Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 75 (17.9.1900)
- Date
- 1900-09-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1549 locfitcr d"rch citt Fenster gesprochen, und diese bat die Ntutter unter Thronen, sie aus dein Kloster zu befreien, allein all" Anstrengungen der unglücklichen Frau, sich Zutritt zu ihrem .Kinde zu verschaffen, blieben erfolglos. Am 'st Juli d. 7st tvurde die fünfzehnjährige De^ borah Caltler, Tochter der Wittwe Sarah Sattle'- in «KoSprzedowa bei L.ivuicc Milromana von der Pfarrcrm iöchin Bojarst überrede!, aus der elterlichen Wohnung in das Pu'acrhaus zu flüchten. Sie übernachtete dort, mürbe aii' folgenden Tage, als Knabe verkleidet, von aern Kehrer de? Dörfernnttelst Fiakers nach Slotwine und von da '.nittelst Bahn nach Krakail in's Kloster der Felii ianerinnen gebracht. Din kleines Mädchen aus demselben Dorfe wird in dein Kloster zu leichteren Dienstleistungen verivendet. Dieses brachte der trostlosen Mutter die Botschaft, das-, Deborah Sattler unaufhörlich iammerc unb weine und sie dringend bitte, nach Krakau zu kowwen unb sie zu befreien. Als die Tvcfit'ioncrinnen stch anfangs iveigerteu, das Mädchen sreizugebev, wendete sieb Sarah Sattler an den Ma gistrat, der jedoch die erbetene Assistenz versagte. Nun begann die Mutter vor dein Kloster derart zu lärmen, dast die Nonnen, einen unliebsamen Auflauf fürchtend, »ach einigen Stunden das Thor öffneten und das Mädchen frei kiesten. Zwei Mädchen ans Nussifch Polen, die achtzehnjährige Leah Altmann und die Franja Lederwann, sind am 94. Juli aii? deiii K.loster der Felieianerinnen entloinmen. Dieselben erzählen, daß während ihrer Anwesenheit noch acht jüdische Mädchen im Kloster sestgebalten ivnrdcn, die schwere Arbeit verrichten mustten. rstllivöcheiittich hält der Beichtvater deS Klosters, Pater Golba, mit den Mädchen eine Religionsübung ab, wobei derselbe nüederholt erklärte, die Juden seien schlecht i>nd hätten leinen Glauben und leinen Gott. Die Nonnen versuchten die Mädchen ihren Angehörigen da. durch zu entfremden. das: sie ihnen sagten, sie voürden mm den bitern um gebracht werden, wenn sie nach Hause zurücklehrteu." Blau sieht, die gewaltsame Proseltsteumacherei uiunot munter ihren Fortgang. E n a l a n d. London.!.K 0 st s p i e l i g e Bel e b r u n g.) Der türzlieb erschienene Jahresbericht der Londoner Mistionsgesellschast lveist eine Ausgabe von .‘!,44'>,nf,n u.b'arl auf. Das dainit erzielte Resultat war kläglich. I» Kanton, vvo die Mission seit 94 Jahren thättg ist, bestehen sechs Missionsanstalten init fünf Missionären. Die Zahl der Belehrten beträgt LD4 Personen. Es tverden dernnach von sämmtlichen sechs Anstalten jährlich L-h'. Chinesen belehrt. In Indien gibt die Gesellschaft alljährlich r>TbHv> Psd. aus mit betu Resilltat, daß jede Station alle .">D Jahr einen Heiden bekehrt. In Matabeleland haben sechs Missionäre 51 Kafsern geläppert und in Central-Asrika haben nenn Mistionäre 49 schloarze Seelen vor dem ewigen Fegewv.cr gerettet. Die von den Missionären in China, Indien und Afrika anaetveudete Methode ist genau dieselbe, die sie zur Belehrung der Juden von Cast-London anwenden. Das Rerept lautet überall: „Durch den Leib zur Seele." Groste irdische Bortheile werden all denen geboten, welche das himmlische Mana der Missionäre nicht verschmähen. Die kläglichen Resultate haben schon längst alle Welt von der völligen Werthlosigkeit des gestammten Missionstvescns für das Christenthum überzeugt. Kstime es den Geldgebern der Mistionäre nur auf die Ausbreitung des Christenthnnls unter den Heiden an. sie tvürden schon längst der Missionsgesellschaft den Brodlorb höher hängen und sie durch Entziehung aller Geldunterstützuug zur Einstellung ihres nutzlosen Treibens zwingen. Allein es liegt diesen reichen Herren an der Ausbreitung des Ehristenthums eben sehr wenig. Sie verfolgen mit der Mission rein politische Zwecke, bei deren Erreichung sie sich deS Christenthums als Vortvand und der Mistionäre als politische Agenten bedienen. Ihre Parole lautet nach einem von Lord Salrsburp kürzlich in der Exeter Wall citirten Ausspruch eines Ehiuefen: Erst kommt der Mistionar, dann der Eonsul, dann der General. Dieser Spruch, der die sonst unsinnige Tbätigkeit der Mistionäre in China allenfalls noch erklären tvürde, rechtfertigt aber nicht den betriebenen Seelenfang unter den Juden. Mit unsäglichen Dp fern an Geld und Mühe alljährlich >/.Dutzend Juden zu belehren und desttvegen das gesammte Judentbuu! zu tränten, ist weder zweckmäßig, noch christlich. T. London. (Die Inden in P a n a m a.) plus Colon, Nepublik Columbia, tvird der „Jewifh Ehronikle" geschrieben, daß die Nachricht, laut welcher während der jüngsten politischen Wirren in Centralbiuerita. zwölf Juden verhaftet und zivei von diesen hingerichtet mürben, völlig aus der Luft gegriffen fei. Die in Panama wie in Colon ansässigen Juden stammen grös'.teniheils aus Euracao (Holland. Columbien), aus dem dänischen St. Thomas, sowie aus Jamaica. Einige sind auch aus Europa, oder aus den Bereinigten Staaten in Panama eingewandert. Es geht ihnen in ihrem neuen Wohnort gut, da sie daselbst groste Geschärtsbäuse'- besitzen und von Niemand verfolgt werden. Trotz ihrer erheblichen Anzahl und ihrer Wohlhabenheit, haben sich die Juden von Panama bis dato noch nicht zu einer Gemeinde vrganisirt und besitzen weder einen Rabbiner, noch eine Synagoge. T. Rußland. Kiew, im SepEinber. (I üdis ch e Schule r.) Ter „Wesctwd" klagt, dast auch iu diesem Lehrjahre die Mehrzahl der jüdischen Schüler aus ihre Fortbildung in den Mittelschulen, Polytechniken und Universi-