Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 79 (1.10.1900)
- Date
- 1900-10-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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; - VT,?**»#/*’? ^^Ee^-MMMMWDWWMWW 1628 Pentek — eine Ester Solymosi werden wird. Aber auch das ist nicht unmöglich, daß sich bald herausstellt, daß die Sache nicht in Tißa-Salok, sondern in Belyenes geschehen und Rosa Pentek mit der Sache nichts gemein hat, sondern von einem Walachen Namens Gigor die Rede ist, den man übrigens nicht ermordet hat, sondern e r hat einen schwarzen Bären von seltener Größe niedergeschosien. Alles eins. Uns interesiirt in diesem Moment nicht die Nachricht, sondern das Auftauchen derselben. Da haben wir doch auch schon unsere Universitätsjugend! Sie schämt sich schon gar nicht; sie hat auch das abscheuliche Geheimniß, den Antisemitismus schon aus ihre Fahne geschrieben. Und sie verkündet auch die Hoffnung, daß die Gesellschaft mithalten werde. Und die Universitätsjugend irrt sich nicht. Diese Sache ist unaufhaltsam; denn seinerzeit trafen sich keine weise, gute und starke Ungarn, welche die Seuche aufgehalten hätten. Mit einem Worte: die Epidemie ist da. Wenn die Sache der Rosa Pentek nicht klappen sollte — die Veranstaltung gelingt nicht immer — dann kommt die Sache einer Julcja Szombat oder einer anderen, und so kann's auf irgend eine Weise in Ordnung kommen. Auch das Ende ist bekannt. Krawalle, Plünderungen, vielleicht sogar auch Linienfeuer, und die Wochen- oder monatelange Hast ein Paar armer Juden. Dann Freispruch! Und ein Glück ist auch das, daß der Eßlarer Prozeß die Kraft der ungarischen Rechtlichkeit für ewig bewiesen hat." Rußland. Riga. (Zur I u d e n f r a g e.) Durch wiederholte Senatsentscheidungen, die vom „Woschod" ausführlich wiedergegeben werden, ist festgestellt worden, daß einerseits Eltern, die erwerbsunfähig sind, bei ihren Kindern und andererseits Kinder, auch vollständig abgetheilte und selbst verheirathete, unter denselben Voraussetzungen bei ihren Eltern Aufnahme finden können, ohne Rücksicht auf ihre sonstige persönliche Aufenthaltsberechtigung am betreffenden Ort, da es eine vom Gesetz ganz allgemein geforderte Pflicht ist, daß Eltern und Kinder im Nothfalle für einander sorgen. K e u i l l e t 0 n Lin Schritt vom Wege. Jüdische Wor-elle von Arnold Mann. 19] Frau Münz wollte durchaus den Arzt holen. „Wenn ich einmal nicht in's Geschäft gehe," meinte sie, „dann müsse es schon schlimm sein." Allein ich verbot es ihr. Ich bedurfte nur der Ruhe, sagte ich zu ihr. Es seien die Nachwirkungen von der Reise und ihrem schrecklichen Erlebniß. Morgen werde wieder Alles gut sein. Zwei Dinge waren es, die mich gleich in der Frühe stark beschäftigten, während ich noch im Bette lag. Das eine war die Abreise Jda Fromann's. Heute, gleich des Morgens, wollte sie fahren. Mitten in meinen Selbstvorwürfen, die ich mir unaufhörlich machte, war doch das Gefühl der innigsten Zuneigung zu dem süßen Geschöpf keinen Moment schwächer geworden. Ihr Bild lebte wirklich als ein zweites Ideal in meiner Seele! Nur daß ich mich in meiner Überschätzung für stark genug gehalten hatte, um das Ideal der Religion vor den Einflüsterungen dieses zweiten Ideals zu schützen. Ich war unterlegen mit meiner eingebildeten Kraft. Darum bemächtigte sich meiner nun auch ein Gefühl ernsten Zweifels, ob es mir gelingen werde, Jda zu erringen. Ich kam mir ihrer so unwerth vor. Ich hatte ja hinter dem Rücken ihres Vaters in jener heiligen Nacht eine heimliche Zusammenkunft im verschwiegenen Garten erzwungen, und da sollte ich je ihrem Vater offenen Blickes meine Liebe zu Jda gestehen und um ihre Hand bitten? Nein, seit dieser Nacht war meine Unbefangenheit dahin — dessen war ich sicher. Aber wie? — und das war das zweite, was mich stark beschäftigte — war denn nicht heute der Tag, wo ich vor meinen Chef mit meinem Geldanliegen hintreten wollte? Siedend heiß fiel mir's plötzlich ein. Heute war ja der letzte Termin! Und dazu waren gerade am Eres Jaum tauw die Paniere noch um zwei Gulden weiter gefallen! Ich hatte während der Festtage nicht nach ihrem Stand gesehen und ließ mir nun schnell von Frau Münz die Zeitung bringen. Fliegenden Athems suchte ich — da — Gott sei Dank-sie waren gestiegen — gestern schon! Und heute noch weiter! Nun war wenigstens Hoffnung da! Rasch warf ich ein Paar Zeilen auf's Papier, in denen ich meinem Bankgeschäft ankündigte, daß ich heute die verlangten zweitausend Mark nicht stellen könne. Der Stand der Papiere sei ja auch ein höherer und darum wohl auch der neue Depotzuschuß nicht mehr mit absoluter Dringlichkeit erforderlich. Das Mädchen brachte den Brief hin und sollte auf kurzen mündlichen Bescheid warten. Thatsächlich kam es dann auch mit der erfreulichen Meldung, der große Herr im Geschäft habe nach dem Lesen meines Briefes und nach längerer Rücksprache mit einem älteren Herrn gesagt, „die Sache sei vorläufig in Ordnung." Ein Stein war mir vom Herzen gefallen und ich fühlte rnich etwas erleichtert, so viel auch sonst noch auf meiner Seele lastete. Um die Mittagszeit kam Frau Münz in heller Aufregung zu mir in's Zimmer. „Denken Sie sich, eben war ein Polizist hier und hat nach Berthold Spier gefragt. Ich sagte, um 1 Uhr werde er zu Tisch kommen!" Bis jetzt hatte Svier noch keine Silbe davon gesagt, daß er seine Stelle verloren habe. Mit mir sprach