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Der Israelit · 1900-09-17 · Heft 75 (17.9.1900) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 75 (17.9.1900)
Date
1900-09-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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D.-S.", verfaßt van Rabbiner Dr. Jacob Cohn, erschienen. Die Geschichte der Gemeinde reicht nur wenige Jahrzehnte znriick und beginnt eigentlich erst mit der selbstständigen Konstitnirung der Gemeinde im Januar 1866, wenn auch schon lange vorher rühmeuswerthe DvserioilligKit und Thatkraft religiöse Institutionen hierselbsi geschaffen hatte. Das Aufblühen und Wachsen der Gemeinde aus kleinsten Anfängen in kurzer Zeit ist geeignet, auch in tveiteren Kreisen Interesse zu erwecken. Die Geschichte der Synagogen-Gemeinde ist in gewissem Sinne ein Spiegelbild der Geschichte der Stadt Kattowitz. Mit der schnellen Entwickelung vom kleinen Dort zum großen Fabrikorte hielt die Vergrößerung der jüdischen Gemeinde gleichen Schritt-, ebenso!vie ein zeitweiser Stillstand, hervorgerufen durch gewerbliche Verhältnisse, sich auch hier bemerkbar machte. Kattowitz zählte 1840: 12, 1855: 105, 1867: 624, 1870: 812, 1895: 1600 und 1899: 2126 jiidische Seelen! Zinn Sdnagagen-Vezirk gehören noch die kleinen Ortschaften: Kattowitzer Halde, Brynow Zalenze, Hohenlohehütte, J'chessdorf, Bedersdorf, Jgnatzdorf, Domb, Bognlschütz und Zalvodzie. Der Kattowitzer Gemeinde-Etat beträgt für das Jahr 1900—1901: 67,544 Alk., im Jahre ]gg;-} belief er sich nur auf 21,102 Mk.. 1867: auf 1944 Thaler. Der Zusammenschluß Edelgesinnter zur gemeinsamen Hebung werkthätiger Nächstenliebe hat auch in unserer Gemeinde schöne Erfolge gezeitigt. In den jüdischen Vereinen tvaltet das jüdische Herz und findet der Trieb zum Wohlthun stets neue Nahrung. Segensreich wirken der israelitische Frauenverein, der Armenverein, der Krankenpflege- und Beerdigungsverein, der Verein der Jugendfreunde, der Verein zur Förderung jüdischen Wissens, der Unterstütznngsverem, der israelitische Jungfrauenverein. Das jetzige alte Gotteshaus wurde in den Jahren 1^61—62 für 200 Männernnd 120 Frauensitze gebaut und 1883 erweitert. Die nene Synagoge enthält 670 Männer- und 514 Frauensitze. Im Verlage von Lachs, Scholz und Herlitz sind drei sehr schöne Ansichtskarten erschienen, eine davon zeigt die Abbildung der beiden früheren Synagogen, eine andere auch das neue Verwaltungsgebäude. Die kostbaren in Gold gestickten Paramente, sowie die Tempelvorhänge, Decken, Trauhimmel und Mäntelchen sind in künstlichster Ausführung aus dem Atelier der Geschwister Bleichrode, Berlin, Pnnzenstr. 32, hervorgegangen. Möge die Gemeinde Kattorvitz, die noch streng aus altjüdischem Boden steht, ihr neues prächtiges Gotteshaus in Friede, Freude und Glück besitzen. Auet Tndderrtschland, 12. Sept. Mit dem Beginn dieses Monats verließ Lehrer L e v i von Hechingen seine Stelle, die er seit 25 Jahren innehatte; aus Gesundheitsrücksichten mußte er um seine Pensionirung nachsuchen. Die israelitische Gemeinde widmete dem beliebten Lehrer, der auch als Vorbeter, Sekretär und Rendant funktionirte. eine schöne Jubiläums- und Abschiedsfeier und überreichte ihm als Angebinde einen kostbaren Tafelaufsatz. Bon Sr. Mas. dem Kaiser erhielt der Gefeierte den Hohenzollern'schen Hausorden. Zum Nachfolger Levi's wurde Lehrer Wolf, bisher in Wiesbaden, gewählt. Qe st er r. - Ungar. Monarchie. Baden bei Wien. Bekanntlich besitzt der hiesige Weltkurort, die von Jahr zu Jahr an Berühmtheit zunehmende Thermenstadt, nebst einer erklecklichen Anzahl einfach und luxuriös ausgestatteter Badeanstalten und Sanatorien auch eine reichliche Auswahl von Bergnügungs- und Erholungsorten, eine ganze Serie zierlicher, wohlgepflegter Park- und Gartenanlagen und eleganter, mit allem Comfort eingerichteter Etablissement, woselbst den Kurgästen Gelegenheit geboten ist, nach den Mühen und Strapazen der jeweilig absolvirten Badeproceduren Rast und Erholung zu finden und die von Schwefel und sonstigen Mineralien geschwängerte Athmosphäre der Kurhäuser mit der würzigen, wohlduftenden Luft der freien Gottesnatur vertauschen zu können. Erfahrungsgemäß aber kann nicht jeder Kurgast von den genannten Kurbehelfen Gebrauch machen, und nicht jeder Erholungsbedürftige findet an dem geräuschvollen Leben, das sich zu gewissen Tageszeiten in den Straßen und städtischen Parkanlagen kundgibt. Gefallen, geschweige denn, daß er sich für dasselbe interessiren und begeistern nnd darin eine Erholung erblicken kann. Er ist demnach angewiesen, seine freie Zeit und seine Mußestunden mit Zerstreuungen nach seiner Art und Weise auszufüllen. Und so erging es, wie so manchem unserer zur Kur hier weilenden Glaubensgenossen, auch mir während meines sechswöchentlichen hiesigen Aufenthaltes. Durch langjährige schmerzhafte Krankheit an die Härte und Strenge des Lebens gewöhnt, ziehe ich noch heute, trotz theilweise eingetretener Besserung, jede ernste, Geist und Gemüth erhebende Beschäftigung belustigenden, nur auf physische Genüsse berechneten Zerstreuungen vor, und von der Ansicht ausgehend, daß man auch an gottgeweihten Stätten und in den der Gotteserkenntniß gewidmeten Räumen angenehm geistige Unterhaltung finden könne, nahm ich während meines Hierseins, so oft es mein Gesundheitszustand zuließ, an den Vorträgen und Diseussionen theil, die in den beiden hiesigen öffentlichen Lehrhäusern regelmäßig stattfinden. Und da machte ich die merkwürdige Wahrnehmung, oaß sich von den letzteren namentlich das in der Wassergasse befindliche, als Herzliche Stiftung gegründete und von dem vielfach gelehrten, streng gottesfürchtigen, allseits hochgeachteten und vielverehrten Rabbi Wolf Kohn geleitete Beth-Hamidrasch eines besonders lebhaften Zuspruchs seitens thorakundiger wissensdurstiger Frequentanten sich erfreut. Dasselbe documentirt sich vorwiegend während der Sommersaison als ein förmliches Beth waad lachachomim,

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