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Der Israelit · 1900-09-20 · Heft 76-77 (20.9.1900) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 76-77 (20.9.1900)
Date
1900-09-20
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1582 schuld daran, da hatten sie die Lebensmittel heraufgeschraubt, um sich dabei zu bereichern, und der aufgehetzte Pöbel zieht in die Judenstadt. Auf dem Rathhaus sitzen die Väter der Stadt in angelegentlicher Verathung. Wer stürzt in den Saal? Es ist der Abgeordnete der Juden, der Gemeindevorstand. der in größter Verzweiflung den Schutz der Obrigkeit für seine Glaubensbrüder erfleht. Narr, der er ist, warum sagt er nicht gleich, „wieviel er bieten, wieviel tausend Mark er geben kann" — dann sollen die Knechte marschiren. Doch horch! Zu spät! Schon klingt der dumpfe Ton der Feuerglocke durch die Stadt und ein düsterer Rauch steigt am Horizont empor. Die Rathsherren zucken die Achseln und sehen einander an. „Am Ende," sagt der Bürgermeister, „kommt das Geld unter die Leute und das Judenerbe fällt an die Stadt." Und dort, wo ein rasender Kanibalenhaufe in die friedlichen Judenwohnungen eindringt, haben sich die armen erschreckten Bewohner nicht verkrochen und erwarten ruhig den Tod. Der wackere Pöbel führt gute Schwerter und Helebarden. Neben dem Schwert in der Rechten schwingt die Linke das Symbol der Christenheit. Wer es anbetet, ist gerettet. „Doch Keiner ist feig genug, aus Todesfurcht den Gott Israels zu verleugnen" und freudig gehen sie Alle in den Tod. Gibt es einen größeren „Kidusch Haschem," als dieses todesverachtende Hinopfern für den jüdischen Glauben? Ist dies nicht eine Heiligung des einzigen Gottes, eine Unfane Taukef-Hymne von mächtigster Wirkung? Wir überspringen nun einen großen Zeitraum und kommen zur neuesten Zeit. Ort der Handlung ist Rumänien. Die grauenhafte Härte, mit der die rumänische Regierung ein Drittel Million Juden ihres Glaubens halber bedrückt, die Verfolgungen, die nicht bloß in den bekannten Ausbrüchen des Pöbels im Jahre 1898 und 1899 in neuerer Zeit bestehen, sondern die die Niedertracht einer aberwitzigen Gesetzgebung sind, welche die Juden „staatsrechtlich als Fremdlinge, thatsächlich zu Parias stempelt," und darauf ausgeht, den Juden das „Leben in Rumänien unmöglich zu machen." Die Erbarmungslosigkeit, mit welcher Hunderttausende von Menschen mit kalter Berechnung durch unmenschliche Ausnahmegesetze und Vorenthaltung aller Menschenrechte zu Grunde gerichtet, zur Verzweiflung getrieben und zur Auswanderung ohne irgend ein Ziel, wohin sie sich wenden können, gezwungen werden, diesen Jammer und dieses Elend, daß Tausende von unseren rumänischen Glaubensbrüdern Haus und Hof verlassen und in der Fremde herumirren und eine neue Heimath zu suchen gezwungen sind, haben dieselben nur „ihres Glaubens wegen zu erdulden." Wenn es auch leider nicht hinweggeleugnet werden kann, daß ein großer Theil der rumänischen Juden nur mehr noch dem Namen nach Juden sind und die Gesetze unserer Religion nicht beachten, so muß doch zugegeben werden, daß es doch noch viele Glaubensgenossen gibt, die an den Geboten der Thora festhalten, „daß es aber sehr wenige Renegaten sind, die die Fahne ihrer Religion treulos verlassen/ und diese auch nur unter dem Drucke des Zwanges. Wie groß muß aber der Jammer und das Elend sein, wenn einige dieser Auswanderer, als sie von den Regierungen der Länder, die sie nicht aufnehmen wollten, nach Rumänien zurückgeschickt wurden, lieber in der Grenzstadt Turn Severin „in die Donau sprangen, als daß sie nach Rumänien zurückkehren wollten." Die rumänischen Emigranten sind also „nicht weniger Märtyrer ihres Glaubens," als ihre Vorgänger im Mittelalter und haben nicht minder enpo Qtrn gewesen, als diese. Dieses ist also der rumänische „Unsane Taukef." Möge in den kommenden heiligen Tagen nm»n flpur. n^en, der Rückkehr zu Gott, inniges Gebet und Wohlthätigkeit das traurige Schicksal der njn ,tpt: von unseren Glaubensbrüdern in Rumänien abwenden, auch von uns jedes Unheil ferne halten und die Botschaft des Rabbi Amnon rmr, ,*un nx pTayo nput: nb'-rri rcipn sich bewahrheiteni"'rx. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Graudenz, 16. Sept. Dem Bericht über die diesjährige Sitzung des Verbandes der Rabbiner Westpreußens entnehmen wir: Am 2. September hielt Hierselbst der Verband der Rabbiner Westpreußens seine Jahresversammlung ab. Für die Wahl des Ortes war die Absicht maßgebend gewesen, das Andenken des verstorbenen Begründers und Vorsitzenden, Herrn Dr. R o s e n st e i n s. A. hier, dadurch zu ehren. Die Einleitungsreve des stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Rosenberg - Thorn, trug dieser Nothwendigkeit auch Rechnung. Anwesend waren die Herren Eppstein-Briesen, Freudenthal-Danzig, Gutmann-Kulm, Kellermann- Konitz, Northeimer-Schwetz, Pyck-Straßburg, Rosenberg-Thorn, Rosenthal-Preuß. Stargard und Silberstein-Elbing. Der erste Gegenstand der Verathung war die entgültige Fassung des in seinen Grundzügen bereits im Vorjahre festgestellten Normallehrplanes, der den Inspektionen durch die Rabbinen zu Grunde gelegt werden soll. Freudenthal-Danzig und Kellermann-Konitz stellten Zusatzanträge, denen auch Rechnung getragen worden ist. Dann wurde der Antrag Rosenthal-Preuß. Stargard, die Aufsicht über die Schechita durch die inspizierenden Rabbinen betreffend, berathen. Antragsteller begründete den Gegenstand durch Schilderung der augenblicklichen Verhältnisse. Es

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