Handelsmann ist? Ihr seid doch gelernte Leute, wißt Ihr nicht, daß das Geld, welches man für einen Gegenstand gibt, nach dem man gelüstet, das Verbot Lau Sachmod nicht aufhebt? Und wenn Ihr hundert Mal glaubt, mit Geld könntet Ihr einen armen Menschen berücken, das Verbot Gottes, nach dem Gut eines Menschen zu gelüsten, könnt Ibr mit Eurem Gelde nicht aufheben." „Wo denkt Ihr hin," fiel Reb Mendel besänftigend ein, „daß wir so etwas tbun. Es ist wahr, wir waren in Eurem Hause und wollten viel Geld für Euer Esrog geben. Wenn Ihr erlaubt, begleite ich Euch in Eure Wohnung, ich habe dort meinen Stock stehen kaffen. Auf dem Wege dahin will ich Euch alles erzählen, wie sich's zugetragen hat." Erleichtert athmete Reb Jtzig auf, als er hörte, seine Iran habe noch den Esrog und die Abgesandten noch ihr Geld, denn jetzt war er Herr der Situation. Als die beiden in die niedere Stube eintraten, saß die Frau mit verweinten Augen da. „Warum weinst Du?" „O, wie bin ich glücklich, daß Du da bist und auch der Schliach von P. Wie groß sind die Worte unserer Ehachomim, welche sagen, je mehr Vermögen, desto mehr Sorgen. Bei mir haben die Sorgen schon angefangen, bevor das Vermögen noch bei mir ist. Ich weiß nicht, ob ich Recht oder Unrecht gethan habe, als ich die drei bekoweden Leute so hart abwies. Ja, ich muß sagen, wenn ich allein über den Esrog zu sagen hätte, ich hätte ihn gerne für die große Summe verkauft, wie viel Gutes hätten wir mit dem vielen Gelde thun können! Aber jetzt, da Du da bist, so handle Du, wie Du es für recht hälft." „Boruch Haschem," erwiederte Reb Jtzig, „daß Du Dich in keiner Weise gebunden hast. Wie würde ich auch eine solche Mizwe für bloßes Geld aus den Händen geben! Rein, Reb Mendel, was der Esrog für Euch Werth ist, ist er auch für mich werth. Sucht weiter, vielleicht findet Ihr anderswo, was Ihr sucht, mein Esrog ist für Geld nicht feil. Jetzt aber seid mauchel, es ist Zeit zu Mincho, soeben hat man in Schul gerufen." Als sie durch den halbdüstern Hausflur gingen, ergriff Rabbi Mendel die Hand des armen Handelsmannes und drückte sie mit inniger Zärtlichkeit. „Ihr habt eine große Versuchung glänzend bestanden. Ich habe einen Esrog gesucht und habe einen Juwel gefunden. Und nun habe ich eine Bitte an Euch. Ich weiß, Ihr könnt auf Iomtof Geld gebrauchen. Nehmt hier von mir die zehn Gulden, nicht als Lohn für Eure große Mizwe, sondern aus Freude darüber, daß ich einen Mann und ein Weib kennen gelernt habe, wie Ihr es seid. Seid nicht stolz und weist es nicht zu-