Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-09-17 · Heft 75 (17.9.1900) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 75 (17.9.1900)
Date
1900-09-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449120--51576-2502092
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1548 achter, altmodischer mim nyn'i -ne^> unerläßlich ist. Erst U'irr U2VN, dann und erst dann nc^tr raierc uirnm. Dieses Bewußtsein ist uns vielfach abhanden gekommen. Aber der Ernst der Zeit, wie ihn die Ereignisse des scheidenden Jahres so eindringlich predigen, ist in hohem Grade geeignet, dieses Bewußtsein wieder zu wecken. Erreichen die schweren Schicksalsschläge dieses Ziel, führen sie uns zur Besinnung auf uns selbst, so ist diese Errungenschaft mit allem Trüben und Herben nicht zu theuer erkauft, an welchem das scheidende Jahr so reich war. Dann können wir zuversichtlichen, heiteren Sinnes der verhüllten Zukunft entgegen gehen, dann mögen wir von Gottes Gnade erhoffen, daß mit dem alten Jahre auch alles Weh und Leid scheide, unter dem sein Volk leidet und daß das neue Jahr die Hoffnungen erfülle, die das scheidende noch unverwirklicht gelassen hat: 71'2 V B’ £ JT'Ssn f‘p IWTI njjpn X7>?V rotr ,irni!2i 'vH 21V ryinxi iHvtHi 1^"HH 7171 .;cs — “Sin: 7ijb> pan Zeitungsnachrichten und Corrcspondenz n. Deutschland. Berlin, 14. Sept. Dem Prügelprofessor, der in den „Deutsch-Sozialen Blättern" es keinem deutschen Manne verargen würde, wenn er Juden und Judenfchützer, Polen, Dänen und Protestler mit der Reitpeitsche traktirte, gibt die „Köln. Bolksztg." folgenden behcrzigenswerthen Rath: „Für einen modernen „Uebermenschen" mag es ein gewisser Genuß sein, politische Gegner zu prügeln, aber die Sache hat ihre zwei Seiten, denn man kann doch auch einen „Tropf" stoßen, von dem man, anstatt ihm eine Trackst Prügel zu verabreichen, selbst windelweich gehauen wird, und das ist doch auch für einen Urtentonen einigermaßen unerfreulich. Die „Deutsch-Soz. Blätter" sollten daher ihre neue politische Moral folgendermaßen modifiziren: „Prügle nur kleine und schwächliche politische Gegner'." Aus der Aussicht, in diesem Falle sich dann auf einige Wochen aus der Welt zurückziehen zu müssen, darf man sich allerdings nichts inachen." Glciwitz, 14. Sept. Zu der hier vom 8.—12. d. währenden „Großen Allgemeinen Gartenbau- Ausstellung" hatte auch das israelitische Waisenhaus zu Rybnik durch ein Gemüsesortiment, einen Gartenplan und eine dort neu gezüchtete, höchst fruchtbare Frühkartoffel beigesteuert. Der hier erscheinende „Oberschles. Wanderer" hebt lobend die Waisenhausausstellung hervor, die von dem immensen, auf den Gartenbau verwandten Fleiß beredtes Zeugniß ablege und erwähnt die schönen Erfolge gerade in Berücksichtigung der Bodenverhältnisse, die nicht günstig seien. Das Preisrichterkollegium hat die Ausstellung der Anstalt mit der bronzenen Medaille prämiirt. (foblcnz, 14. Sept. In einem geistvollen Essay „In der Brandung" läßt sich Bertha von Suttner, der bekannte weibliche Friedensapostel, über den Status der Bestrebungen der Friedensliga zu den chinesischen Wirren aus. Muß schon jeder gläubige Jude den Bestrebungen dieser Gesellschaft sympathisch gegenüberstehen, jeder Jude, der die beiden Devisen unserer Religion: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst — Ihr sollt ein heiliges Volk sein, ein Reich von Priestern, d. i. Trägern der Rechtlichkeit und Sittlichkeit — der diesen beiden Sentenzen sich in's Herz geschrieben, — um wieviel mehr noch bei Leuten, die ein offenes, wenn auch herbes Wort über den gegenwärtigen Zustand offen zu äußern den Muth besitzen. So schreibt die Agitatorin mit Recht, nachdem sie die Entstehungsursachen der chinesischen Wirren beleuchtet: Und nun kamen die Nachrichten von dem Boxeraufstande, von Mastacres an den Missionären u. s. w. Auch das ist eine Frucht der von Europa in den letzten Jahren ausgestreuten Saat. Abgesehen davon, daß „Fremdenhaß" eine Barbarei darstellt, über die u n s zu entrüsten wir nicht das R e ch t haben, so lange bei uns Judenverfolgungen und Ausländervcrtreibungen Vorkommen, ist ja von Seiten der Europäer Alles geschehen, was in China berechtigten Fremdenhaß zu ivecken geeignet war: Aufdrängu n g von Dogmen und Maaren, geringschätzende Behandlung, Aneignung von Gebieten und offen verkündete, von Flottenbau begleitete Pläne zur „Austheilung" Chinas. Daneben aber — immer in Bestätigung der Profitgier und des Militarismus, dein ein blinder Expansivdrang innewohnt — wurde das friedfertige, uninilitärUche Reich mit Flinten und Kanonen aus unseren Fabriken und mit Instruktoren auS unseren Kasernen versehen. Was sagt hierzu wohl das Berliner Schmutzblatt, das mit so großem Behagen jede neue Schandthat der wohllöblichen rumänischen Regierung schmunzelnd registrirt?! . ‘ ' H. N. O e st e r r. - U u g a r. M 0 n a r ch i e. "WKen, 12. Sept. Unter dem Titel „Mädchenraub in Galizien" veröffentlicht das „W. Tagbl." die folgen den ihm von der „Dest.-Jsr. Union" zugegangenen Mittheilungen: „Am 27. Juni d. I. verschwand die siebzehnjährige Szalta Sovel aus ihrem CUernhause in Podgorze bei Krakau, während die Eltern Baruch und Beile Sobel abwesend waren. Nach einigen Tagen gelang es der Mutter, den Aufenthaltsort des Mädchens zu erforschen — es befand sich im Kloster der Felieianerinnen. Beile Sobel hat seither wiederholt mit ihrer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.