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Der Israelit · 1900-09-20 · Heft 76-77 (20.9.1900) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 76-77 (20.9.1900)
Date
1900-09-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1566 Als die Kämpfe der fünfziger Jahre begannen, als der Vorstand seines Amtes entsetzt wurde und „Reform" auf allen Gebieten das Losungswort war, als in der hiesigen Synagoge die Orgel eingeführt und ein Dr. Aub von Bayreuth berufen wurde, da schloß sich Leo Leser sofort den Männern an, die, nachdem das eine Lager vernichtet war, das übrig gebliebene wenigstens retten wollten. Rabbi Mosche Reis, Rabbi Jacob Levi, Rabbi Jitzchak Fulda*) und Rabbi Samuel Bondi gründeten die israelitische Religionsgesellschaft, sie bildeten den Vorstand und Leo Leser wurde mit noch einigen Gesinnungsgenosten in den Ausschuß gewählt. Gar bald erkannte man seine Fähigkeit und seinen Eifer für die heilige Sache und so finden wir ihn bereits Ende der fünfziger Jahre in dem Vorstand unserer Gesellschaft, dem er bis zum Ende seines Lebens angehörte. Hier entfaltete er nunmehr eine Thätigkeit, die mit der Geschichte unserer Religionsgesellschaft stets verknüpft bleiben wird und die ihr fortdauernd zu Gute kommt. Bei seinem Entritt in den Vorstand war das Synagogengebäude zwar fertig, aber zur Vollendung der inneren Ausstattung fehlte das Geld, überhaupt war Geldmangel eines der Uebel, an der die junge Gesellschaft theilweise durch äußere Anfeindungen, theils durch wirtschaftliche Schwäche der Mitglieder, in den ersten Jahren ihres Bestehens außerordentlich zu leiden hatte. Da übernahm Leo Leser die finanzielle Gebahrung der Gesellschaft, und hauptsächlich seiner weisen Sparsamkeit, seinem Verständniß für das Haushalten und Wirtschaften ist es zu danken, daß unsere Religionsgesellschaft in ihren Kinderjahren über so manche Klippe hinwegkam. Als er sein Geschäft aufgab, da machte er das Studium des Gotteswortes zu seiner Hauptbeschäftigung. Nun ging er nicht mehr Abends, am frühen Vormittag, in den Selichothtagen schon des Morgens sechs setzte er sich hin und lernte; er verschmähte es auch nicht, mit jungen Leuten zu lernen, für deren Fortbildung wohl auch ein geringerer, wie Leo Leser genügend gewesen wäre. Seine ganze Lust, seine ganze Freude war die Gemoroh. Als er vor einigen und dreißig Jahren einmal schwer krank darniederlag und ihm das Bedenkliche seines Zustandes voll bewußt war, da bemächtigte sich des kaum Fünfzigjährigen eine hochgradige Verstimmung. Freunde und Verwandte wollte er nicht sehen, von Geschäften konnte er nicht sprechen R. Itaak Fulda war ein Schüler deS berühmten Ehasid R. Nathan Adler, dessen lOOjähriger Todestag, wir in jüngster Nummer erwähnt, morgen wiederkehrt. Auch ein Schüler des noch berühmteren Rabbi Pinchas Horowch, Verfasser des Haphlaa ist R. Isaak gewesen, mit letzterem wohnte er sieben Jahre lang in einem Hause. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß die Adler'sche Synagoge mit ihren besonderen Minhagim noch heute in Frankfurt besteht, es ist die unter dem Namen „Nlederhofheim'fche Schul" be juvnte ttt der Rechneiarabengaffe belegene Synagoge. hören, das Einzige, was seine trübe Stimmung zu bannen im Stande war, das war das Gemorohlernen. Wenn sein Sohn die Gemoroh herbeiholte und ihm vorlernte, da war aller Schmerz und alles Leid vergessen und glänzenden Auges lauschte er den Ausführungen, die ihm vorgetragen wurden. All den hohen Eigenschaften des theuren Dahingeschiedenen gab Herr Rabbiner Dr. Bondi bei dem am Sonntage stattgefundenen Leichenbegängnisse in meisterhafter Rede Ausdruck. Unter Zugrundelegung des Talmudausspruches n'jsi rrrns poiyn vs rrspn -nx v nx p-ö ’ä rxi wk ’isos i^xs no:srt rvss ixvi zeigte Redner, wie die sittenverbreitende Thora, das die Sinkenden aufrichtende Wohlthun und die Synagoge — nach dem Untergange aller Institutionen, der erste Träger der jüdischen Nationalität — wie diese drei Dinge es waren, die Israel in der Verbannung während der Jahrtausende erhalten haben und die allein im Stande gewesen, die düsteren Schatten des Goluth zu bannen. Der Dahingeschiedene nun bewährte sich auf all diesen Gebieten auf das Hervorragendste. Ein Mann der Thorah, ein Mann des Beth ha-Keneseth und Vorsteher einer Vereinigung, die das Gemilluth chesed schel emeth zu ihrem Berufe erwählt, gab er durch sein Leben ein Beispiel, wie man zu handeln habe, wenn man Führer und Leiter einer strenggläubigen Gemeinde, einer Religionsgesellschaft ist. Besonders hob noch Herr Rabb. Dr. Bondi das vorzügliche Gedächtniß des Entschlafenen hervor, das es ihm ermöglichte, als in den letzten Jahren ihn ein Augenleiden heimsuchte, mit seinen Schülern auswendig zu lernen. Herr Joseph Fulda sandte im Namen des Vorstandes der Jsr. Religionsgesellschaft dem Heimgegangenen Collegen ergreifende Abschiedsworte nach. Er pries seine große Pflichttreue bei der Ausübung seiner Aemter; nicht als Ehrenamt habe er seine Stellung innerhalb unserer Gesellschaft aufgefaßt, er habe mit Ernst und Fleiß für dieselbe gearbeitet. Redner schildert noch die Rechtlichkeit und Geradheit in Handel und Wandel, durch die sich der theure Todte auszeichnete, die Pünktlichkeit, mit der er stets der Erste und Letzte im Gotteshause gewesen, und nimmt mit thränenerstickter Stimme von seinem Freunde Abschied. Im Namen der Chevrah kadischah und im Namen der zahlreichen Schüler sagt Herr L. H. Lippmann dem Heimgegangenen Dank für all das Gute, das er ihnen erwiesen. Fünfundvierzig Jahre war er Mitglied der genannten Vereinigung, innerhalb dieser Zeit fungirte er Z5> Jahre als Gabbai und zwanzig Jahre als Rabbi, allabendlich lehrreiche Vorträge über Nebijim und Menoras ha-Moor haltend. Redner wandte auf den Dahingeschiedenen die Stelle in Berachoth an: narr1? rm nn; nrjn rrnns Hon mvu cnx ■ntpx o^yn fö sie ctrs ’tobji sic etps bn;i „Heil dem Menschen, der groß in der Lehre, der sich bemüht in der Lehre, der zum Wohlgefallen seines Schöpfers handelt, der groß

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