Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 72 (6.9.1900)
- Date
- 1900-09-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1478 Herr Ephraim Hahn verdient es, daß sein Name öffentlich genannt wird, denn seit 24 Jahren versieht er das Amt eines Kultusvorstehers mit Umsicht und Treue. Schon 30 Jahre sind es, seitdem er das Amt eines Vorbeters an den hohen Feiertagen und auch zu sonstigen Zeiten unentgeltlich mitversteht. Unbeschreiblich aber ist sein Wohlthun, wie er nur Gutes zu stiften trachtet und Jedermann, der sich seinem Hause nähert, mit Rath und That beisteht. Aber auch die Gattin seines Hauses repräsentirt vollständig die Tugenden eines acht jüdischen Weibes, indem sie von Gottesfurcht, Bescheidenheit und edlem Wohlthun durchdrungen ist. Den Glanzpunkt des Festes bildete es aber, als die Kultusgemeinde durch ihren zweiten Vorsteher, den treuen Vertreter des ächten, unverfälschten Judenthums, Herrn Koschmann Flamm, ihren Dank durch Ueberreichung eines prachtvollen silbernen Chanukaleuchters zum Ausdruck zu bringen suchte. In rührenden, einfachen u. schlichten Worten dankte nach dem Schluffe des Sabbatminchagebetes Herr Ephraim Hahn seiner Gemeinde und versprach, weiterhin der Gemeinde und jedem Einzelnen, soviel in seinen Kräften, beizustehen. H. Lind, Lehrer. MWriluuseu aus de» M. Armumriue» »ud für dirsrldru. (Lümmtliche jüd. Warsderbettelvereine und Kaffen für Durchreisende find gebeten, unS Mittheitungen über Erfahrungen die fie auf dem Gebiete ihrer Thütigkeit machen, zukommen zu taffen.) Kolmberg bei Ansbach. (W a r n u n g.) Es sind hier junge kräftige Leute, die seit einer Reihe von Jahren das Bettelbriefschreiben betreiben. Es liegt im Interesse der Wohlthätigkeit, daß alle von hier ausgehenden Bettelbriefe gänzlich unberücksichtigt bleiben, da sich hier, Alle anständig ernähren können. Erkundigungen können eingezogen werden bei dem Rabbinate zu Ansbach. Der Kultusvorstand Alexander S t e i n b e r ge r. Feuilleton Lin Schritt vom Wege. Jüdische Wovetke von Arnold Mann. 13] Meyer drang nicht weiter in mich. Er kannte ja mein Verhältniß zu Salomon. „Dann vielleicht Ihr Chef?" rieth er weiter. „Ihm gegenüber würde ich vor Scham in die Erde sinken!" erwiederte ich, „ich könnte es nicht ertragen, daß er mich auch nur einen Moment lang einer so unüberlegten Extravaganz, wie es das Spekulieren ist, für fähig hielte!"' „Aber ich bitte Sie," entgegnete Meyer, „das ist doch völlig Nebensache! Sie nehmen doch so viel ich weiß, eine große Vertrauensstellung bei Ihrem Chef ein!" „Allerdings!" „Sie haben wohl gar für alle Fälle einen besonderen Schlüssel zum Geldschrank?" „Auch das! Ja, seit einigen Monaten, wo ich zuweilen noch spät Abends nach Geschäftsschluß arbeite, hat er mir sogar auch einen besonderen Schlüssel zum Korridorausgang des Komtoirs eingehändigt, da die übrigen Geschäftsräume Punkt acht Uhr geschlossen werden!" „Na sehen Sie! Und wo Sie solches Vertrauen genießen, scheuen Sie sich, in einer so prekären Lage, sich Ihrem Chef zu offenbaren, der Sie seit Ihrer Lehrlingszeit wie ein Vater behütet hat?" „Eben detzhalb, Herr Meyer! Es geht mir vollkommen gegen das Gefühl, aus diesem Vertrauen meines Chefs Kapital zu schlagen!" „Ja, mein lieber Herr Gottschalk, in einer solchen Lage muß man auch einmal etwas thun, was einem gegen das Gefühl geht!" Dann setzte er nach kurzer Pause hinzu: „Wann müssen Sie spätestens das Geld stellen?" „In acht Tagen!" erwiederte ich. „Das wäre gerade einen Tag nach Schowuaus!" konstatirte Meyer, „nun machen Sie nicht lange Faxen! Warten Sie meinetwegen noch die paar Tage, ob sich die Papiere erholen, dann aber, wenn Sie nach Jaum tauw in's Geschäft kommen, vertrauen Sie sich offen Ihrem Chef an, Sie sollen sehen, es wird Ihnen leicht werden und es ist Ihnen mit einem Schlage geholfen. Welche Papiere haben Sie denn?" „Oesterreichische Südbahn!" „Na, ich werde auch zuweilen Nachsehen, wie sie stehen! — Also abgemacht!" rief er dann energisch und klopfte mir auf die Schulter, „mein Rath gilt! Und nun wollen wir noch eine kleine Promenade um das Rondel herum machen, dann gehen wir in den Saal zurück!" Wir erhoben uns und schritten langsam zum Rondel hinaus, wieder nach dem Eingang zu. „Ah!" machte Meyer, „wie die Myrthen duften! Man meint, es wäre vor Sukkaus und nicht vor Schowuaus!" Lachend wandten wir uns kurz vor der Treppe nach links und bogen in den schmalen Promenadenweg ein. Unsere Schritte waren kaum hörbar auf den weichen Teppichen, in die man förmlich einsank. Plötzlich — schon nach wenigen Schritten — blieb Meyer stehen und blickte mit zusammengekniffenen Augen den Weg hinunter, als wollte er etwas erspähen. „Sehen Sie nicht?" flüsterte er dann kaum hörbar und deutete mit dem Finger dorthin, wo etwa in der