Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 74 (13.9.1900)
- Date
- 1900-09-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1524 Wenn ich bisher doch noch diese Möglichkeit in Betracht gezogen hatte, jetzt war sie ausgeschieden. Nach den Festtagen wollte ich, wenn es überhaupt noch nöthig sein sollte, mit meinem Anliegen offen vor Herrn Frvmann hintreten. Der Zug näherte sich der Station. „Nun gib her!" mahnte ich Salomon. „Erst wenn Du aussteigst!" Und wirklich, erst als ich auf dem Perron stand, reichte er mir ineine Teiillin heraus. „Ich komme aus der nächsten Station tvieder, belege mir meinen Platz mit meiner Tasche!" rief ich ihm noch zu. Dann wandte ich mich zum Schaffner. (Einige Nickelstücke thaten ihre Wirkling. Zwei Minuten später saß ich ganz hinten im Zuge in einem Koupe dritter Klasse. (Zs waren nur zwei Herren darinnen, die an dem einen Fenster einander gegenüberstanden. Nach Verlauf von einigen Minuten erhob ich mich und verrichtete während der Fahrt mein Morgengebet. Als ich nach Beendigung desselben meine Tefillin zusammengelegt hatte und wieder ruhig auf meinem Platze saß, wandte sich plötzlich der Eine der beiden Herren, ein mittelgroßer älterer Mann mit freundlichoffenen Gesichtszügen zu mir hin und fragte: „Verzeihen Sie! Darf ich mir vielleicht die Frage erlauben, was das für Lederriemen waren, die Sie vorhin anlegten?" Ich erklärte dem lvißbegierigen Frager das Wesen und die Bedeutung der Tefillin, so gut dies eben einem Nichtjuden gegenüber möglich ist. „So, so," fragte er dann, „Sie haben also vorhin gebetet?" „Gewiß!" . „Sehen Sie, das gefällt mir! Das ist schön von Ihnen! Wir sind nun schon bald grau —" er deutete aus den andern Herrn, den er mir als seinen Bruder vorstellte, nachdem er selbst auch seinen Namen genannt hatte — „wir sind nun bald grau, und tvir wissen gar nicht, tvas Beten kreißt! Man lebt so in den blauen Tag hinein — thut seine Pflicht- und Schllldigteit —■ gewiß -- ja! Aber daß tvir auch mal daran dächten, dem lieben Gott zu beut feit für seine große Güte und uns vor sein Angesicht hinzustellen mit unsern Wün scheu, Klagen, Leiden und Hoffnungen-das gibt's überhaupt nicht! Nein, man ist doch wirklich zu schlecht und undankbar! Nun, und Sie, solch' junger Mensch im flottesten Alter, >vo andere die schlimmsten Draufgänger sind und sich den Teufel uni ihr Seelenheil scheeren, Sie lassen sich sogar im Eisenbahnkoupe Ihr (siebet nicht rauben. Sehen Sie, das gefällt mir — alle Hochachtung! Sie denken nun an den lieben Gott — o, ich weiß wohl, das hat sein Gutes! Da ist man vor allen Irrwegen behütet! Da findet man immer den rechten Pfad! Etwas Böses kommt Einem da gar nicht in die 'Nähe! Sie find wirklich zu beneiden, junger Mann, ich glaube, Sie sind eine Seltenheit!" Der 'Alte machte mir Spaß mit seiner freundlichen Redseligkeit, in der er so viel Wahres zu Tage förderte. Der Mann hatte Gemüth, mehr Geinüth als mein eigener Bruder, der keinen Sinn besaß für die erhebende Kraft retigiöser Bethätigung und dem das Gerede der Leute mehr galt, als das strenge Gebot der Pflicht. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags nn<I Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich ober vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an — Dev Vllchhmtdel verkehrt durch V. Zf. Stein ncker, Leipzig, Notzplah j6. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Nectainetheil 75 Pfennig. — Tirecte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3863. Telephon 315. «ine Rücksendung der an die Reduktion eingesandten Manuseripie findet nicht statt, man bittet deShald, stch von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehatten. Stellensuchende erhalten auf Wunsch die Inseraten Beilage vier Wochen lang gratis und franco zngefandi. Ebenso standen wir auf Wunsch die Zahlung des JnfertionSbetrags an außer Stelle Befindliche bis «ach Eklangung einer solchen. tFortsetzung folgt.) Inhalt: (Hauptblatt). Leitender Artikel: ClnlBetrachtungen. Zeitungsnachrichten und Corresvondenzen: Deutschland: Berlin. Epdtkuhnen. Dresden. Bruchsal. Oesterr.Ungar. Monarchie: Wien. Budapest. Prag. Frankreich : Paris. England: London. Rußland: Petersburg. Moskau. Lodz. Persien: Teheran. Feuilleton: Ein Schritt vom Wege. (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Zur Lage der Juden in Jajsy. — Zeitungsnachrichten und Corre spondenzen: Deutschland: Berlin. Posen. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Rußland: Petersburg. — Veimischb'6. Inhalt der zweiten Beilage: Literarische Umschau. — Zeitungsnachrichten n. Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Oefterr.-Ungar. Monarchie: Prag. Rußland: Petersburg. Inhalt der dritten Beilage: Zeitungsnachrichten n. Correspondenzen: Deutschland: Könitz. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Marienbad. Preßburg. Palästina: Jaffa. Persien: Teheran. Extra-Beilage: Sprüche der Väter. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstrabe Rr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. WirthAchen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu vier Beilage«.