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Der Israelit · 1900-09-10 · Heft 73 (10.9.1900) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 73 (10.9.1900)
Date
1900-09-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1506 die Rede sein sollte, werde ich stets mein Herz um Rath fragen. Wenn jemand, so bin ich es, der die glaubenseifrigen Juden liebt und schätzt." England. London. (Adresse an den Schah von Persien.) Der Vorstand der jüdischen Gemeinde hatte beschlossen, in Gemeinschaft mit dem Vorstand der Anglo Jewish Association dem Schah von Persien bei seiner Ankunft in London eine künstlerisch ausgestattete Begrüßungsadreffe zu überreichen. Nachdem der Schah von Persien wegen der Familientrauer im englischen Königshause seinen Besuch abgesagt hat, wird ihm die Adresse auf den Beschluß der betheiligten Vorstände dennoch übermittelt werden. Sie ist persisch und englisch geschrieben, die Holzkassette, in der sie liegt, ist in mit Kupfer getriebenen Ornamenten verziert. Fast alle an dieser Adresse erforderliche Arbeit ist von Juden ausgeführt, die Kupferciselirungen von C. I. L. Emanuel. Die Adresse lautet: „An Seine Kaiserliche Majestät Mozaffer Ed Din, den mächtigen Beherrscher von Persien, erhaben in Ruhm und Frieden, Schah in Schah. Das Londoner Komitee der britischen Juden, im Aufträge der von ihm vertretenen Gemeinden und die Anglo Jewish Association nahen sich in Ehrfurcht Eurer Kaiserlichen Majestät in der Absicht. Ihnen im Namen der britischen Juden den herzlichsten und respektvollsten Willkommengruß zu bieten. Wir bewahren die dankbarste Erinnerung an das Versprechen, das Eure Kaiserliche Majestät bei der Besteigung des glorreichen Thrones Ihrer erlauchten Vorfahren huldvoll gegeben, daß Sie Ihren Schutz und Ihre Königliche Gnade allen Klassen Ihrer Unterthanen, ohne Rücksicht auf ihr Religionsbekenntniß, angedeihen lassen wollten. Für diesen Beweis der Gerechtigkeit und der edlen Gesinnung Eurer Kaiserlichen Majestät sind wir dankbar, und wir hegen die Zuversicht, daß die jüdischen Unterthanen Eurer Kaiserlichen Majestät sich der Beachtung u. des ihnen so großmllthig gewährten Schutzes stets würdig erweisen werden, und wir beten inbrünstig um langes und glückliches Leben für Eure Kaiserliche Majestät." Rußland. Odessa. Die an den Judenkrawallen betheiligt gewesenen Personen werden doch nicht so billigen Kaufes davonkommen. Die ihnen auf Grund des bestehenden Belagerungszustandes von der Polizei summarisch zudiktirte gelinde Strafe — Abschieben resp. drei Monate Haft — betraf nur die sogenannten Mitläufer, welche sich nur des Radaumachens schuldig gemacht haben. Die schweren Jungens aber, welche sich beim Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Diebstahl, Plünderung, Körperverletzung und Brandstiftung ertappen ließen, werden einzeln vor Gericht gestellt und nach den bestehenden Gesetzen extra abgeurtheilt. Am 16. August wurden zunächst die Diebe vorgenommen. Auf der Anklagebank sah man eine große Anzahl in Lumpen gehüllter wilder Gestalten sitzen; sie gaben den Diebstahl ohne weiteres zu und nahmen den ihnen dafür in Gestalt von sechs Monaten Gefängniß votirten Dank des Vaterlandes mit einer Gleichmuth hin, welche bezeugt, daß sechs Monate Gefängniß für sie kein besonders aufregendes Ereigniß war. Die Zahl der Diebe ist jedoch so groß, daß ihre Aburtheilung einem extra dafür bestimmten Richter übertragen werden mußte, der einen Tag in der Woche speziell für diese Angelegenheit reservirt hat. T. Sprechsaal. Hamburg, 4. September. Nummer 64 Ihregeschätzten Blattes enthält eine Notitz aus Hamburg, worin Ihr Herr Correspondent als Curiosum mittheilt, daß sich hier keine jüdifcke Bäckerei befindet. Wenn nun auch hier keine Bäckerei ist, so ist wohl eine Condttorei hier, welche ich vor circa drei Jahren, Peterstraße 2 u. Filiale Rutschbahn 2, errichtet, wo sämmtlicheS feines Gebäck zu haben ist. I. Seligmann. Keuilletorr Ein Schritt vom Wege. Aübifche WoveLke von Arnold Mann. 14j „Meyer hat Sie am Schabbos angegriffen!" sagte sie dann leise, immer weiter spielend. Ich wartete stumm auf die Fortsetzung. Sie schien in der That zu fühlen, daß sie nun noch etwas deutlicher sein müsse. Denn nach einer kleinen Pause setzte sie, an den Scheiben des Fensters hin- und herreibend, hinzu: „Er erzählte, einige Leute sprächen abfällig und spöttisch über das zurückgezogene Leben, welches Sie als junger Mann führten, und er meinte, die Leute hätten eigentlich nicht so ganz unrecht!" „Nun — und da —?" frug ich in höchster Spannung weiter. Sie schwieg. So sagte ich's denn selbst: „Da haben Sie mich ein bischen vertheidigt und in Schutz genommen?"- Ohne mir zu antworten, drehte sie sich mit einem plötzlichen Ruck um und, mir mit der Linken das Packetchen reichend, sagte sie bittend: „Wollen Sie mir den Gefallen thun und, wenn es Ihre Zeit erlaubt, die Kleinigkeit meiner Freundin in Berlin mit einem herzlichen Gruß Lberbringen? Dora Simonsohn, Friedrichstraße Nummer achtzehn!"

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