Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 80-81 (4.10.1900)
- Date
- 1900-10-04
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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Verlauf derselben mit warmer Winterlleidung bedacht würden. Während Reb Itzig draußen von einem Bauernhause in's andere ging, waren zu Hause drei angesehene Männer von der großen Nachbargemeinde P. eingetroffen. Auch in der großen Gemeinde war nicht ein einziger Esrog auszutreiben und man hatte Boten in die umliegenden Orte geschickt, um dort das Gesuchte vielleicht zu finden.. Die Voten hatten unbeschränkte Vollmacht für einen Esrog jede Summe zu zahlen, nur sollten sie nicht zurückkowmen, ohne wenigstens einen einzigen Esrog für die Gemeinde mitzubringen. Ihr erster Weg war zu dem Esroghändler und dieser erklärte ihnen: Einen Esrog haben wir hier und zwar einen ganz fehlerlosen, schönen, ob er aber zu kaufen ist, das bezweifle ich. Ich habe gestern Abend 40 Gulden dafür geboten und wurde zurückgewiesen. „Wer hat den Esrog?" fragte der Wortführer der Deputation. „Der Esrog ist im Besitz eines blutarmen Mannes, eines gequälten Handelsmannes, aber ich glaube nicht, daß er zu haben sein wird." „Pah", meinte schmunzelnd einer der Deputierten, „mit Geld kann man viel ausrichten, besonders bei einem armen Mann und noch mehr wenn es auf Jomtof geht. Jedenfalls wollen wir unser Glück versuchen." Von dem Händler geführt, suchten die Herren das arinselige Häuschen auf, sie trafen aber, wie wir bereits wissen, nur die Frau des Hauses an. „Die Herren", sagte der Händler, „kommen direkt von P. und wollen um jeden Preis Euren Esrog kaufen. Ihr wißt vielleicht nicht, daß ich Eurem Manne gestern Abend 40 Gulden geboten habe. Die Herren geben wahrscheinlich sogar 50 Gulden. Aber sie haben große Eile, deßhalb entschließt Euch schnell und laßt Euch ein io gutes Geschäft nicht aus der Hand gehen, wie man es kaum alle Jobeliabr einmal machen kann." „Wie kann ich den Esrog meines Mannes in seiner Abwesenheit verkaufen, wo ich doch ganz sicher weiß, daß er ihm nicht keil ist?" „Verzeihen Sie," entgegnete einer der Deputierten, „wenn ich Ihnen hier widersprechen muß. Sie wissen nur, daß Ihr Mann auf ein Angebot von 40 Gulden den Esrog nicht verkaufen wollte. Wie aber Ihr Mann gedacht hätte, wenn man ihm nicht 40 offeriert, sondern sogleich 80 gezahlt hätte, das können Sie nicht wissen. Nun ich lege Ihnen hier die <80 Gulden auf den Tisch und dann ist das Geschäft, denke ich, abgeschlossen." Bei diesen Worten öffnete der Sprecher seine Geldtasche, die er vorn über der Brust hangen hatte und zählte in Banknoten 80 Gulden hin. Als die arme Frau das viele Geld sah, drehte sich ihr alles im Kopfe herum. Achtzig Gulden auf ihrem Tisch auf einmal, wer hätte so etwas für möglich gehalten'. Sprachlos starrte sie bald auf das Geld, bald auf die Tasche und dann wieder auf die Kommode, in welcher ihr Schatz geborgen war. Es war ein harter Kampf, wäre nur ihr Alaun zu Haufe gewesen! Die Unterhändler gewahrten den seelischen Kampf zwischen dem Ideal in der kommode und dem Materiellen hier aus dem Tisch, zwischen dem Esrog und dem Gelde und sie glaubten, den Kampf zu ihren Gunsten beeinflussen zu tonnen, wenn sie noch zwanzig Gulden der Summe hinzusügten. „Da habt Ihr hundert Gulden, damit seid Ihr für die Mizwoh reichlich entschädigt, und nun gebt uns den Esrog." „Den Esrog kann ick Euch nicht geben, er gehört nicht mir", sagte bas biedere Weib und starrte dabei unverwandten Blickes aus das viele Geld, das vor ihr ausgebreitet lag. Darauf Zogen üch die Herren zu einer kurzen, leisen Berathung in einen Winkel der Stube zurück. Der eine meinte, sie müßten das Geschäft abschließen, bevor der Mann nach Hause käme, denn wenn die Frau schon so fest an dem Esrog hänge, so sei es dein Manne noch viel weniger feil. Der andere erklärte sich entschieden dagegen, denn er glarrbe nicht, daß man mit einem solchen Esrog überhaupt seiner Pflicht genügen könne, das von deru uurechtsmäßigen Eigenthiimer auf diese Weise erstanden sei. Dem Dritten, einem würdigen Greise, standen ein vaar Thränen in den milden Augen, er flüsterte: Israel Kedauschim hem! Was ist das für ein Kiddusch Haschern, der sich hier in dieser armseligen Stube vollzieht! Wir werden den Esrog nie bekommen, aber es roäre doch der Mühe werth, einmal zu sehen, rvie hoch dieser armen Frau die Liebe zur Mizwoh steht. Er nahm seinem Begleiter die Geldtasche ab, griff eine Hand voll Banknoten heraus und zählte sic auf den Tisch, Indern er eine neben die andere legte, zrveihundert, dreihundert, oierhundert, vierhundert und vierzig Gulden! Jetzt war der ganze Tisch mit Kassenscheinen derart bedeckt, daß keiner mehr darauf Platz hatte. „So. liebe Frau, das Geld gehört Euch, rvie Euch der Tisch gehört auf dem es liegt, und nun gebt uns den Esrog heraus, denn ohne Esrog dürfen mir nicht heim kommen zum Nosch Halo hol von P." Schon laugte die Frau mit der Hand nach der Tasche, um den Schlüssel zum Esrog herausznholen, so vcrrvirrt hatte sie einen Augenblick der Anblick des vielen Geldes gemacht, aber es rvar nur ein Augenblick; dann gewann sie wieder die Fassung. „Was sagt Ihr?" begann sie tiefathmend mit zitternder Stimme. „Ihr kommt vom Nosch Hakohel in P.? das glaube ich nicht, sondern Ihr kommt direkt aus dem Gehinnom, Ihr seid Schedim in Menschengestalt und wollt eine arme Fran berücken, um ihr den Frieden mit ihrem Mann und mit Gott zu stören. Seid Ihr aber wirklich ehrbare Männer, so verlaßt mein armes Heini und kommt heute Abend wieder, wenn mein Mann zu Hause ist. Will er Euch seinen Esrog verkaufen, so ist es mir recht, rvill er ihn Euch nicht