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Der Israelit · 1900-09-20 · Heft 76-77 (20.9.1900) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 76-77 (20.9.1900)
Date
1900-09-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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41. Jahrgang. M?<> & 77. Gentrat-Hrgan für das orlhodoXe Zudenthum. Begründet von Vr. Wrhnr^nn in Mrrirrz. Donnerstag, den 20. September 5660 (1900). Des heil. n'^Kestes wegen erscheint unsere nächste Nummer s. G. w., Donnerstag, 27. Sept. BllISSB5"^ Da mit dem 1. October 1900 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1900 eingetragen unter Nr. 3863. Neu eintretende Abonnenten (Poftabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten das Blatt bis Ende dieses Monats gratis. Leitender Artikel. £co Leser y'O* Mainz, 23. Elul. Die Sonne erstrahlt in herrlicher Pracht, die weiten Lande noch einmal in einen bunten Garten verwandelnd. Aber schon lasten die fallenden Blätter und die kühlen Nächte den herannahenden Herbst und Winter ahnen, und Blumen, die vor Kurzem noch in duftiger Blüthe das Herz Aller entzückten, beginnen zu welken und schwinden dahin. Auch dem Garten der großen jüdischen Gemeinde sind in den Tagen des scheidenden Jahres duftige Blüthen entnommen worden. An anderer Stelle berichten wir über die schmerzlichen Verluste, die die Gemeinden Hamburg und Preßburg erlitten, in diesen Zeilen wollen wir uns mit dem Manne befasten, dessen Hinscheiden wir in der jüngsten Nummer kurz meldeten. Herr Leo Leser wurde in den ersten Februartagen des Jahres 1818 hier geboren. Es war dies eine Zeit, in der die Thorah in Mainz noch durch hervorragende Männer vertreten war. Rabbi Herz Scheuer leitete die damals hier blühende Jeschibah, unter deren bedeutenden Schülern wir nur Rabbi Mendel Karge, Rabbi Mosche Merzig, Rabbi Mosche Reis und Rabbi Samuel Bondi nennen. Als Leo Leser fünf Jahre alt war, starb Rabbi Herz Scheuer, aber seine Jeschibah blühte noch einige Zeit unter Leitung des hochgelehrten Rabbi Awrohom Hagen fort, der auch der Lehrer Lesers wurde. Hier zeigte der Heimgegangene bereits, welch' hervorragenden Geist und welche Fähigkeiten er besaß, er gehörte zu den besten Schülern der Jeschibah. Als er dreizehn Jahre alt war und in ein Geschäft eintreten sollte, herrschte allgemeines Bedauern darüber, daß er sich nicht zum Rabbiner ausbilden wollte, aber die Eltern bestanden darauf daß er sich dem kaufmännischen Berufe widme. „Wir wollen, daß unser Leo ein „schöner Lamden," aber kein Rav werde," und dabei blieb es. Um zu zeigen, wie sehr man sein Lamdonus schätzte, lud ihn die Chevrah kadischah zu ihrem am Rüsttage zum Rosch Ebodesch Schwat alljährlich stattfindenden Festessen, damit er daselbst einen populistischen Vortrag halte. Es war dies eine Ehre, die man nur den auserlesensten Schillern zu Theil werden ließ. Gegen dreißig Jahre betrieb Leo Leser sein Geschäft, aber obgleich er einen Laden führte, in dem seine persönliche Anwesenheit dauernd erforderlich war, ließ er doch keinen Tag verstreichen, an dem er nicht einige Stunden lernte. Frühzeitig gegen Abend wurde der Laden geschlossen, dann begab er sich zu seinem Freunde Rabbi Samuel Bondi, um erst spät in der Nacht wieder nach Hause zurückzukehren. Einmal wollten ihn seine Frau und sein Sohn durchaus von seinem regelmäßigen Abendgange zurückhalten, denn die Straßen waren in Folge Glatteises spiegelblank und der Weg zu Rabbi Bondi nicht kurz; er gab aber nicht nach, zog über die Stiefel nochmals Strümpfe und begab sich so gegen das Eis geschützt, zu seinen Genossen. HtHMINI

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