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Der Israelit · 1900-10-04 · Heft 80-81 (4.10.1900) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 80-81 (4.10.1900)
Date
1900-10-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1644 selben den frischerhaltenen Körper der schönen Zuleika zu Tage. Wie und von wem die Leiche des Mädchens auf den Kirchhof des Sinaiklosters beerdigt wurde und wie so es kam, daß dieselbe noch frisch erhalten war (sie mußte wohl auf Eis gelegen haben . . .) wird wohl niemals aufgeklärt werden, aber die Beduinen behaupten und schworen mehrere Eide, daß der Körper deutliche Spuren einer vorgenommenen Blutabzapsung aufwies. Die Blutrache wurde protlamirt und die unglücklichen Mönche am Sinai mußten zwei Wochen lang die festen Mauern ihres Klosters Tag und Nacht mit den Waffen in der Hand gegen die wüthend stürmenden Beduinen vertheidigen. Erst Mitte Juli befreiten sie Truppen aus Egypten aus ihrer gefährlichen Lage. lieber den fchließlichen Ausgang der Affaire de richtet unsere Quelle, der in Frankreich erscheinende ,,le katholiquek‘ nichts, verrnuthlich ist sie noch nicht zu Ende und wird wohl zugleich mit der Konitzer Affaire ihren Abschluß finden. Paris, 2. Oft. Senator Trarieux veranstaltet eine Anfrage bei den Sektionen der „Liga zum Schutz der Menschenrechte," um einen Aufruf an die Rumänen zu richten, in dem er sie zur Gewährung voller Rechte an die Juden in Rumänien auffordert. Türkei. Constantinopel, Ende Sept. lF e u e r s b r u n st im Ghetto.) Am 21. September, Abends 6 Uhr. als die Juden von Eonstantinopel gerade im Begriff waren, sich in die Synagoge zu begeben, warf in Peri Pascha eine unvorsichtige Frau eine Petroleumlampe um. Sofort stand das betreffende Haus in Flammen und ein heftiger trockener Wind fegte ganze Feuergarben gegen die benachbarten Häuser, so daß in weniger als zehn Minuten das ganze betreffende Viertel ein einziges Feuermeer bildete. Der Polizeiminister von Eonstantinopel, der Commandant von Pera und die gesammte Constantinopler Feuerwehr war sofort zur Stelle, allein das zerstörende Element gewann bereits eine solche Ausdehnung, daß an eine Lotalisirung der Gefahr nicht mehr zu denken war. In weniger als fünf Stunden waren 260 Häuser, 20 Läden, sowie die Mis. rachi-Synagoge ein Raub der Flammen gelvorden. Mehr als 2000 Juden, meist den ärmsten Ständen an gehörend, haben alle ihre Habseligkeiten eingebüßt und sind völlig obdachlos. Ein Theil von ihnen wohnt in der zerstörten Synagoge, in einer benachbarten Moschee, sowie in fünf bis sechs anderen öffentlichen Gebäuden, der Rest liegt aber buchstäblich auf der Straße und hat nur den milden Himmel von Eonstantinopel zur Decke. Der Sultan ließ sich sofort von seinem Adjudanten Bericht erstatten und ordnete an, daß unter den Nothleidenden Brot vertheilt werde. In der Redaktion der jüdischen „el Tiempo" trat ein Hülfs-Komitee zusammen, das sofort an die Alliance in Paris, an die Anglo Jewish Association in London, an die Häupter aller großen jüdischen Gemeinden, sowie an Oberrabbiner Adler und Lord Rothschild in London Depeschen abschickte. Letzterer hat telegraphisch 100 Lstr. angewiesen. Bor 18 Jahren wurde das Ghetto von Constantinopel von einer gleichen Katastrophe heimgesucht. Damals stellte sich der Sultan in eigener Person an die Spitze eines Hülfslomitees und eröffnete die Sammlimg mit einer Zeichnung von 26 000 Frs. Feuilleton Äin Schritt vom Wege. Jüdische Wovelle von Arnold Mann. Die Nacht im Gefängniß lvar vergangen; unruhig und schlaflos »vor sie mir gewesen. Mit heißer Inbrunst hatte ich mein Morgengebek verrichtet — meine Tefittin waren mir noch am Abend zugestellt worden — und um neun Uhr führte mich der Aufseher nach dem Zimmer des Untersuchungsrichters. Ein großer Herr mit zwei weißen Barttoteletten und einem Kneifer auf der Nase empfing mich, an einem langen Tische sitzend. Neben ihm hatte ein Schreiber Platz genommen. „Sie heißen?" begann der Richter das Verhör und blätterte in einigen weißen Bogen, die beschrieben vor ihm lagen. „Leo Gottschalt." „Wie alt?" „24 Jahre'" „Religion?" „Israelit." „Wo geboren?" „In E." „Ihres Vaters Vorname '" „Daniel." „Ihrer Mutter?" „Flora." „Geborene?" „Hirsch." „Wissen Sie bereits, lveßhalb Sie verhaftet sind?" „Ich habe leine Ahnung." Er fab mich durchdringend an und machte eine kleine Panse. Noch lvar ich vollkommen ruhig. Da tönte mir eine Frage entgegen wie ein Donnerschlag. „Wo waren Sie in der Nacht voin vergangenen Donnerstag zum Freitag?" Großer Gott! Die Scholvnaus-Nacht! Unwillkürlich machte ich eine kleine Pause. Blitzschnell suchte ich zu überlegen, wo der Richter mit dieser Frage hinauswollte. In meinem Innern bebte ich. Da war sie — die Gottesstrafe! „Na, so lange ist das doch nicht her, daß Sie sich daraus erst noch besinnen müßten!"

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