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Der Israelit · 1900-12-06 · Heft 97 (6.12.1900) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 97 (6.12.1900)
Date
1900-12-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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4L Jahrgang. Erste Anlage zu M 97 des „Israelit". Leitender Artikel. Zm Mühoilik Ks hritriiiiilini lliitmichts.?öon Nabb. Dr. Daniel Kink—Wien, li. (Schluß.) Ist dieses Prinzip richtig — woran hoffentlich keiner zweifeln wird — so ist es ebenso richtig, daß die gebräuchlichen Lehrweisen falsch sind. Die rein mechanische Lehrweise, die ihren Ruhm darin setzt, daß sie die Graminatik entbehren zu können vermeint, bildet geradezu den schlechtsinnigen Gegensatz zu dem Grundgesetz des kleinsten Kraftmaßes. Jenes Verfahren bedeutet für den hebräischen Unterricht dasselbe, als wenn inan im Rechenunterricht das Produkt von 7X8 -- 56 jedesmal dadurch gewinnen wollte, daß man 7 Summen von je 8 Einheiten aneinanderreihete, um aus deren Summirung das Resultat 56 zu gewinnen. Im Rechenunterrickt wird kein Mensch so etwas wagen, weil die kindische Unbeholseicheit des Verfahrens aus den ersten Blick in die Augen leuchtet. Die Rücksichten der Zweckmäßigkeit gebieten viel mehr. dort, wo gewisse Vorgänge und Erscheinungen sich regelmäßig wiederholen über die Besonderheit des Einzelsalles hinwegzuschreiten und zur Erkenntniß des obwaltenden Grundgesetzes sich zu erheben. Kann der hebräische Unterricht, soll er von Erfolg getragen sein, vor diesem Schritt nicht zurückschaudern? Der graimnatisirende Unterricht wiederum thut zwar diesen Schritt. Allein zur Unzeit unternommen, wird nicht bloß der Erfolg auSbleiben, sondern es muß aus dem Beschreiten einer Erkenntnißstufe, für welche es an den nöthigen Voraussetzungen gebricht, geradezu ein verhängnißvoller Nachtheil entstehen. Es wird fernem Menschen beispielsweise einfallen, die Lehren der Trigonometrie zu behandeln, bevor ihm diejenigen der Geometrie geläufig sind. Eine solche Verkehrtheit verbietet sich ganz von selbst. Denn die Trigonometrie stellt eigentlich nichts anderes als eine Abstraktion der Planimetrie dar. Die Formeln, welche unter der Voraussetzung ihrer Kenntniß als einfache Folgerung ohne weiteres einleuchten, erscheinen in dem anderen Falle als ebensoviele Räthsel. Wie leicht verj urittelt sich deren Kenntniß, wenn sie von der rechten ■ Einsicht getragen ist! Welche Qual wäre es dagegen, j wollte man das Gedächtniß verhalten, dies alles unver-! mittelt auf rein mechanische Weise einzuprägen! 1 Wollen wir daher das Lehrverfahren im hebräischen Unterricht nach dem dargelegten Hauptgrundsatz einer zweckmäßigen Methode umgestalten, so werden wir die Sache von Grund aus neu aufbauen müssen. Vor allein wird aber der Jrrthum aufzugeben sein, als ob durch die Combination der beiden oben erwähnten mechanischen Methoden etwas erreicht würde. Es wird heute allgemein anerkannt, daß die Wurzeln jedes gedeihlichen Unterrichts in der zweckmäßigen Behandlung der Anfangsgründe stecken. Was hier durch verlehrte oder nachlässige Behandlung versäumt wird, ist später kaum mehr einzubringen. Alle Maßregln, welche die neuere Schule nach der Richtung bisher getroffen hat, waren ausschließlich darauf gerichtet. die Fertigkeit im mechanischen Lesen möglichst schnell beizubringen. Es ist damit sehr wenig erreicht; hat aber der Schüler, wie dies ausnahmslos der Fall ist, die Fähigkeit, deutsche Schriftzeichen zu lesen, bereits erlangt, so schmilzt der Lerneffekt auf ein noch viel geringeres Maß zusammen. Wie wenig diese Fertigkeit, mit welcher gewisse Lehrer so gerne paradiren. für das praktische Leben bedeutet, erhellt am besten aus der Thatsache. daß wir niemals so viele Analphabeten im Hebräischen hatten, als gerade in unserer Zeit. Die Lesefertigkeit in einer Sprache, die sonst außer aller Beziehung zu den', kindlichen Geistesleben steht, wird ebenso schnell vergessen — als erlernt. Was folgt aus all dem? Anstatt eine Zeit lang fremde Buchstaben zu üben und unverstandene Wortgelülde zu drillen, müssen wir den Schüler sofort in die Sprache einsühren und ihren Aufbau gleichsam mit erleben - ja im gewissen Sinne selbst vollziehen zu lassen. Der Unterricht tvird daher damit einzusetzen haben, daß wir den Schüler die einfachsten Dinge seiner Umgebung hebräisch benennen lassen. Die Hervorhebung bestimmter Dinge aus dem bekannten Anschauungskreise bietet auf ungesuchte Weise die Gelegenheit, den Gebrauch dieses Artilels und Vesten Formen aus handgreifliche Weise einznüben. Die Vervielfältigung und Zählung der Dinge bringt die Formen der Mehrzahl und die einfachen Formen des Zahlwortes zur Behandlung. Hat nun erst der Schüler die einfachen Thäiigkeiien im häuslichen und Schulleben auf hebräisch benennen gelernt, dann erweitert sich der Spielraum für den geschickten Lehrer auf eine ungeahnte Weise. Es kommen die wichtigsten Fragewörter zur Behandlung. Hebräisch formulirte Fragen nach den bekannten Dingen — bald in der Ein-, bald in der Mehrzahl, oder nach den Thätigkeiten und Eigenschaften derselben — bieten den interessanten Stoff für eine fast unerschöpfliche große Anzahl von einfachen Urthei len, die in einfache Sätze gekleidet erscheinen. Hier wieder bietet sich ganz von selbst de Veranlastung, die

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