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Der Israelit · 1900-09-17 · Heft 75 (17.9.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 75 (17.9.1900)
Date
1900-09-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1547 haben, aber ihr eigentlicher, wesentlicher Theil ist corrupt, gefälscht und entspricht in keiner Weise den Anforderungen des Religionsgesetzes. Würde man für diese heiligen Gegenstände dieselbe Rücksicht und Umsicht an den Tag legen, die wir bei Geld und Gut bewähren, so wäre dies die sicherste Bürgschaft, daß dieser Jammer nicht weiter bestehen kann. Wenn Jemand kein Geld hat, so ist er arm, wenn er aber falsches Geld hat und es für achtes ausgibt, so ist er ärmer als arm, denn er ist dem Strafrichter und dem Zuchthaus verfallen. Wenn ein Jude Mizwos Zizis, Mizwos Tefillin und Mizwos Mesusos nicht erfüllt, so handelt er gewiß schlecht, wenn er aber Zizis, Tefillin und Mesuse verwendet, die gefälscht sind, die also in Wirklichkeit so wenig Zizis, Tefillin und Mesuso sind, wie eine falsche Hundert-Mark-Note den Werth von Hundert Mark repräsentirt, so handelt er noch schlechter, als wenn er diese Mizwoh gar nicht erfüllt. Eine gutgefälschte Hundert-Mark-Note können Betrüger und Betrogene vielleicht eine Zeit lang als ächte coursiren lasten, aber vor Gottes unbestechlichem Richterblick hält die Täuschung, welche mit gefälschten Mizwos geübt wird, auch nicht einen Augenblick vor. Brechen wir jedoch von diesem Gegenstand ab, so unsäglich viel auch noch darüber zu sagen wäre, verlassen wir das Haus Gottes, um unser eigenes Haus aufzusuchen, wo die Beter der Frühstückstisch erwartet. Entspricht die Milch, die Butter, der Käse, den Vorschriften, welche das Religionsgesetz an sie stellt? Auch wer sich von diesem Gesetz ganz emanzipirt hat, weiß, welche Fälschungen, Panschungen und Mißbräuche mit der Milch vorgenommen werden, weiß, ein wie hervorragender Träger von Pilzen, Bakterien und Krankheitskeimen aller Art gerade dieses Nahrungsmittel ist, weiß, wie den damit verbundenen Gefahren in so vorzüglicher Weise durch die Observanz alles dessen vorgebeugt wird, was das jüdische Religionsgesetz für den Genuß von Milch vorschreibt, und wie wenig wird dasselbe beachtet! Jedermann weiß, daß heute mehr künstliche als natürliche Butter erzeugt wird, daß man thierische Fette und Talgarten, und nicht immer die appetitlichsten, chemisch verarbeitet und sie mit der Butter derart mischt, daß sie nicht einmal der geübteste Chemiker von eigentlicher Butter unterscheiden kann, und es gibt trotzdem eine ganze Legion solcher, welche glauben, daß die gewissenhafte Vorsicht beim Genuß von Butter eine orthodoxe, ja eine hyperorthodoxe Spezialität sei. Es kann angesichts dieser Calamität nicht oft und nicht entschieden genug betont werden, daß heutzutage der Haushalt trepha ist, in dem ohne Aussicht hergestellte Butter verwendet wird! Begleiten wir nun nach absolvirtem Frühstück den Kaufmann in sein Büreau, auf die Reise, in den Verkehr mit der Welt, in welcher er die Mittel für seinen und der Seinen Unterhalt sucht. Welche Versuchungen und! Verlockungen warten da des redlichen Mannes, der es noch ernst nimmt mit dem Worte seines Gottes, daß jeder, der die Lüge redet, keinen Bestand hat vor seinen Augen! Es ist eine snpntn scby, eine Welt des Lugs und Trugs, in die er sich stürzt, die schlechte Waare als gute anpreist, die Versprechungen macht, die sie nie zu erfüllen denkt, die den Bruder und Nebenmenschen als Nebenbuhler und Concurrenten unbarmherzig niederstoßen heißt, die auf die Dummheit und Gutmütigkeit der andern speculirt und sich dadurch zu bereichern sucht, und wie die häßlichen Auswüchse unseres Geschäftslebens alle heißen, deren Summe man beschönigend freier Wettbewerb und Kampf um's Dasein nennt! Wer könnte sagen, daß er im Getümmel dieses Kampfes niemals die unbestechliche Gradheit des Blicks, die Lauterkeit des Charakters, die Reinheit der Gesinnung eingebüßt, wer könnte sagen, daß sein Geben und Nehmen, sein srm xtra sein geschäftlicher Verkehr mit Menschen, sich allezeit derart auf der Höhe der göttlichen Anforderung gehalten, daß er, wenn das Jahr nun zu Ende geht, und er die Bilanz zwischen seinem sittlichen Soll und Haben zieht, er nichts zu bereuen, nichts wieder gut zu machen habe, daß sein Thun und Lassen in der Vergangenheit hinlängliche Bürgschaft auf das Recht gewähren, nun in der neuen Jahresspanne weiter in der bisherigen Weise zu leben und zu sterben? Wir brechen mit diesem ersten Schritt ab. Die ungeheure Perspektive, die ein solcher einziger Blick über unser erwerbendes und genießendes Leben eröffnet, zeigt die Unzulänglichkeit und Unmöglichkeit einer auch nur annähernd allseitigen und umfassenden Darstellung dessen, was hier zur Sprache zu bringen ist. Es ist ein Gebiet, so unermeßlich, wie das Leben selbst in allen seinen Aeußerungen und Ausgestaltungen, von welchen hier nur einige wenige und nicht einmal die dringlichsten und wichtigsten gestreift wurden. Aber es sollte sich ja, wie von vornhinein bemerkt wurde, nur um einige Winke, um einen Maßstab handeln, den nun Jeder an sein Thun und Lasten legen möge. Dafür dürfte das Bisherige genügen, und mehr wäre auch von einer umfassenderen Darstellung nicht zu erwarten. Die Erkenntniß des Verfehlten in unserem bisherigen Thun und Lassen, die Reue darüber, der Vorsatz der Aenderung und Besserung und — was die Hauptsache ist — die Ausführung und Verwirklichung dieses Vorsatzes, alles dieses ist ohne Kenntniß unserer Pflichten ausgeschlossen. Es gibt keine nnnwi, keine Rückkehr zu unserer Pflicht, ohne Kenntniß derselben. So gewiß aber der Weg zur über und nur über reitwi führt, so gewiß führt der Weg zur murrs nur über mir, Nicht Alliancen, nicht Assimilation, nicht Emancipation, nicht Zionismus, und wie diese modernen Behelfe alle heißen, werden uns die nbiw bringen, sie werden unS weiter als je von ihr entfernen. Nur die aufrichtige Rückkehr zu unserer Pflicht vermag's, für welche die genaue Kunde derselben, d. h.

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