Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 76-77 (20.9.1900)
- Date
- 1900-09-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1867 durch seinen guten Namen und mit seinem guten Namen aus der Welt scheidet." „Und nun," so ruft der Redner aus, „sollen wir diesen Jsch lodäusch, diesen Oraun ha-kaudesch der Erde zurückgeben! k*?i p-exn bv pnarre Wehe der Entschwundenen, für die kein Ersatz zu finden. Müssen wir nicht heute unwillkürlich an Rabbi Schimaun denken, über welchen Rabbi Jischmoel bitter klagend ausrief: „Wehe der Zunge, die so geläufig lehrte, sie soll jetzt den Staub küssen!" Allein wir wissen, daß der Allheilige seinen Frommen guten Lohn verheißen, deßhalb rufe ich Dir, geliebter Rabbi, zum Abschiede zu: Lech be-scholaum, Ziehe ein in Frieden und empfange den Lohn für deine vielen Liebeswerke!" Die Mitglieder der Chevrah ergriffen die Stangen der Bahre und bald lag, was sterblich war an Leo Leser, gebettet unter einem frischen Hügel. Möge '"rn seinen tieftrauernden Hinterbliebenen, seiner ebenbürtigen Gattin, die ihn während seines Leidens mit großer Aufopferung gepflegt hat n'O' -pix' n und seinem Sohne lindernden Trost gewähren. Wir aber schauen flehend empor zum Allvater, daß Er dem Todesengel sage, fernerhin seine Hand nicht mehr auszustrecken wider Seine Frommen,;*p:ip "i -paare nix s;x -prtpa -na zb nxn „Auch dann noch hoffen wir zu Dir, Ewiger, wenn Du schon Dein Strafgericht über uns hast ergehen lassen, o Du, unseres Herzens Wunsch, Dich suchen wir in der Noth." (n"i bv 'x ">b sjeie) Zeitungsnachrichten unv Correspondenzen. Berlin, im Sept. „Die Einfuhr deutschen Kriegsmaterials in China" schreibt die „Deutsche Reform" (16. Sept.) den — Juden zu. Die Ausfuhr von Kriegsmaterial aus Deutschland hatte 1898 nur 3l/2 Million betragen, 1899 dagegen über 8 Millionen. „Auf alle Fälle wäre es sehr interessant, einmal die Namen der betriebsamen Männer zu vernehmen, welche die Waffenausfuhr nach China so eifrig gefördert haben. Vielleicht ließen sich da recht werthvolle Schlüsse auf die Betriebsamkeit von „unsere Leit" ziehen." Wir haben nie etwas davon gehört, daß Herr Krupp zu „unsere Leit" gehört hätte! Vielleicht findet sich in der Gegend des früheren Mühlendammes in Berlin ein Händler mit alten gebrauchten Gußstahlkanonen, oder mit etwas naß gewordenem, aber immer noch verwendbarem Schießpulver. Gefl. Offerten an die „Deutsche Reform." Berlin, 18. Sept. (Ein Prozeß gegen Maximilian Harden.) Im Zusammenhänge mit der Konitzer Mordaffaire stand ein Prozeß, welcher vor der Strafkammer des Berliner Landgerichtes gegen den Herausgeber der „Zukunft", Maximilian Harden, verhandelt wurde. Harden hatte in einem Artikel die Erfolglosigkeit der Untersuchung in der Konitzer Mordsache besprochen und dabei die Wendung gebraucht: „In Könitz leistete ein Criminal-Commissär, was solche ungebildete Leute in einem heiklen Falle immer leisten." Der Polizei-Präsident hatte daraufhin einen Strafantrag wegen Beleidigung der Berliner Criminal-Commissäre gestellt. Harden versicherte in der Verhandlung, daß ihm jede beleidigende Absicht gefehlt habe. Er habe nur eine psychologische Erklärung dafür suchen wollen, warum die Criminal-Commissäre so wenig leisten; in solchen heiklen Fällen könne nur ein criminalistisch und psychologisch sehr fein gebildeter Mann mit einem hohen Maße von Cultur- und Menschenkenntniß in das Gewirre von Interesse und Rassenhaß hineinleuchten. Der Staatsanwalt beantragte vierzehn Tage Gefängniß. Der Vertheidiger, Justizrath M u n k e l. bestritt das Vorliegen einer Beleidigung. Nach Ansicht des Angeklagten müßte man mit schwierigen Untersuchungen allererste Kräfte betrauen, und man hätte nach Könitz einen hervorragend intelligenten Mann senden müssen, nicht aber einen Criminal-Commissär, welcher dieser Aufgabe nicht gewachsen war. Das sei eine Kritik, die erlaubt sei. Der Gerichtshof bielt die Beleidigung für erwiesen und erkannte aus 300 Mari Geldstrast, event. dreißig Tage Gefängniß. Hamburg, 16. Sept. Schon wieder ist die Reihe der Gottesgelehrten um zwei, und zwar an einem Tage, gelichtet worden. Die altehrwürdige Klaus (Peterstr.), an welcher sie beide gewirkt, ruft klagend aus neb NNX ei' oa’jr tu barx! Rabbi Moses Frieder, ehemals Rabbiner in Chodziesen (Posen), seit etwa 27 Jahren hier Klausrabbiner, war seit langer Zeit schwer leidend, immer aber raffte er sich wieder auf und kämpfte dagegen an, bis er am Freitag Vormittag seine fromme Seele aushauchte. In demselben Hause wohnte auch der Senior der Klaus und der hiesigen Lomdim Rabbi Getsch Schlesinger. Auch er war lange Zeit krank und siech, bis ein sanfter Tod auch ihn am Freitag, unmittelbar vor Sabbat, von seinen Leiden erlöste. Groß war die Aufregung, als sich am 'p rer die Kunde dieses Doppelverlustes verbreitete. Damit sind jetzt nicht weniger als fünf Klausnerstellen unbesetzt. Die Verwaltung der hier in Rede stehenden „Alten und Neuen Klaus" (Peterstr.) wird sich daher um so mehr verpflichtet fühlen, diese klaffende Wunde durch die Berufung bedeutender Männer nach Kräften zu heilen. Von der ungeheuren Betheiligung bei den Beerdigungen heute Sonntag, Vormittags 10i/o und Nachmittags 4 Uhr, kann man sich kaum einen Begriff machen, namentlich Nachmittags, woselbst Viele geschäftlich nicht verhindert waren, konnte man in der Peterstraße „keinen Apfel zur Erde werfen", und auch auf dem Friedhofe Langenfelde war es überaus voll von