Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 97 (6.12.1900)
- Date
- 1900-12-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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2024 „Doch nicht so dringend wie der Sabbat," meinte der ernste Schulmann, „ich gebe hierzu keinen Dispens." Ein zweiter Professor an derselben Schule hat für einen Samstag die Veranstaltung eines Ausfluges zur Besichtigung einiger Fabriken im Nachbarkomitate angekündigt. Die Handelsschüler machten auch Vorbereitungen für die Reise, und es fanden sich auch jüdische Zöglinge, die dem lockenden Rufe nicht widerstehen konnten. Gerade am Samftag, um 11 Uhr Vormittags. sollte die Vergnügungsfahrt angetreten werden. Da der größte Theil der Studenten Juden sind, erklärte der dortige Rabbiner in der Religionsstunde, daß es den jüdischen Zöglingen nicht gestattet ist, am Samstag zu fahren, resp. die Reise anzutreten, und er verkündete zugleich, daß um 11 Uhr Vormittags für die studirende Jugend ein Separat-Gottesdienst mit tw rx^p und “tra n^cn veranstaltet wird. Die Vergnügungsfahrt wurde indessen nicht abgesagt. Der leitende Professor war der Meinung, seine Schüler würden i h m und nicht den Weisungen des Rabbiners gehorchen. Er hatte sich aber getäuscht. In letzter Stunde erklärte der Direktor, daß er es nicht gestatte, daß die jüdischen Zöglinge „durch eine eklatante Religionsverletzung mit ihrem Rabbiner in Widerspruch gerathen." Der Prosessorenkörper hat einmal die Wünsche des Rabbiners berücksichtigt und „keinerlei schriftliche Arbeit in den Stundenplan für Samstag ausgenommen;" es wäre daher ungebührlich, diese Rücksicht durch einen offiziellen Studienausflug illusorisch zu machen. Infolge dieser Erklärung des Direktors wurde die ganze Reise aufgegeben. Die jüdischen Studenten waren vollzählig zum Gottesdienste erschienen. Seit jenem Fall wird im Tempel zu Also-Kubin allsabbatlich um 11 Uhr Vormittags für die jüd. Schuljugend Gottesdienst mit mim nxnp und i^en veranstaltet, der von ungefähr 150 Zöglingen besucht wird. Zwei Mitglieder des Kultusvorstandes sind beim Jugendgottesdienste immer anwesend. Der Shnagogenbesuch am Freitag Abend und Samstag zu Minchah ist für die dortige Schuljugend schon lange obligat. — Die erwähnte Zeitung knüpft hieran folgende Bemerkung: Dem Direktor der Also-Kubiner oberen Handelsschule gebührt Anerkennung für diese Schonung der religiösen Gefühle. Es wäre nur zu wünschen, daß dieses Beispiel auch in anderen Anstalten sich wiederhole. In vielen Städten läßt der jüdische Religionsunterricht noch viel zu wünschen übrig. Ganz besonders in den Handelsschulen und Realgymnasien sollte der jüdischen Jugend mehr Aufmerksamkeit zugewendet werden. Das sind ja die zukünftigen D'rc 'tjz die — wie die Erfahrung lehrt — nicht selten wegen ihrer Intelligenz und Bildung zur Leitung der Gemeinde berufen werden. Die Herren Rabbiner sollten großen Werth darauf legen, diesen jungen Leuten echtjüdischen Geist, jüdische Gesetzestreue einzuimpfen und sie ganz besonders mit jüdischer Führung innigst vertraut zu machen. Frankreich. Paris, :l. Dez. (E i n antisemitischer G e s ch ä s j s k n i s f.) Die republikanischen Blätter veröffentlichen ein Rundschreiben der „Libre Parole," das an eine große Anzahl von Malern und Bildhauern gerichtet ivorden ist. Es lautet: „Wir organisiren für den ersten Januar eine Preisvertheilung an unsere Abonnenten. Wir möchten unter unseren Preisen einige Kunstwerke, selbstverständlich von geringem Werthe, haben, und ersuchen deßhalb um Ihre Unterstützung. Vielleicht haben auch Sie sich nicht immer über die Juden lobend zu äußern gehabt. Vielleicht iverden Sie nicht zögern, eines Ihrer Werke, wie gering es auch sein mag, uns zur Verfügung zu stellen. Zum Tausch bieten wir Ihnen Alles an, was wir bieten können, d. h. die „Libre Parole" Ihnen stets zur Verfügung zu stellen, so ott Sie uns eine Mittheilung zuschicken wollen — Salons, Ausstellungen u. s. w. Wir werden das Geschenk, das Sie uns zu machen belieben, in der Prämienliste als einen Antaus seitens der „Libre Parole" verzeichnen, wenn Sie dies vorziehen. Genehmigen Sie u. s. w." Ein Maler. der ein derartiges Schreiben erhielt, antwortete Drumont kurz und bündig: „Mein Herr! Ihr eigennütziges Rundschreiben ist das Allerhöchste von einem „Indenkniffe." Meine von einer tiefen Verachtung durchtränkten Komplimente." Feuilleton EersöhiUe WAnds. Von Babette Fried. 31 Und er ging fort. Was er dort erfahren, war nicht darnach, seine Verstimmung zu verscheuchen. Mehr noch fast als die Nachricht von dem muthmaßlichen Tode seines Pathen, des jungen Herrmann, hatte ihn die Art und Weise aufgeregt, wie der unglückliche Vater diese Trauerbotschaft ausgenommen hatte. Er versuchte wohl zu trösten, den Verzweifelnden an seine Pflicht gegen sich und sein ihm gebliebenes Kind, dessen einzige Stütze er nun sei, zu mahnen, doch umsonst! „Mein Sohn, mein Sohn, ich werde mit Trauer um Dich in die Grube fahren!" war alles, was der Be dauernswerthe antworten konnte. Die auffallend gefaßte, ruhige Rosa erzählte ihrem alten Freunde und Lehrer, mit welcher Zuversicht sie das Fehlen des Bildes in der Kapsel erfülle. Der Rabbiner schüttelte wohl ungläubig das Haupt, fand es aber nicht angezeigt, jetzt einen Zweifel auszusprechen, und knüpfte an diese Zuversicht Rosa's