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Der Israelit · 1900-10-04 · Heft 80-81 (4.10.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 80-81 (4.10.1900)
Date
1900-10-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1642 gigah 3 ,) — ihren greisen Lehrer Rabbi Josua. Dieser fragte sie: „Was wurde heute im Lehrhause neu vorgetragen?" „„Wir sind deine Schüler und deine Lehren erfüllen uns l deine Wasser trinken wir)!"" entgegneten jene. „Trotzdem! Es giebt kein LehrhauS ohne Fortentwickelung!" Diese Talmudstelle sollte der Spiegel sein für jede jüdische Schule und in ihr spiegelt sich auch die hiesige israelitische Präparandenschule. Wenn auch schon 60 Jahre seit deren Gründung verflossen sind, ihre Lehrer und Schüler können, tvenn sic an den frommen Gründer denken, gleich jenen grofzen Tanaim sprechen: „Wir ünd deine Schüler, und deine Lehren erfüllen auch uns!" So sehr sich unsere Schule auch mit der Zeit verändert hat, wenn Stoff- und Stundenplan, wenn sie hinsichtlich Lehrmittel und Ausstattung auch ganz umgestaltet worden: die Schule ist trotzdem treu den Grundsätzen ihres fel. Gründers, des froinmen Rabbi E.losor Ottensoser g. A., geblieben, Lehrer und Schüler derselben dürfen sich mit Fug uud Recht seine Schiller nennen: denn des Verklärten edle Gesinnung und seine religiösen Grundsätze, sie erfüllen uns heute noch; sie bilden uns noch heute wie früher die Leitsterne; sie sind das Hochziel, dem sie —■ Lehrer und Schüler — bis heute nachstrebten und ferner auch in Treue nachstreben werden. Wie könnte dies aber auch anders sein? Der sek. Gründer war von den göttlichen Lehren des unverfälschten Judenthums beseelt, die eben, weil sie göttlich sind, nie verändert werden können, die also seit der sinaitischen Offenbarung bis in alle Zukunft sich selbst gleich bleiben müssen und für alle Generationen der Judenheit gleiche Verbindlichkeiten besitzen. Und deshalb schon lveiß sich die Schule mit ihrem großen Gründer eins, loeil eben wie einst ihm auch deren Lehrern und Schillern die jüdischen Gesetze, die jüdischen Lehren göttlich sind. Diese lehrte er ihnen, und sie werden von denselben wieder in reiner, unverfälschter Weise weiter gelehrt iverden. Aber auch von einem anderen Gesichtspunkte aus betrachtet, wird unsere Anstalt von den Gesinnungen ihres edlen Gründers beseelt. Dieser ließ eS sich stets in seltenem Edelsinne angelegen sein, für die armen Schüler zu sorgen. Armuth durfte nie einen Grund abgeben, jemand von der nachgesuchten Aufnahme zurückzulveisen. — Auch hierin ist sich die Schule — soviel nur immer möglich — treu geblieben. Wird die Tbora in ihr gehegt und gepflegt, gelehrt und verbreitet: so ist sie aber auch gleichzeitig eine Stätte, in der echte Liebeswerke, edle Mildthätigkeit, eben Zedokoh und Gemillus-Ehesed, fortgesetzt geübt werden. Dazu ist ober auch in hiesiger Anstalt reichlichst Gelegenheit geboten! So mußten im abgelaufencn Schuljahre 33 Schüler, manche in weitgehendster Weise, unterstützt werden. Ob diese an sich traurige Erscheinung auf die sociale Frage der Gegenwart einen Rückschluß znläßt, ob sich nur Knaben ärmerer Familien dem Lehrberuf vorwiegend zuwenden?- Daß bei solchen hohen Anforderungen strebsamer aber armer Schüler die Anstaltskasse zur Unterstützung nicht ausreicht, trotzdem das verehrliche Kuratorium in anerkennendster Weise 3000 Mark zu diesem Zwecke in den Etat einstellte, ist selbstverständlich; es ist aber um so erfreulicher, von der Gott Lob nie erlahmenden iüdischen Wohlthätigkeit konstatieren zu können, daß auch in diesem Jahre von privater Seite unsere dürftigen Zöglinge in hochherzigster Weise unterstützt lvurden, wodurch es ermöglicht worden ist, für dieselben weitere ca. 2300 Mark verwenden zu können. Wie manche Thräne armer Wittwen dadurch gestillt, manche Sorge bekümmerter Eltern gebannt, wie manches betrübte Gemüth aufgerichtet und manches besorgte Herz erfreut ivordeu sein mag! Und was noch mehr als dies: wie viele arme Knaben werden einem ehrbaren, idealen Berufe zugeführt, wie viele Hunderte sind '.vährcnd der 0 Decenuieu in unserer Schule herangebildet worden! — Das sind wahrlich erhebende Thatsachen, die unsere Gönner, welche die Wohlthäter unserer Schule nicht erlahmen, nicht erkalten lasten werden, welche sie auf's Neue anspornen mögen, unermüdet unserer Schule von ihrem Segen zu spenden, unsere armen Schüler unverdrossen zu unterstützen; des Himmels reichster Segen wird sie dafür reichlichst lohnen! - Kann aber auch von einer Fortentwickelung bei einer Schule die Rede sein, die vorgiebt, darauf stolz zu sein, daß sie während voller 60 Jahre von gleichen Gesinnungen getragen wurde, die gelobt, für alle Zukunft den jüdifcheu Lehren stets treu zu bleiben? Darauf mag der Hinlveis antworten, daß wir in den letzten Decennien die Fächer: Zeichnen, Turnen, Musik. Mathematik und Stenographie in den Lehrplan ausgenommen haben, daß unsere Schule bestrebt ist, in allen Profanen Disziplinen dasselbe zu leisten, was in den staatlichen Scknvesteranstalten gefordert wird. Aber auch bei dem iüdischen Unterricht kann auf eine Fortentwickelung hingewiesen werden. Nicht etwa auf das Bestreben, durch die Errungenschaften der wahren Wiffenschaft ans die Wahrheit und Weisheit des iüdischen Schriftthmns beim entsprechenden Unterrichte stets hinzuweisen, die Verbindlichkeit der hl. Thora stets zu betonen, das ist wohl seit der Begründung unserer Schule so gehalten worden. In den letzten Jahren ist vielmehr auch wieder — wie früher schon vom verdienten sel. Nab. Ehrenreich, s. Z. Leiter unserer Schule, — entsprechende Anleitung zum Verständnis; der Pijutim u. dergl. den älteren Schillern gegeben ivordcn, damit deren Jntereste für die altehrwürdigen Gebete geweckt und sie angeleitet werden, mit Berstandniß die Gebete verrichten und auch später so vortragen zu können.

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