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Der Israelit · 1900-12-06 · Heft 97 (6.12.1900) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 97 (6.12.1900)
Date
1900-12-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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S0<6 besseren Häuser die Offiziere mit ihren Burschen einquurtirte. In das Haus des Borstehers Herrmann hatte man den Regimentsdoktor mit seiner Bedienung untergebracht. Auf den ersten Blick beim Betreten der Wohnung fand dieser heraus, daß er sich in einem jüdischen Hause befinde, und stellte sich der ihn empfangenden Rosa als Glaubensgenosse, als Doktor Ludwig Goldenkron aus Breslau, vor. Den Hausherrn bekam er nicht zu sehen. Derselbe hätte den Anblick eines der Feinde, eines der Mörder seines einzigen Sohnes, nicht ertragen. Der Gemüthszustand des unglücklichen Vaters erforderte es, daß er vor jeder möglichen Aufregung verhütet werde. Rosa mußte den Vater mit der Kränklichkeit entschuldigen. Dem unwillkommenen Gaste wurde das einstige behaglich eingerichtete Zimmer Karls eingeräumt, und mit der, dem Sieger zukommenden Aufmerksamkeit, entgegengekommen. Es war für Rosa wohl sehr unangenehm, in ihrer verlassenen Stellung einem Offizier gegenüber die Dame des Hauses vorstellen zu müssen; jedoch, da es Kriegszeit war, und dieser Zustand voraussichtlich nur einen Tag dauern würde, so nahm sie auch dies auf sich. Nachmittags versammelte sich die im Städtchen untergebrachte Mannschaft mit Sack und Pack vor dem Rathhaus, wo das Hauptquartier war, um den Tagesbefehl anzuhören und zu erfahren, wann sie sich marschbereit zu machen habe. Wer beschreibt deren freudiges Erstaunen, als zur allgemeinen Kenntniß gebracht wurde, daß ein mehrtägiger Waffenstillstand geschlossen sei, daß der Status quo eingehalten werden müßte, und das Regiment bis auf weitere Ordre in dem Städtchen zu verbleiben hätte. Diese Verfügung wurde mit allgemeinem Jubel begrüßt. So froh alle Betheiligten auch über die Aussicht waren, nach diesen anstrengenden Märschen einige Tage vollständiger Ruhe pflegen zu können, ja bald vielleicht als Sieger in die theure Heimath zurückzukehren, Niemand war glücklicher darüber, als Doktor Goldenkron. Heimgekehrt sagte er zu seiner schönen Wirthin: „Zu meinem Bedauern muß ich Ihnen noch längere Zeit mit meiner Ihnen gewiß unbequemen Gegenwart zur Last fallen. Jedoch, mein Fräulein, ein Waffenstillstand ist zur endlichen Friedensschließung unumgänglich, denn wie Schiller richtig sagt: Wenn der Krieg im Kriege nicht aufhören sollte, wo käme denn der Friede her?" Rosa war bei diesen Worten bis in die Lippen erblaßt. Dem siegreichen Feinde durfte sie nicht unhöflich begegnen, so gerne sie ihn auch abziehen gesehen hätte. Sie zwang sich daher zu den Worten, die sie fast tonlos hervorbrachte: „Sie werden uns auch weiter ein geehrter Gast bleiben." „Wirklich," rief er freudig aus, „und auch ein lieber?" „Unser Haus ist keine Stätte für liebe Gäste," erwiederte Rosa. „Schweres Leid ist über unsere Familie hereingebrochen und hat meinen armen Papa unfähig gemacht, seine Pflichten als Hausherr dem Gaste gegenüber zu erfüllen. Sie müssen schon, gerne oder ungerne, mit meiner Gesellschaft fürlieb nehmen." „Die beste, die ich mir wünschen kann," antwortete der Doktor mit artiger Verbeugung. Noch an demselben Abend nahm Rosa ihre Busenfreundin Anna, die Tochter des Rabbiners, zu sich, angeblich, um eine Unterstützung bei der durch die Einquartierung vermehrte Haus- und Küchenarbeit zu haben, eigentlich aber als eine Art von Ehrendame. Im gleichen Einerlei verging den Bewohnern des Herrmann'schen Hauses Tag um Tag, ohne daß eine Nachricht von dem vermißten und als todt beweinten Sohne des Hauses angelangt wäre. (Fortsetzung folgt.) Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal. Montags and Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an — Der Vuchhanorl verkehrt durch $. Jff. Hleiuarker, Leipzig, Rotzplah jö. — Inserate 2b Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile tm Reclamethetl 75 Pfennig. — Dtrecte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland^rnd Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen Lsterr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einfendm. Postzeitungsliste 3863. Telephon 315. «ine Rckcksendnng der a« die Sledaetta« eittftefattfcte« «annferipte findet nicht statt, man dittet vesgald, an naa «iatenhnnaen eine Cohit anrüdandedattaa «tellensnchende erhalte« ans Wttnsch die Anseraten-Beiilage vier Wache« lang gratis und franra zngefandt. «densa stunden wir ans «»«sch die ZaHlnng des Jnsertiansbetrags an außer «teile Befindliche di» »ach »rlans»«« einer solche«. Inhalt: <Hanptblatt): Leitender Artikel: Ein Sieg der GesetzeStreuen in Ungarn. — Zeitungsnachrichten und Cerrespondenjrfl: Berlin. Frankfurt a. M. Köln. Oesterr.-Ung. Monarchie: Budapest. Frankreich: Paris. — Feuilleton: Versöhnte Feinde. (Fortsetzung.) Inhalt btt ersten Beilage: Leitender Artikel: Zur Methodik des hebräischen Unterricht- (Schluß). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Mainz. Berlin. Leipzig. Aachen. Au- Unterfranken. Frankreich: Paris. England: London. — Sprechsaal. — PermtschteS. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirt-'scheu Hofbuchdruckeret-Actten-Sesellschaft in Mainz. Hierzu zwei &*il«gtt$*

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