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Der Israelit · 1900-09-10 · Heft 73 (10.9.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 73 (10.9.1900)
Date
1900-09-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1504 bleiben soll, nicht unwichtige Thatsachen zu veröffentlichen. So bringt die „Staatsb. Ztg." vom 23. Aug. einen Auszug aus einem Bericht des Ersten Staatsanwalts Settegast in Könitz, so enthält das Konitzer Tageblatt vom 21. August einen Auszug aus dem Gutachten des Gerichtsphysikus Mittenzweig über die Todesursache, sowie die Zeit des Todes des unglücklichen Winter. Die „Deutsche Reform" endlich druckt in ihrer Nummer vom 19. August vier Postkarten ab, welche an den Gvmnasiasten Winter gerichtet waren und sich, wie die Zeitung ausdrücklich hinzufügt, in den Händen der Behörde befinden. Wie also gelangten sie in die Hände der Redaktion? Diese Thatsachen werden aus folgendem Grunde besonders beachtenswerth: Die „Berl. Zeitung" ist in den Besitz eines solchen Briefes gelangt, der auf einer Abonnements-Einladung der „Staatsbürger- Zeitung" geschrieben ist, und zwar auf dem speziellen Schema, welches für die Neumark im Gebrauch ist und von Landsberg a. W. versendet wird. Der Brief hat folgenden Wortlaut: Könitz, 4. Juli 1900. An die Korrespondenz Albert Dettbarn, Berlin. Ich bin geneigt, Ihnen mein Material, unter Anderem Schriftstücke, Gutachten des Sanitätsrath Dr. Mütter über das Vorliegen eines Ritualmordes, sowie vier Postkarten-Abschriften zu verkaufen. Ich bitte daher um Ihre Honorar-Ansprüche. Ich habe Herrn Max Wienecke beauftragt, eventuell mit Ihnen zu verhandeln. Hochachtungsvoll Werner. Wie man sieht, ist ein Theil der in diesem Briefe bezeichneten Papiere tatsächlich später veröffentlicht worden, nämlich das Gutachten des Ersten Staatsanwalts auszugsweise, und die vier Postkarten vollinhaltlich. Wenn solche Aktenstücke, auf deren Geheimhaltung die Behörden in wohlverstandenem Interesse der Untersuchung Werth legen, in dieser Weise publizirt werden, so kann das. wie das zitirte Blatt richtig bemerkt, der Untersuchung unmöglich förderlich sein, vielmehr trägt es dazu bei, die Spuren zu verwischen, indem der oder die Thäter über vorliegendes wichtiges Material jetzt unterrichtet sind. Beschäftigt sich die Justizbehörde mit dieser Publikation aus den amtlichen Akten, und was ist geschehen, um das Amtsgeheimniß besier als bisher zu sichern? Könitz, 7. Sept. Bon der Strafkammer wurde der Arbeiter Hugo Somnitz aus Trzebiatkowo, der in Gemeinschaft mit seinem Bruder Franz einen jüdischen Handlungsgehülfen mißhandelt hatte, zu neun Monat Gefängniß verurtheilt. Franz Somnitz war zur Verhandlung nicht erschienen und wurde Verhaftung desselben beschlossen. Sein Bruder hatte sich in Untersuchungshaft befunden. Dstrowo, Pr. Pos. „Viele Töchter üben Edles, Du aber übertrisfst sie alle." In diesem einen salomonischen Satze dürste der Vollinhalt eines Menschenlebens, welches jüngst in unserer Gemeinde seinen für uns so traurigen Abschluß gefunden hat, gebührend gezeichnet sein. Wir beklagen den Hintritt einer in ihrer hingebenden Liebesthätigkeit so ausgezeichneten Frau, daß ihr Andenken es verdient, in diesen Blättern vor der breiten Oeffentlichkeit gerühmt zu werden. Frau S ü ß m a n n, Vorsitzende des Frauenvereins, hat nach einem durch seine innere Weihe beneidenswerthen Dasein, deffen größeren Theil sie der Pflege der Kranken, der Ehrung der Todten bei ihrer Bestattung in vollster Aufopferung widmete, ihre reine Seele ausgehaucht. Jahre hindurch fämpfte sie mit einem inneren Leiden, aber weder körperlicher Schmerz, noch seelische Verstimmung hielten sie von der Ausübung ihres freiwilligen Berufes zurück. Wieviel Thränen sie getrocknet, wieviel Seufzer sie gestillt, wieviel Leiden sie gemildert durch die wohlthätige Kraft ihrer aufreibenden Wirksamkeit, weiß nur Der, dessen allsehendes Auge in die Verborgenheit ihres zartsinnigen Waltens allein zu schauen vermochte. Sie hat sich in die Annalen der weiblichen Vereinswirtsamkeit unserer Gemeinde mit goldenen, unverlöschlichen Lettern eingezeichnet und ihren Namen über ihr Grab hinaus für die tveitere Zukunft zu povulärer Bedeutung erhoben. Der Segen, der von ihrem irdischen Leben allsstrahlte, falle lohnend auf das Haupt ihres schmerz, bekümiuerteli Gatten und ihrer die Hände ringenden Kinder, denen der Trost, eine solche Mutter besessen zu haben, bleibt. Sie selbst genieße droben in den Sphären des Lichts die Früchte ihrer mühereichen Liebesthätigkeit. Bad-Nauheim, im Sept. Die Angriffe, die in einer der jüngsten Nummern Ihrer wertsten Zeitung auf die hiesige Gemeinde gerichtet waren, sind in keiner Weise gerechtfertigt. Gestatten Sie mir, Ihnen den Sachverhalt in kurzer und objeetiver Weise darzulegen: Es starb hier ein frommer russischer Jehudi, und da man wohl überall in der Fremde — vornehmlich aber in einern Badeorte - die Leiche so schnell wie möglich aus dem Sterbehause zu entfernen hat, so mußte das 7i2. da wir kein eigenes Leichenhaus haben, in's christliche Leichenhaus geschafft werden. Es war der Tochter des verstorbenen frommen Mannes ein schrecklicher Gedanke, daß die Hülle ihres Vaters, der ein tvirklicher Zadik tvar, nicht in herkömmlicher Weise aufgebahrt wurde und in hochherziger Weise stiftete sie 1009 Rubel zum Bau einer so dringend nö thigen Leichenhalle! Da nun noch einige Tausend Mark zur Herstellung einer solchen fehlen, so sandte ein hier anwesender Badegast die betr. Notiz der „Franks. Zeitung" ein, ohne daß der Vorstand oder Jemand aus der Gemeinde davon unterrichtet war. Was die Leistungsfähigkeit unserer Gemeinde anbelangt, so verzichte ich darauf, die einzelnen Mitglieder, die Sie nur im allgemeinen bezeichnet haben, an die

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