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Der Israelit · 1900-10-01 · Heft 79 (1.10.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 79 (1.10.1900)
Date
1900-10-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1626 „Die Freie Vereinigung darf hoffen, aus diesem Wege einen wirksamen Beitrag zur Abhilfe des erwähnten Mißstandes zn leisten." Selbstverständlich ist durch die getroffene Einrichtung nicht beabsichtigt, den direkten Bezug bei solchen Soferim, deren Gewissenhaftigkeit von berufener Seite anerkannt ist und die sich nicht zum Verlauf von minderwertbigen Thefillin und Mesusoth herbeilassen, zu beeinträchtigen. Durch das Ziel, welches sich die „Freie Vereinigung" gestellt — die Verwirklichung der Aufgaben zu fördern, welche das gesetzestreue Judenthum seinen Bekennern stellt — gehören dem Kreise ihrer Wirksamkeit ferner überhaupt alle Angelgenheiten an, in welchen die „Aufrechthaltung, Vertheidigung, Pflege und Förderung der Aufgaben des gesetzestreuen Judenthums" in Frage steht. Von diesem Gesichtspunkte aus hat es sich die Vereinigung u. A. auch angelegen sein lassen, die Abänderung einer ministeriellen Verfügung, nach welcher jüdische Schüler für die Anfertigung der schriftlichen Arbeiten in der Reifeprüfung vom Schreiben am Sabbat nicht dispensirt werden sollen, zu erstreben. Die Freie Vereinigung begreift es daher aber ebenso auch als ihre Ausgabe. „Verdächtigungen und Entstellungen des gesetzestreuen Judenthums, wo immer solche zu Tage treten, in sachlichen Darlegungen entgegenzutreten" und deren Grundlosigkeit und Unwahrheit auf Grund objektiver Nachweise darzuthun. Von der auf diesem Gebiete entwickelten Thätigkeit sei insbesondere hervorgehoben die rege und wirksame Betheiligung der Freien Vereinigung bei der „Abwehr der gegen das rituelle Schlachtverfahren gerichteten Bestrebungen." Bereits im Jahre 1887, bei dem ersten Hervortreten dieser Bestrebungen in neuerer Zeit, wurde Seitens der Vereinigung eine Sammlung von „Gutachten der hervorragendsten Physiologen und Veterinärärzte über das Schächten" herausgegeben und an Regierungsbehörden. sowie an die Mitglieder des Deutschen Reichstags überreicht. Es wurde dadurch in legislativen und weiteren Kreisen die Erkenntniß gefördert, daß bie Gutachten der größten Capaeitäten aller Länder auf dem Gebiete der Mediciwund Physiologie das rituelle Schlachtverfahren nicht nur von dem Vorwurfe irgendwelcher Thierguälerei völlig freisprechen, sondern viele derselben dieses Schlachtverfahren als die durchaus beste unter allen vorhandenen Schlachtmethoden erklären. Diese Gutachten-Sammlung ist sodann später in zweiter und dritter Auflage unter Hinzufügung der inzwischen erstatteten weiteren Gutachten erschienen. Es wurde hiervon bei vorkommenden Gelegenheiten wiederholt Gebrauch gemacht, auch wurden Exemplare dieser Gutachten-Sammlung an Vereinsmitglieder theils zu ihrer Information, theils zu aufklärenden Vorträgen über die Schächtfrage auf Wunsch übersandt. Einzelne Exemplare stehen auch fernerhin, soweit der Vorrath reicht, erforderlichen Falles zur Verfügung. Die Vereinigung hatte aber neben der hier skizzirten Thätigkeit auch öfter Gelegenheit, in anderweitiger Hinsicht die Interessen des gesetzestreuen Judenthums — sei es durch nufklärende Darlegungen oder durch Anregungen, durch materielle Beihilfe u. s. w. — zu vertreten und zu fördern. So wurde u. A. die Bewegung, welche vor einiger Zeit in Westphalen zu einem höchst erfreulichen Aufschwünge in dortigen gesetzestreuen Kreisen und zur Gründung des „Vereins zur Wahrung der religiösen Interessen des Judenthums in der Provinz Westphalen" führte, Seitens der Freien Vereinigung in geeigneter Weise gefördert. So wurde ferner u. A. in den Seitens der Freien Vereinigung periodisch erscheinenden „Mittheilungen an die Vereinsmitglieder" die in neuerer Zeit hervorgetrerenen Bestrebungen zur Herbeiführung einer „jüdischen Eentralbebörde" für sämmtliche deutsche Juden einer, der Wichtigkeit der Sache entsprechenden Erörterung unterzogen und zur Aufklärung über die Bedeutsamkeit und die Eonsequenzen dieser Tendenzen in Hinsicht auf die Interessen des gesetzestreuen Judenthums in eingehender Darlegung nachgewiesen, wie im Hinblick auf die innerhalb der heutigen Judenheit bestehenden divergirenden religiösen Glaubensrichtungen eine derartige, mit staatlicher Macht bekleidete jüdische Centralbehörde für die religiösen Angelegenheiten der deutschen Juden zu erheblichem Gewissenszwang und insbesondere zu den schwersten Schädigungen der Interessen des gesetzestreuen Judenthums zu führen geeignet sei. Tie Freie Vereinigung läßt es sich in ihrer vielseitigen Wirksamkeit auch gerne angelegen sein, andere auf demselben Boden religiöser Ueberzegung wie sie stehenden Vereinen und Anstalten, soweit erforderlich und geeignet, ihre förderliche Unterstützung zuzuwenden. So wurden u. A. israelitischen Lehrervereinen Zuschüsse geividmet, ebenso dem Verein für das Kinderheim in Dietz, israelitische Militärverköstigungs-Vereinen u. A. m. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Posen, 18. Sept. Am vergangenen Samstag feierte hier Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Max Landsberg seinen 70. Geburtstag. Bereits am frühen Morgen wurden dem Jubilar zwei prachtvolle Blumenarrangements von dem Lehrerkollegium und den jüdischen Schülern des hiesigen Berger-Gymnasiums überreicht, wo er eine lange Reihe von Jahren als Religionslehrer wirkte. Zu gleicher Zeit trafen ein Paar kostbare Armleuchter ein, das Festgeschenk des Humanitätsvereins, dessen Seelsorger Herr Dr. Landsberg seit nunmehr 46 Jahren ist.

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