Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 80-81 (4.10.1900)
- Date
- 1900-10-04
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1640 nntcitet, dasjenige vom Standpunkte einer vernünftigen Erkenntnis; in seiner Weise zu thun, was die übrige Kreatur unter dem Zwange des eingeborenen dunklen Triebes leistet. Diejenigen, welche die Freuden des Lebens einfach in den Genuß und in die Erregungen der Sinne verlegen, sind im Jrrthum. Sie ahmen blindlings den vernunftlosen, des Bewußtseins ermangelnden Geschöpfen nach. Sie vergessen jedoch, daß wenn zwei dasselbe thun, so ist es nicht dasselbe. Um auf diese Weise die Freude des Lebens zu gewinnen, müßten sie zunächst die menschliche Natur ab- und eine thierische anlegen. Andernfalls — und es kann doch bekanntlich keiner aus seiner Haut fahren -— ist ihr Beginnen ein widernatürliches. Der Erfolg muß ihnen daher stets versagt bleiben. Die Thora dagegen leitet uns an, die unserer Natur angemessene Freude zu suchen. Dieser Unterweisung können wir durchaus nicht entbehren. Der Mensch kennt weder die eigene Natur, noch vermag er sie zu ergründen. Kann man doch nicht Spiegel und Beschauer zu gleicher Zeit sein! — Und die Anleitung, die sie uns an unserem heutigen Feste ertheilt, ist wirklich vollendet. o'c nyir ptot "i cnrcn „Freut euch vor dem Ewigen, eurem Gotte, sieben Tage." Ist doch die Freude diejenige Stimmung, die wir empfinden, wenn alle Elemente unseres Wesens in einer besonders glücklichen Schwingung sich bewegen. Es ist sofort klar, daß der Erfolg dieses glücklichen Zustandes für uns verloren wäre, wenn er ein andauernder bliebe. Die Freude kann ihrem eigentlichen Wesen nach nur von kurzer Dauer sein. Die Gleichmuth der Alltäglichkeit ist eben so sehr ihre Voraussetzung, als Finsterniß ein Erforderniß ist, um das Entzückende des goldigen Lichtstrahls empfinden zu können. Zur Pflege der Freude in diesem edlen Sinne leiten uns die Pflanzen an, mit welchen wir unfern Feststrauß schmücken. Zunächst der Ethrog, nicht bloß ein Ebenbild, sondern noch mehr — ein Vorbild des menschlichen Herzens. Nein, fleckenlos, in goldiger Schöne prangend, zeigt es uns, welche Verfassung wir unserem Herzen zu geben haben, damit es eine Stätte der Freude sein könne. nnvr 2b iir^i p'NLb yii) iw „Licht ist dem Gerechten ausgesäet und dem redlichen Herzen wird Freude zu Theil." Wohl kann die Freude, welche unser ganzes Wesen vor Entzücken jauchzen macht, nicht unsere beständige Stimmung ausmachen, allein die heitere Verfassung, welche jederzeit den Strahl der Freude mit Wohlgefallen auszunehmen vermag, dürfen wir nicht verlieren. eien mc2 Der Palmcnzwcig zeigt uns die Richtung, welche wir im Streben nach der Freude einzuschlagen haben. Kein Baum stellt sosehr das Streben nach dem Himmel dar, als die Palme. Sie bildet in ihrem ganzen Wesen gleichsam eine verkörperte Himmelssehnsucht. Das ist es, was wir beim Aufsuchen der Freude stets zu beobachten haben. Sie darf uns nicht in die Tiefe thierischer Gemeinheit herabzerren. Woher kommt es denn, daß von mancher Seite die Freude als ein gottwidriges Streben verabscheut wird? Aus keinem anderen Grunde, als weil sie den Menschen häufig auf Abwege führt, Mittel ihn ergreifen läßt, bei denen er seiner Menschenwürde verlustig wird. Allein der Mißbrauch kann den rechten Gebrauch nicht schänden. Solange wir das Vorbild der Palmen vor Augen haben, ist jede Gefahr auf dem Wege nach der Freude für uns ausgeschlossen. 7i)2y py »p71 Die Myrthe prangt im ewigen Schmucke saftigen Grüns. Sie trägt das freudenreiche Symbol des Frühlings als ewiges Merkmal zur Schau. Mögen ihre Geschwister in Wald und Flur längst traurig die Köpfchen sinten lasten, >veil die rauhen Herbstwinde durch ihre Krone gefahren und ihres Schmuckes sie beraubt hat — sie aber steht noch immer leuchtenden Auges da, verweist uns auf die Zukunft, der ein neuer Frühling blühen wird. Wann bedürfen ivir dieser Aufrichtung durch trostreiche Hoffnung mehr, als jetzt, Ivo ein Flüstern des Todes durch die entblätterten Wipfel rauscht? Wenn auch in unserem Leben die Blüthen fallen, n. die Dede und trostlose Leere des Spätherbstes naht — die Hoffnung soll uns mit neuem Muthe beleben. '2i7i Bachiveiden. Wenn ivir den prangenden Feststrauß, mit seinen stolzen Zierden ausgestattet, betrachten, so ivill es uns fast bedünken, als ob die Bachwcide in diesen Kreis nicht hinein gehörte. An ihrem ärmlichen Gewände zlvischen ihren stolzen Genossen dastehend, erscheint sie als Bettlerin — unter Fürsten. Der äußere Eindruck mag allerdings durch diese Zusammenstellung beeinträchtigt sein, die Vollendung des Gedankens jedoch kann nur auf diesem Wege zur Darstellung gelangen. Die Bachwcide in ihrer schmucklosen Schlichtheit erinnert an die Entsagung. Diese bildet die Krone der Freude. Zum Licht gehört Schatten, anders kann es sich in seiner glanzvollen Herrlichkeit nicht offenbaren. Zur Freude iviederum gehört Entsagung, sonst kann sie zu ihrem entzündenden Sieg über unsere Seele nimmer gelangen. Alle Fülle des Guten würde sonst schließlich in Ueberdruß Umschlagen und statt der Freude Ekel alsdann bei uns einkehren. Den vollendetsten Sieg der Freude lehrt uns nur das Gebot Gottes. Das hatte auch der Psalmist vor Augen, als er sang: '771171 ns: "]7’ö*2 7TO'7J t:c ™ Timer 72ir L"N N118 Durch Dich erkenne ich den rechten Weg des Lebens, der Freu-' den Fülle genieße ich vor Deinem Angesichte — an Deiner Rechten — elvi ge Wonnen.