Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 75 (17.9.1900)
- Date
- 1900-09-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1554 eignen, ohne des Diebstahls sich schuldig zu machen. Sprechstunden hatte er nicht nur am Tage, sondern auch in der Nacht fanden ihn seine Schüler jederzeit zur Mittheilung bereit. Nur an nstr 'b'b gönnte er sich Erholungsstunden. In seiner namenlosen Bescheidenheit wies er jede Ehrung zurück, niemals nahm er ein Amt an, nicht einmal Rabbi durften ihn seine Schüler nennen. Von Niemandem svrach er geringschätzig, duldete dies auch von seinen Schülern nicht, in Meinungsverschiedenheiten wurde er nicht heftig —- wie dies damals Sitte war. Er besiegte seine Gegner durch die Ruhe, mit welcher er seine Ansicht vertrat. Auf seiner Reise durch Prag Ivurde ihm große Ehre zu Theil. Dort fehlte es selbst nicht an bedeutenden Männern und dennoch veranlasse ihn der damalige Rabbiner Jescheskel Landau, Verfasser des rn*rrs jmj, einen Vortrag zu halten. Man staunte ob der Fülle von Wissen und Gelehrsamkeit, tvelche man in dem kaum 40jährigen (n: "? vereinigt fand. Von seinem eminenten Gedächtnis), mit welchem er upffiBi beherrschte, möge folgendes Beispiel zeugen: Rabbi Bär Adler trug ihm als Knabe allwöchentlich eine ums, die er in der Woche gelernt hatte, vor. fr:; '*! hörte mit geschlossenen Augen zu. Da dachte er bei sich, ich tvill ihn doch einmal prüfen, ob er unterdessen schläft. Der Knabe ließ dem Gedanken auch sofort die That folgen und ließ aus einer Erklärung der mesm die beiden Wörtchen "'2: m., weg. Sofort öffnete er die Augen und sagte: „Du hast "'-2'x,, übersprungen." Wir können die Schilderung dieser wenigen Züge aus dem Leben eines so großen Mannes nicht schließen, ohne dessen zu gedenken, dem wir diese Erinnerungen verdanken. Denn in dem nvws, dessen;n: "1 sich bediente, waren viele Randglossen von seiner Hand geschrieben. Doch hat er nur ganz kurze Bezeichnungen dafür getvählt und nur die zur Vergleichung heranzuziehende Stelle angedeutet. Seine eigene Ansicht über die kritischen Stellen hatte er nicht notirt. Da unterzog sich Dr. B. H. Auerbach der schwierigen Aufgabe, diese Räthsel zu lösen und gab die Lösungen unter dem Titel fnj *-! r.Jö‘8 “es (I. Kauffmann 1862) heraus. Der Vorrede zu demselben sind im wesentlichen obige Angaben über fr,: ’i entnommen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 16. Sept. Heute fand unter überaus zahlreicher Betheiligung das Leichenbegängniß des am Freitag verschiedenen Herrn Leo Leser statt. Wir werden in nächster Nummer s. G. w. auf das Leben und Wirken des Dahingeschiedenen, der erster Vorsteher der > Israelitischen Religionsgesellschaft, Gabbai der Chevrah Kadischah und vor allen Dingen ein bedeutender Lamdon gewesen, eingehend zurückkommen. Berlin, 14. Sept. (Bürgermeister Brinkmann und der A n t i s e m i t i s m u s.) Von dem nunmehr bestätigten zweiten Bürgermeister von Berlin entwirft das „Berl. Tagebl." folgende Charakteristik: „Er ist ein guter Redner, besonders auch, wenn er sich für den Gegenstand, über den er spricht, erwärmt. Bekannt und in Aller Gedächtniß dürste es noch sein, mit welcher Wärme und welchem Eifer er sich seinerzeit der Bekämpfung des in Königsberg auftauchenden agitatorischen Antisemitismus widmete. Seine Rede zu jener Zeit erregte bekanntlich die Aufmerksamkeit außerhalb Königsberg und brachte ihm die Todfeindschaft derer von Liebermauu v. Sonnenberg und Konsorten ein." Frankfurt a. M. Wie wir erfahren, hat der „''Verein zur Versicherung gegen Stellenlosigkeit" im neuen Geschäftsjahr bis heute 4«> Gehülfenstellen besetzt, gegen 24 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Gemeldet waren 214 Vakanzen, denen nur 168 Bewerbungen gegenüberstauden. Es fanden also 25 pEt. der Be Werber durch den Verein Stellung. Danach ist rela tiv ein erfreuliches Steigen der Erfolge auf dem schwierigen Gebiet der Stellenvermittlung zu verzeich neu. Diese Erfolge würden indessen, wie ersichtlich, ivesentlich größer sein, wäre der Verein in der Lage, für lebe Vakanz eine Anzahl passender Bewerber vorznschlagen. In dem „Mangel an Bewerbern" liegt die Hauptschwierigkeit, mit der die Stellenvermittlung fvrtdauernd zu kämpfen hat, und es sollte daher kein Stellesuchender die geringe Mühe scheuen, vom Bureau des Vereins (Schützenstraße 14, Zimmer Nr. 8) die erforderlichen Formulare zu verlangen und nach der beigefügten Instruktion auszufüllen. Die Benutzung der Stellenvermittlung sieht jedem offen, der sich als Mitglied anmeldet. Der Beitrag (siehe Statut) wird für Stellenlose bis zur Erlangung einer Stelle gestundet. Kattvwisi, 0. Sept. Die feierliche Einweihung unserer neuerbauten Synagoge, deren Prachtbau eine Zierde unserer Stadt bildet, fand vergangenen Mitt- >ooch statt. In der alten Synagoge war ein Abschiedsgottesdienit veranstaltei worden, der Festzug bewegte sich von dort zur neuen Synagoge, in der sodann ein Weih- und Festgottesdienst folgte. Ein Festessen im Saale des Stadthauses beschloß die Feierlichkeiten. Dreizehn fremde Rabbinen verherrlichten das Fest durch ihre Gegenwart. Nicht weit von der neuen Synagoge befindet sich der im gleichen Style errichtete Neubau der isr. Verwaltung, der auch gleichzeitig Räume für Geflügelschlächterei, Wurstfabrikation und Mazzothbäckerei enthält. Das Gotteshaus ist in rein byzantinischem Style erbaut. Zur rechten Zeit ist als freudig begrüßte Festschrift die „Geschichte der Synagogen-Gmeinde Kattowitz