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Der Israelit · 1900-09-17 · Heft 75 (17.9.1900) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 75 (17.9.1900)
Date
1900-09-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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n?; WR'jM ' - 'V •.-/'HA-' 4t* Jahrgang. Erste Anlage zu M 75 des „Israelit". Leitend«» Artikel. Ncrbbl Nathan Adler b"2?. (Zu seinem 100, Todestag.) fp"2^ D-pn Abx V2) Von M. Schweizer in Glogau. In jüdischen Kreisen war es niemals Sitte, besondere Jubiläumsfeierlichkeiten zu veranstalten. Die Großen Israels verlangten keine besondere Anerkennung ihrer Leistungen. Das höchste Maß der Bescheidenheit gehörte meist mit zu ihrer Größe. Von Geburtstagsfeiern, Amtsjubiläen u. dgl. wußte man nichts. Unzählige Gemeinden haben gar kein Geburtsregister geführt. Sorgfältiger dagegen waren sie mit der Auszeichnung der Sterbetage. Sie dachten rmn vn 2'v nbr, cro besser der Todestag, als der Geburtstag. Erst nach dem Tode zeigt sich der Werth des Menschen. Die Grabsteine übernahmen die standesamtlichen Funktionen. Jährlich zweilmal, am rcv vor 2x2 *e und vor rnvi2t? wurde die ganze Reihe der fremden und heimischen ctrcm ,onicn aus dem Memorbuch vorgelesen. Ihre Namen lvaren nicht leere Klänge. Die einen glänzten durch Gotteslehre und Gottesfurcht, die andern durch wohlthätige Stiftungen und Einrichtungen, die meisten aber dadurch, daß sie den Märtyrertod für die Heiligung des Gottesgesetzes erlitten. Unsere Zeit bringt solche Männer, wie ehedem, nicht hervor. Wenn auch die Thora in vielen Kreisen sich der höchsten Werthschätzung noch erfreut, so hält sich doch das „Lernen" in ganz bescheidenen Grenzen. Der Pilpul und das Charifus der Alten findet heute nur in ganz entlegenen Kreisen Pflege. Und doch lag gerade in der populistischen Lehrweise ein so hoher Werth, daß der Talmud sagen konnte Aci"c2 xmno n"2p” waß Gott selbst an der allseitigen Prüfung seiner Thora Gefallen fände. Ein Mann, der heute vor hundert Jahren zu Grabe getragen wurde, der als Heros dieser Richtung galt, war Rabbi Nathan Adler. Er war am 10. Tebeth 5302 zu Frankfurt a. M. geboren und entstammte einer Familie, in der min und rfa-r: erblich waren und die ihren Stammbaum bis auf wcb> vipi" zurückführen konnte. Schon iin zartesten Kindesalter zeigten sich seine großen Geistesfähigkeiten. Er war noch kaum sechs Jahre alt, da las er einst den Abschnitt fcips inrx in der Synagoge mit lauter Stimme. Sein Nachbar verwies ihm Gas und sagte: „Wenn du verstehst, was du lernst, so sage mir doch, worin besteht der Unterschied zwischen dem 2rv ib und den D'Bitwn d^b besteht." Sofort erwiederte der Knabe: „In cncn p2 liegt der Unterschied." In der ersten Mischnah dieses Abschnittes ist nämlich unter anderen Bestimmungen für die Opferung des 271"' “ic auch die genannt, daß sein Blut zwischen die Traghebel der Lade gesprengt werden muß, während dies bei den v'iv nicht geschieht. Es mag für einen gereiften Mann nicht schwer sein, diesen Unterschied herauszufinden. Wenn ein sechsjähriges Kind mit solchem Verständniß diesen schwierigen Abschnitt liest, dann durfte man eine seltene Begabung voraussetzen. Immer größer wurde sein Wissensdurst. Er durchwachte die Nächte und kam dadurch häufig erst zum Schluß des Morgengottesdienstes. Asulai, der damals sich in Frankfurt aufhielt und auf den Jüngling aufmerksam wurde, fiel es ebenfalls auf, daß er erst zum Schluß in die Synagoge kam. Witzig bemerkte er •von '.rby “aiysin emp v'pbx trx '2 -ny-p x: n:n Siehe, ich weiß wohl, daß er ein göttlicher, heiliger Mann ist, beständig bei uns vorübergehend. Da i:'vy auch das Schlußgebet ist, so wollte Usulai damit andeuten, daß pu auch stets erst zum Schluß des Gottesdienstes käme. Seine ersten Lehrer waren Moscheh Rapp und Tebele Schiff. Im Alter von 20 Jahren galt er weit und breit als einer der größten Talmudisten. Aus allen Gegenden kamen Lernbegierige herbei, und Männer wie Abraham Bing, Moscheh Sofer und Abraham Auerbach lvaren des Meisters würdige Schüler. Groß war die Verehrung für fn: '1 aber auch an heftigen Gegnern fehlte es ihm nicht. Man sah es ungern, daß er in seiner Synagoge für Frankfurt fremde Minhagim einführte und manchen seiner Schüler, die kabbalistische Studien trieben, dies nicht verwehrte. Die Kämpfe müssen in jener Zeit recht heftig gewesen sein, denn sie veranlaßten ihn, das Rabbinat in Boskowitz (Mähren), das man ihm antrug, zu übernehmen. Aber auch dort hielt pi: "1, nicht lange aus. Er soll in Entscheidungen über eine zu strenge Anschauung vertreten haben, man nannte ihn dort bx“>L" de» nb22 (verschwenderisch mit dem Vermögen anderer umgehend). Nach zwei Jahren kehrte er wieder nach Frankfurt zurück. Seine ebemaligen Gegner wurden seine intimsten Freunde und konnten es sich nicht verzeihen, ihn zum Wegzug veranlaßt zu haben. Auf die Zeit seiner ferneren Thätigkeit war das Wort anwendbar “p2 m imrxic wrx. Seine Wirksamkeit war am Ende gesegneter als am Anfang. Seine Freigebigkeit hatte keine Grenzen, bedürfnißlos war er für sich. Keine Thüre wurde in seinem Hause verschlossen, seine Habe erklärte er für ipBn d. h. jeder konnte sich Gegenstände an-

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