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Der Israelit · 1900-09-10 · Heft 73 (10.9.1900) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 73 (10.9.1900)
Date
1900-09-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1505 f Oeffentlichkeit zu zerren; dagegen erwähnen Sie mit Namen Herrn Prof. Schott und Herrn Medizinalrath Grödel! Darauf theile ich Ihnen mit, das Ersterer aus der Gemeinde ausgeschieden und Letzterer sich nur zu einem Maximal Beitrag, der aber zu feinem Einkommen nicht im Verhältnis; steht, bereit erklärt hat. Was unserer kleinen Gemeinde von 16 Mitgliedern aber sonst an Opfern für arme jüdische Kranke, die hier Genesung suchen, aukerlegt ist, kann man sich wohl denken und haben wir nach all diesem durchaus keine Veranlassung, uns die „Augen zu verbinden!" Wir können, loie Sie aus alledem wohl selbst schliesien werden, unmöglich aus eigenen Mitteln eine Lcichetlhalle hier errichten und hoffen wir, daß nach diesen Darlegungen weder in Frankfurt a. M., noch anderwärts edle Svender sich zurückhalten werden, für diesen wichtigen Zweck ihr Scherflein beizutragen. Bei dein großen internationalen Verkehr, der sich hier alljährlich vollzieht und namentlich bei dem großen Zustrom von jüdischen Armen aus aller Welt, hat unseres 6'rächtens ganz Israel die Pflicht, zu dein gedachten Zwecke bcizutragen. O c st e r r. - U n g a r. Nt v n a r ch i e. -Lien, C>. Sech. (W i e in G a l i z i e n a n - t i s e m i t i s ch e (5 r e e s s e ge m a ch t lv e r d e n.) Bor inehreren Monaten wurde eine große Anzahl von Bauern vom Przembsler Kreisgericht lvegen öffentlicher Gcwaltthätigkeit zu schweren Kerkerstrafen verurtheilt. Sic waren nämlich bewaffnet mit Heugabeln, Beilen tnid Sensen in das Haus der Rhfka Pfeffer in Niera dotva cingedrnngen und hatten dort Alles dem Boden gleichgemacht, so daß die Besitzerin des Hauses mit Mühe das nackte Leben hatte retten können, Ein Eibilprozeß, der jetzt alle Instanzen durchgemacht hat, hat gezeigt, wer Vinter diesen scheinbar antisemitischen Erzessen steckte. Während des großen Bauernaufstandes im Jahre lck46 hatte der Graf Eustachius Debinsli dem Pächter Pseffer, der ihn vor den Bauern beschützt und ihin so das Leben gerettet hatte, als Dank ein Bauernhaus geschenkt, das jetzt dessen Tochter Rhfka Pseffer gehörte. Des Grafen Erbin, Gräfin Laura Debinsli, loollte aber das Eigenthum der Rnfka Pfeffer nicht anerkennen und forderte sie auf, das Haus sofort zu verlassen. Als diese der Aufforderung nicht Folge leistete, stlftete die Gräfin die Bauern an, die „Jüdin" davonzujagen: dreißig Bauern batten sich verleiten lasten, dieser Aufforderung uachzukommeu, und wurden verurtheilt. Das bchaupteie die Ryfla Pfeffer in der Schadeirersatzklage, die sic bei dein Bezirksgericht in Dubieeko gegen die Gräfin einbrachlc. Der Bezirksrichter sprach die Geklagte frei. Das Kreisgericht in Przemysl aber, an das die Pfefser appellirte, verurtheilte die Gräfin zur Zahlung einer ziemlich hohen Summe, indem cs als erwiesen annahm, daß sie die Bauern zur Zerstörung des Hauses aufgefordert hatte, und der Oberste Gerichtshof, an den sich die Gräfin wendete, bestätigte das Urtheil. Auch der Letztere sprach ausdrücklich aus, daß die That der Gräfin Denbinski ungesetzlich und verbrecherisch war. Die Gräfin kam mit ein paar Gulden davon, die armen verführten Bauern aber mußten die verbrecherische That der Gräfin mit ihrer Freiheit büßen. Krakau, 7. Sept. (Mädchenraub in Galt z i e n.) Im August vorigen Jahres verließ die minderjährige Rochme Weiß, Tochter des Marcus Weiß in Wieliezka (wie wir s. Z. berichtet hatten), heimlich das Elternhaus. Seit dieser Zeit weilt sie im Krakauer Kloster der Felicianerinnen. Alle Bemühungen der Eltern, das Kind wieder zu erlangen, waren fruchtlos. Im Juni dieses Jahres verlangte plötzlich die minderjährige Rochme Weiß vom Gerichte die Aberkennung der väterlichen Gewalt des Marcus Weiß über sie, und die diesbezügliche Verhandlung fand beim k. k. Bezirksgerichte in Wiliczka statt. Bei dieser Verhandlung, zu der Rochme Weiß nicht erschienen war, verlangte der Vertreter des Marcus Weiß, Herr Dr. Raphael Landau, Landes- und Gerichtsadvokat in Krakau, in Anbetracht besten, daß drei Zeugen vor Gericht anssagten, Rochme Weiß habe ihnen erklärt, sie wolle zu den Eltern zurückkehren, werde jedoch im Kloster daran gehindert, das Gericht möge Rochne Weiß mit ihren Eltern und den Zeugen konfrontiren und constatiren, ob diese Angaben der Wahrheit entsprechen. Gleichzeitig verlangte Dr. Landau auch die Einvernahme der Oberin des Klosters. Das Bezirksgericht in Wieliezka gab diesen Anträgen Folge und requirirte das Bezirksgericht in Krakau zur Bornahme dieser Eonsrontation und Einvernahme der Parteien, die dieser Tage stattsinden sollte. Zur Verhandlung erschien Marens Weiß mit seinem Rechtsanwälte, jedoch weder die Oberin noch Rochme Weiß hatten sich eingefunden. Auf dem Zustellungsscheine für Rochme Weiß war beinertt, daß. sie sich in Rußland befinde. Der Aufenthaltsorl war nicht angegeben. Das Kloster werde trachten, daß die Weiß bei der heutigen Verhandlung erscheine. Somit muß ihr Aufenthaltsort im Kloster bekannt sein. Dr. Landau verlangte die neuerliche Vorladung der Oberin unter Strafandrohung, welchem Anträge der Richter Folge leistete. Die Fortsetzung der Verhandlung wurde für den 12. September anberaumt. Waiden. (Der neue Bischof von W a i tz e n u n d die Inden.) Bei dem Grafen Karl Emanuel Esakh fand sich eine Deputation der hiesigen israelitischen Gemeinde ein, die den neuen Bischof zu seinem Amtsantritte beglückwünschte. Auf die Ansprache des Führers dieser Deputation erwiederte der Bischof: „Die christliche Religion ist die Religion der Liebe, sie flößt die gleichen Empfindungen gegen alle Mitmenschen jeder Eonfestion ein. Wann immer Sie sich an mich wenden sollten, so oft von Ihnen

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