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Der Israelit · 1900-09-20 · Heft 76-77 (20.9.1900) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 76-77 (20.9.1900)
Date
1900-09-20
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1583 wurde beschlossen, sowohl durch den Rabbinerverband selbst, als auch durch den Vorstand des Westpreuß. Gemeindeverbandes zu diesem Zwecke bei den Gemeinden desselben die nöthigen Schritte zu ihun. Damil in Verbindung stand der nächste von Eppstein-Briesen und Rosenthal-Preuß. Stargard eingebrachte Antrag, das von Herrn Oberrabbiner Dr. Feilchenfeld-Posen gegründete Institut zur Ausbildung von Schächtern mit einem Beitrag zu unterstützen, damit die von dort hervorgehenden Beamten auch unserer Provinz zu Gute kommen. Man beschloß, dem Vorstande des Gemeindeverbandes die Ausführung dieses Antrages zu empfehlen. Rosenberg-Thorn brachte eine Anregung ein, die tommunale Steuerfreiheit der Rabbiner betreffend. Er verkennt die Schwierigkeit der Sache selbst nicht, weßhalb er zur Vorsicht und zu augenblicklichem Abwarten rieth. Einem Anträge Oppenheim-Briesen, die Förderung wissenschaftlicher Bemühungen inmitten des Rabbinerverbandes, wurde Folge gegeben. Es sollen wissenschaftliche Fachzeitschriften gehalten und auf den Versammlungen ein Vortrag geboten werden. Bei der darauffolgenden Vorstandswahl wurde an Stelle des verstorbenen Dr. Rosenstein s. A., Rosenberg in Thorn zum Vorsitzenden gewählt, während Rosenthal-Preuß. Stargard als neues Mitglied in den Vorstand einrückte. Der Versammlung folgte ein von der Gemeinde Graudenz gebotenes Mittagsmahl. Bei den Toasten wurde der Vorstand der Graudenzer Gemeinde nicht vergesien, dessen Mitglieder an den Berathungen regen und mitthätigen Antheil genommen hatten. Der Verein selbst, dessen neue Mitglieder, der neue Vorsitzende, die Frauen erhielten ihre Toaste und man trennte sich in der angenehmsten Stimmung. Vorher hatte man der Familie des verstorbenen Dr. Rosenstein s. A. einen Condolenzbesuch gemacht. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Wien, 16. Sept. (G e m e i n d e r a t h.) Dr. Mittler stellt folgende Interpellation: Der Herr Bürgermeister hat laut unwidersprochen gebliebener Zeitungsberichte bei dem am 11. d. im Rathause stattgehabten Empfang des Österreich. Kaufmannstages wirklich beherzigenswerthe und schöne Worte gesprochen. Der Bürgermeister sprach seine Freude darüber aus, daß die Berathungen mit Ernst und voller Einigkeit vor sich gegangen sind, und versicherte, daß alle Unterschiede politischer, nationaler und confessioneller Natur verschwinden werden, wenn man sich endlich darüber klar werde, daß jeder Mensch ein Recht habe, zu leben, und ein Recht habe darauf, geschützt zu werden von Jenen, welche es entweder freiwillig thun oder durch die Uebernahme eines Amtes hierzu berufen sind, damit endlich lener Moment eintritt, welchen wir als den Zeitpunkt ehrlicher Arbeit preisen. Mit diesen von Humanität erfüllten schönen Worten steht jedoch die allen Begriffen von Humanität und Gerechtigkeit widersprechende Behandlung der armen magistratischen Beamten jüdischer Confession, welche bekanntlich consequent und ausnahmslos bei Stellenbesetzungen seit Jahren präterirt werden, in schreiendem Widerspruch. Ich sehe mich daher zu folgenden Anfragen veranlaßt: 1. Anerkennt der Herr Bürgermeister auch rücksichtlich der Magistrats-Beamten jüdischer Confession das Recht, zu leben, und das Recht, geschützt zu werden? 2. Anerkennt der Herr Bürgermeister, durch die Uebernahme des Amtes eines Bürgermeisters von Wien auch die Pflicht übernommen zu haben, auch die jüdische Bevölkerung in ihrem Rechte zu leben, zu schützen? 3. Ist der Herr Bürgermeister geneigt, in seiner Eigenschaft als oberster Chef des Magistrats dahin zu wirken, dGß die jüdischen Communal-Beamten, welchen in Folge ihrer langjährigen Dienstzeit und vorzüglichen Qualifikation keinerleit Vorwurf gemacht werden kann, vom Avancement nicht ausgeschlossen werden wie ceteris paribus deren christliche Collegen? 4. Gedenkt der Herr Bürgermeister das den Magistrats-Beamten jüdischer Confession durch die seit 1. Januar 1898 unausgesetzt erfolgten Präterirungen angethane Unrecht und die damit verbundene schwere materielle Schädigung im Sinne seiner humanen, obcitirien Auffassung gutzumachcn? Dr. Lueger: Das ist wieder eine Interpellation nach altem Styl, nach jenem Styl, in welchem früher im Gemeinderathe außerordentlich oft interpellirt wurde. Der Herr Interpellant weiß sehr genau, daß ich auf die Beförderung der Beamten nur jenen Einfluß habe, den jedes Mitglied des Stadtrathes besitzt. Der Herr Interpellant weiß sehr genau, daß die Beförderungen der Beamten von Seite des Stadtrathes vollzogen werden. Die Berathungen des Stadtrathes sind geheim, und ich bin nicht berechtigt, über einzelne Debatten und Abstimmungen des Stadtrathes dem Herrn Interpellanten Kenntniß zu geben. Im Stadtrathe herrscht volle Freiheit der Anschauungen, und das Gerede, daß der Stadtrath das thut, was der Lueger will, ist unrichtig. Uebrigens habe ich nach meinem besten Wissen und Gewissen der jüdischen Bevölkerung nie ein Unrecht zugefügt. Ja, ich anerkenne, sie hat auch ein Recht, zu leben, aber auch die Christen haben ein Recht, zu leben. (Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) Der Herr Interpellant möge an gewisse Herren seiner Confession die Frage richten, wieso sie es mit ihren humanen Anschauungen vereinbaren, daß sie allzuviel aus den Einnahmen und Verdiensten wegnehmen und sich selbst sehr bereichern, während der andere Theil der Bevölkerung, zumeist Christen, arm ist. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen bei der Mehrheit.) Die „Neue Fr. Presse" nennt diese Antwort mit Recht eine jesuitische.

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