Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 97 (6.12.1900)
- Date
- 1900-12-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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ruiioilifieu A-ounen des porfönlidu’ii ^iirmorteö, sowie Pie juv die Bezeichnung der Zeit und Besitzverhäitnisse an dem geläufigen Wort und Gedankenschatz zur Einübung zu bringen. Hand in Hand damit lvird die Darstellung der bebräischen Schristzeichen geiibt. Der Schüler schreibt die ihm bekannten Worte aus, unternimmt mit den selben die ibm geläufigen Umformungen und Abwandlungen. Er schreibt, lvenn der Unterricht weiter fortgeschritten ist, einfache hebräische Sätze auf, formirt dieselben bald nach anderen Zahl , bald nach Zeit' und Beutzberbältnilsen um. Je mehr die verschiedensten Organe und Sinne in den Dienst desselben Gegen staildes treten, desto niebr lvird er zum unverlierbaren Gigentbume. Das hebräische Lesen, bisher die geisteSlödtende, nieebauische Thätigkeit vieler Monate, die schließlich in die leere Lust verhallt, wird hier zu einer stiebenverrichtung des lebensvollen hebräischen Anschauungs- und Gedankeuunterrichts. Es wird aber nichksdestoiveniger, weil von lllnbeginn an von lebendigem Interesse getragen, dem Schüler zu einer unveräußer lieben Fähigkeit. So lvenig als die Muttersprache — weil von der Natur auf die zweckmäßigste Weise beigebracht — je vergessen werden kann, ebensowenig wird dies beim Hebräischen der ff alt fein, wenn es von Anfang an so gelehrt lvird, daß es eine Art Einschlag in dein gesammten (^elvebe geistigen Lebens bei dem Kinde bildet. Die traurigen und geradezu beschämenden Erscheinungen, dasz erlvachsene Leute, zur Thora gerufen, nicht den bebräischen Segensspruch, oder, vor die heilige Lade tretend, nicht das Kaddischgebet zu lesen vermögen, lverden bei einer derartigen Ertheilung des Unterrichts geradezu zur Unmöglichkeit. Der Unterricht schreitet auf der betretenen Bahn lveiter fort. Die einfachsten Dinge, lvie Tisch, Buch, Licht, Tafel, Griffel, Hand, Rad, Wagen, Pferd, Schaf, Esel, Gans u. s. w. werden mit ein paar einfachen Sätze auf Hebräisch beschrieben. Der Wortschatz reicht nun schon aus, um kleine hebräische Erzählungen und Fabeln zu lesen und zu behandeln. Einige Bilder, lvelche die bedeutensten biblischen Persönlichkeiten und die mit denselben verknüpften bedeu-- tendsten Ereignisse — wie etwa das Paradies, die Sintslutb, Abrahams Auszug aus der Heimath, Jsaks Opferung, Jatobs Traum, Moses Rettung aus beit Fluten des Nil — machen den Schüler nicht bloß mit dem für ihn wichtigsten hebräischen Wortschatz, sondern gleichzeitig mit den hervorragendsten Personen und Ereignissen bekannt. Wenn lvir den Schüler nun den Pentateuch ausschlagen lassen, so lvird er ihm nicht mehr als ein Buch mit sieben Siegeln erscheinen, das er ihm auch nach achtjährigem llnterrichte in der heutigen Manier bleibt. Er wird vielmehr von Anfang an fähig sein, ohne jede Beihilfe seitens des Lehrers die leichteren Kapitel zu lesen und sofort selbst nach ihrem Wort und gramma tischen Berstäudnisse hin zu erklären. Ich lvage daher die kühne Behauptung,, daß ein Schüler, der auf diese lebensvolle Weise in das Berständniß der hebräischen Sprache eingeführt worden, in einem zweijährigen LehrkurS mehr Berständniß von der Sache davonträgt, als bei dem üblichen Verfahren in acht Jahren. Nicht hoch genug kann außerdem der weitere Bortheil angeschlagen werden, daß nur bei einem so unterrichteten Schüler die Vorbedingungen gegeben sind, die gehörig lveiter entwickelt, zu einein umfassenden und zugleich eindringlichen Berständniß der ganzen hebräischen Sprache und aller Zlveige ihrer Litteratur führen. Schüler an Mittelschulen, die einen zwölfjährigen Lehrkurs im Hebräischen zurückzulegen haben, müßten, lvenn ihre Kenntnisse sich auf einer solch soliden Grundlage erheben, zu einem wahren „Daur deah" heranreifen. Bisher jedoch tragen sie trotz des großen Zeit- und Kraftaufwandes nur recht stümperhafte Kenntnisse davon. Run werden mir allerdings manche der Herren Lehrer entgegenhalten: „Es geht nicht." Gewiß, lver da meint, die Dinge müßten sich ganz von selbst machen, müßten auch ohne Daransetzung von Eifer, Fleiß, sorgfältige Vertiefung in den Gegenstand gehen, der mag reckst daran halten. Derjenige Lebrer jedoch, der da weiß, daß jede vernünftige Methode unmöglich ist, sv lange es an Muth fehlt, mit dem alten liebgewordenen Schlendrian zu brechen, lvird etwas weniger sicher mit seiner ablehnenden Behauptung auftreten. Er wird auch zu bedeuten haben, daß die Methode an jeden Lehrer einer fremden Sprache heutigen Tages ganz andere Forderungen nüe ehedenr stellt. Wo es sich um die Hebung des Gegenstandes handelt, da müssen die Rücksichten auf die eigene Bequemlichkeit zurücktreten. Sehr förderlich lväre es der Sache, wenn zunächst einmal an einer Privaklehranstalt und an den Seminarien ein Versuch mit der in Vorschlag gebrachten neuen Methode gemacht würde. Es müßten denjenigen bereits amtirenden Lehrern, welche sich für die Sache interessiren, gleichzeitig durch Einrichtung von Uebungsbezw. Fortbildungskursen Gelegenheit geboten werden, solchem llnterrichtsbetriebe beizuwohnen, um die Handhabung der Methode aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Wenn dann erst die Lehr- und Lernbehelfe diejenige Umgestaltung erfahren haben, welche die Zweckdienlichkeit erfordert, so scheint uns selbst die Verwirklichung dessen, daß aus dem einst verachtetsten, bald der Liebling aller Lehrgegenstände werden wird, nicht mehr allzusern.