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Der Israelit · 1900-10-04 · Heft 80-81 (4.10.1900) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 80-81 (4.10.1900)
Date
1900-10-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1643 Im laufenden Schuljahre endlich wurden manche Gesangslunden für synagogale Chöre ausgenützt, um so unsere Zöglinge auch hierin für ihren späteren Beruf vorzubereilen. Möchten diese sich unserer Schule stets toürdig erweisen und deren Lehren immerfort treu bleiben, daß auch sie von ihr sagen können: „Wir sind deine Schüler und deine Lehren erfüllen uns?" Möchte sich aber auch unsere Schule, auf dem Boden des überlieferten Judenthums stehend, allezeit vortheilhaft fortentwickeln, stets die Zeit erfassen und auf deren Höhe stehen zum Stolz des Judenthums und zum Segen der Menschheit, das gebe Gott? Die Einnahmen betrugen 17,662 Mk., die Ausgaben 16,447 All.; der Vermögensstand weist 191,484 Ml. auf. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Hohenems, Vorarlberg. (Erzherzog Eugen in einer Sn nagog e.) Es wird uns berichtet: Es war eine hohe Auszeichnung, die der hiesigen sehr alten Jsraelitengemeinde, der einzigen in Tirol und Vorarlberg, am 20. v. Mts. zu Theil ward. Se. lgl. Hoheit, Erzherzog Eugen, der neuernannte Corpscommandant in Jnsbruck, der während mehrerer Stunden hier weilte, zeichnete zunächst die ihm vorgestellte Deputation der Jsraelitengemeinde, bestehend aus dem Rabbiner Dr. Tänzer und den beiden Vorstehern, Michael Menz und Ivan Rosenthal, durch huldvolle Ansprache aus, wobei er sich des Näheren nach den Verhältnissen der Gemeinde erkundigte und den Besuch der imposanten, alten Synagoge in Aussicht stellte. Nach Besichtigung der hiesigen Pfarrkirche fuhr denn auch Se. kgl. Hoheit in Begleitung seines Adjutanten, des Kreisgerichtspräsidenten von Lärchen, des k. k. Bezirkshauptmannes von Ziegau, des hiesigen Bürgermeisters und Gemeinderathes vor der Synagoge vor. An deren Eingang vom Rabbiner mit begeisterten Worten begriißt, dankte der Erzherzog zunächst für den Empfang und unterzog sodann unter Führung des Rabbiners das schöne, große Gotteshaus einer eingehenden Besichtigung. Lebhaftes Interesse brachte der hohe Besucher den jüdischen Cultuseinrichtungen entgegen, von denen ihm einzelne bereits bekannt waren. Der Rabbiner öffnete vor ihin das Allerheiligste, entrollte eine Thorarolle, wobei sich der Erzherzog Einiges über die Schriftzeichen und die Lesart erklären ließ. Ebenso ließ sich der Erzherzog einen sog. „Schofar" bringen und verlangte die Erklärung, warum dies eben ein Widderhorn sein müsse. Auf die Erklärung des Rabbiners war dem Erzherzog die biblische Erzählung von der Opferung Jsaks sofort in Erinnerung. Mit Interesse vernahm der hohe Gast auch die historischen Erörterungen des Rabbiners über die Deckengemälde in der Synagoge, ein Geschenk des ersten in der ehemal. Reichsgrafschaft Hohenems amtirenden österreichischen Amtsmannes. Die Mittheilung, daß der Rabbiner in einigen Monaten eine Geschichte der dortigen Jsraelitengemeinde veröffentlichen werde, bereitete dem Erzherzog Befriedigung. Mit sehr schmeichelhaften Dankesworten für die gehaltvollen Erklärungen des Rabbiners Dr. Tänzer schied der Erzherzog nach längerem Verweilen sichtlich befriedigt aus der Synagoge. Zur Mittagstafel im „Hotel Post" dahier ward auch der Cultusvorsteher, Herr Michael Menz. zugezogen. Frankreich. Paris. (Eine Blutbeschuldigung gegen Christen.) Brauchen die Christen Muhamedanerblut? Giebt es in der christlichen „Geheimbücherei" eine Stelle, welche den Christen vorschreibt, zu religiösen Zwecken Mensckenblut zu verwenden? Haben schon einmal die Christen einen Menschen ermordet, um lein Blut in der Kirche zu verwenden? Wir Juden haben auf all diese Fragen ein entschiedenes Nein! Anders aber denken die Beduinen ain Sinai, gegen die ebenso wie gegen die Christen in Könitz Truppen geschickt werden mußten, weil sie gegen die Insassen des Klosters am Berge Sinai eine B l u t b e - schuldigung erhoben und es versucht haben, dieses berühmte katholische Heiligthum anzugreifen. Die Sache selbst klingt wie ein wunderbares Märchen: Zuleika, die sechszehnjährige Tochter des frommen und reichen Achmed, der zahlreiche Kameele sein Eigen nannte, war so schön, daß Reisende aus Alexandrien dem glücklichen Vater gerathen haben, sie dem Kalifen vorzuführen, welcher sie gewiß unter die Zahl seiner Frauen ausnehmen werde. Alle Vorbereitungen wurden getroffen und am folgenden Tage sollte die Abreise nach Egypten erfolgen, als Zuleika des Abends auf nimmer Wiedersehen verschwand. Der fromme Achmed, der ebenso schlau wie gottesfürchtig war, schlug jedoch keinen Lärm. In dem Glauben, seine Tochter wäre von Räubern entführt worden, um in den Harem eines reichen Paschas verkauft zu werden, schulterte er sein Gewehr und schlich am Fuße des Sinai, wo Zulcila zum letzten Male gesellen wurde, allnächtlich wie ein Luchs umher. Da passierte Ende April ein zweites unerklärliches Ereigniß: Achmed wurde in der Nähe des christlichen Friedhofes des Sinaiklosters mit mehreren Stichwunden im Rücken todt aufgefunden. Das neue Ereigniß lenkte den Verdacht der Beduinen sofort auf eine neue Spur. Die Mörder waren niemand anders als — die Mönche des Sinaitlosters. Fielen doch die beiden aufregenden Mordthaten gerade um Ostern herum, wo bekanntlich die Giaurs zu religiösen Zwecken Menschenblut dringend brauchen. Die Aufregung unter den Beduinen steigerte sich und eines Tages — es war inzwischen Mitte Juni geworden — drangen sie gewaltsam auf den Friedhof, erbrachen ein frisches Grab und forderten aus dem-

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