Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 72 (6.9.1900)
- Date
- 1900-09-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1480 und sinnend; ich kann nicht leugnen, daß mir das Herz klopfte vor Aufregung. Endlich, trat Jda in einem überaus einfachen Morgenkleid aus dem anstoßenden Wohnzimmer zu mir in den Salon. In der Hand hielt sie ein kleines Packet. „Also, Sie reisen nun plötzlich nach Berlin!" begann sie nach erfolgter Begrüßung munter. „Ja!" erwiederte ich, „das kommt mir ganz unerwartet!" „Aber doch nicht ungelegen?" „Wie meinen Sie das, Fräulein?" „Nun, Sie waren doch diese Nacht gewiß lange genug in Anspruch genommen, um heute etwas abgespannt zu win! Und nun sofort eine so anstrengende Reise! Haben Sie sich wenigstens gut amüsirt?" „Nun, es ging an!" „Biel getanzt?" „Ich kann nicht tanzen!" „Was Sie sagen! Nicht möglich!" Ihre Verwunderung schien aufrichtig. Ich aber erwiederte: „Fräulein, glauben Sie denn ernstlich, vaß ich das Tanzen hier in M. hätte erlernen können, ohne daß Sie davon erfahren hatten?" Mit einer leicht-energischen Betonung hatte ich das gesagt. Mich deutlicher auszudrücken wagte ich nicht; sonst hätte ich hinzusetzen müssen, wie doch all' die Jahre her mein ganzes Leben geradezu unter ihren Augen verlaufen sei und sie mich mit all' meinen Fehlern und Vorzügen, mit all' meinen Neigungen und Fähigkeiten kennen muffe, wie sich selber! Aber auch so schien sie mich richtig zu verstehen. Denn eine glühende Röthe überfluthete plötzlich ihr zartes Antlitz und, das Auge senkend, sprach sie leise: „Ja! Sie haben recht! Sie waren stets die Offenheit selbst" — und als wäre ihr die Ablenkung willkommen, setzte sie, das glühende Antlitz hebend, rasch hinzu: „Was haben Sie aber den ganzen Abend angefangen?" „Ntich mit Herrn Moritz Meyer unterhalten!" „Hat er auch etwas von mir erzählt?" fragte sie rasch. „Von Ihnen? Nein! Was sollte er mir auch von Ihnen erzählen?" „Er hat Ihnen gewiß erzählt vom vergangenen Schabbos! Besinnen Sie sich einmal!" „Aber wirklich! Keine Ahnung!" „Ist das auch >vahr?" „Trauen Sie mir eine Lüge zu? — Aber so sagen Sie es mir! Was war am vergangenen Schabbos?!" „Ich?" ries sie aufspringend, „ich kann es Ihnen nickt sagen!" Sie trat schnell an's Fenster und, die Vorhänge leicht auseinanderbiegend, starrte sie mit scheinbarem Interesse auf die Straße hinab. „Sie müssen es mir sagen!" wagte ich zu bekräftigen und erhob mich gleichfalls, „Sie dürfen mir das B nicht grausam verschweigen, nachdem Sie das A gesagt haben!" „Ich kann nicht!" wiederholte sie, mir immer noch den Rücken znkehrend. „Und s o wollen Sie mich die große, einsame Reise nach Berlin antreten lassen?" fragte ich, deutlich merkend, wie ineine Stimme bebte. Sie schwieg. Die peinliche Stille in dem Gemach, nur leise unterbrochen von dem zarten Ticken einer kostbaren Majolika-Standuhr, währte vielleicht eine Minute. Das Mädchen, immer durch die Scheiben blickend, schien mit sich selbst zu kämpfen. Ich merkte es an dem nervösen Spiel, welches die schlanken weißen Finger ihrer Rechten mit den blanken Rosetten der Gardine trieben. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, montags and Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bet der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganziährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an — Der Vuchhanorl verkehrt durch V. A Sleinachrr, Leipzig, Notzplatz )ß. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3863. Telephon 315. Eine RüKseu-ung -er an -ie Re-actio« eiugesau-te« Vlauuscriptr findet nicht statt, man bittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Eopte zurückzuveyalten Stellensnchende erhalten ans Wunsch -ie Jnseraten-Beilage vier Woche» lang gratis und franco zugesandt Ebenso stunden wir aus Wunsch die Zahlung des JnserttonSbetragS an außer Stelle Befindliche binach Erlangung einer solchen. Inhalt: <Hauptblatt). Leitender Artikel: Antisemitischer Zionismus. - Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Könitz. München Frankreich: Paris. Personalien: Hanau. Tutzing. Nenzenheim. — Mittheilungen aus den jüd. Armenvcreinen und für dieselben: Kolmberg bei Ansbach. — Feuilleton: Cin Schritt vom Wege. (Fortsetzung). Inhalt -er ersten Beilage: Leieuder Artikel: Ein hochsinniger ung. Aristokrat und Staatsmann. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Kitzingen. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Sabogard. 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