Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 73 (10.9.1900)
- Date
- 1900-09-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1510 mußte. Aus dem Rumps floß bei seiner Auffindung noch eine blutige Flüssigkeit. Endlich zeigte die Halsschnittfläche keinerlei vitale Reaktion. Aus allem diesen ergibt sich, daß Verblutung nicht die Todesursache gewesen sein kann, daß der Körper gar nicht blutleer war und der Halsschnitt erst an der Leiche vollzogen ist. Einziger Anhaltspunkt für die Todesursache seien die Petechien (kleine flohstichartige Blutunterlaufungen) an der Lunge, dem Gesicht und anderen Theilen des Körpers und diese lassen auf Erstickung schließen. Was endlich das Vorhandensein von Speiseresten in der Speiseröhre und dem Rachenraum betrisst, so sei dasselbe nicht aus Erbrechen zurückzuführen, sondern mit Wahrscheinlichkeit auf die Manipulationen an der Leiche, wodurch sich die Speisereste aus dem Magen aus rein mechanischem Wege in die Speiseröhre und den Rachen gezogen haben. Rach der Mittagspause dauert die Vernehmung der Sachverständigen fort. Sanitätsrath Müller behauptet, daß nach dem Leichenbefund dennoch Verblutung als Todesursache möglich sei. Dr. Puppe bleibt bei seinem entscheidenden Widerspruch. Gordon fragt, ob der Transport des Kopses in einem Sacke ohne Eis nicht desien baldige Verwesung herbeiführen mußte, während der Kops säst irisch gefunden wurde. Tr. Müller erklärt, diese Frage nicht beantworten zu können, während Dr. Puppe den Standpunkt von Gordon theilt. Der Vertheidiger veranlaßt zwei Thierärzte, sich über den Halssckinktt zu äußern. Der Schlachthaus direktor Wendt findet den Schächtschnitt nicht vor, gibt aber die Möglichkeit zu. daß ein zuerst vorgenommener Schächtschnitt durch die spätere Zerstückelung verdeckt sei. Kreisihierarzt Uhl kann den Schächtschnitt nicht erkennen. Die Vertheidigung beantragt Vertagung, um den Alibizeugen, den früheren Schächter Fuchs, zu vernehmen. Da» Gericht lehnt den Antrag als nicht mehr erforderlich ab. Damit schließt das Beweisverfahren. Staatsanwalt Settegast hält die Anklage aufrecl>t und kombinirt noch einmal die Zeugenaussagen, die gegen Jsraelski sprechen. Er schließt mit bem Anträge auf fünf Jahre Gefängniß. Vertheidiger Gordon plaidirt aus Freisprechung, da man die Thäter nicht entdeckt habe und da außerdem die Sachverständigen über die Todesursache uneinig seien. Es stehe juristisch nicht einmal fest, ob überhaupt ein Mord oder ettva nur ein Unglücksfall vorliege. Deßwegen sei aus juristischen Gründen schon eine Bestrafung von Jsraelski unmöglich. Als wahrscheinliche Todesursache erscheint Gordon der Erstickungstod, der durch eine einzelne Person herbeigeführt sein könne, ivährend die Abschlachtung immer ein Komplott von mehreren Personen voraussetze. Unbarmherzig zerpflückt der Vertheidiger den Zeugenbeweis, den der Staatsanwalt gegen Jsraelski angeführt hat, wobei er gerade Fiedler als Entlastungszeugen in's Treffen führt. Der Kopf muß schon seit dem Morde an der Fundstelle ge- I legen haben; denn welcher Konitzer Bürger könne bei den I eifrigen Nachforschungen der Polizei den .Kops wohl vier Wochen lang auf Eis frisch erhalten haben, wenn diese Manipulation so schwierig sei, daß die Staatsanwaltschaft und Sachverständige den Kopf auf Eis nicht einmal zehn Tage frisch erhalten konnten. Aus allen diesen Gründen müsse Freisprechung erfolgen. Der Vertheidiger ist nur erstaunt, daß die Staatsanwaltschaft die Klage noch aufrecht erhält. Der zweite Vertheidiger, Rechtsanwalt Maschke, ergänzt diese Ausführungen in Einzelheiten. Rach halbstündiger Berathung verkündet der Präsident das Urtheil. Jsraelski wird freigesprochen, sofort aus der Hakt entlassen und die Kosten lverden der Staatskasse auserlegt. Belastend sei nur das Zeugniß Fiedler, doch stehe weder fest, daß Jsraelski nach der Fundstelle gegangen sei, noch was er in dem Sacke gehabt habe. Die Todesursache sei mit Sicherheit nicht sesigestellt. Ein Schächtschnitt liege nicht vor und die anderen Momente seien unerheblich. (Wir entnahmen diesen Bericht der „Flf. Zeit.", da unser von Berlin nach Könitz entsandter Eorrespondent des Sabbat halber seinen Bericht erst gestern ausarbeiten konnte und er in Folge dessen verspätet hier eingetroffen ist. Red. d. „Israelit.") Zeitungsnachrichten und (Lorresponden.^en. Deutschland. Frnntfint a. M., Sept. Die „Franks. Zig." schreibt.- Wn> sich das Eeutruiu mit dem Antisemitis muS abfindet, das Schauspiel hat für den aufmert samen Zuschauer' immer einen eigenen Reiz. Den In stintten der Eentrumstvähler ist der Haß gegen Anders gläubige nicht ganz fremd und die Führer gehören auch nicht alle zum „Ablvehrverein." Die klerikalen Blätter, die jede Urnen mißliebige Stimme alsbald auf den In der der „Judenpresse" setzen, geben fast täglich Beispiele ihres „Mangels an Philosemitismus", und erst dieser Tage wurde inan wieder im Prozeß des Wiener demokratischen Gemeinderaths Brunner sozusagen gerichtlich daran erinnert, daß in München tlerikale Bereinsmitglieder den Antisemiten Vorspann leisten. Auf der anderen Seite möchte das Eentrum doch nicht mit dem An tisemitismus Brüderschaft trinken. Das Gefäß ist nicht ganz sauber. Und man hat doch auch die Erinnerung noch nicht gänzlich verloren, daß die „regierende Partei" ehedem das Weh der Unterdrückten am eigenen Leibe verspüren tonnte. Mit diesen Voraussetzungen muß man die Ertoiderung lesen, mit der die Centrumspresse auf einen, lvie sie meint, „auffälligen" antisemitischen Artikel der Berliner „Post" reagirt. Die Antwort — wir zitiren die „Augsburger Postzeitung" — lautet: „Was (in der „Post") über die zersetzende Tendenz und den gemeinschädlichen Einfluß des jüdischen Geistes auf politischem und wirthschaftlichem Gebiet gesagt