Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 72 (6.9.1900)
- Date
- 1900-09-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1477 München, 3. Sept. Wie aus früheren Meldungen bekannt, hatten die hier erscheinenden Zeitungen „Bay. Vaterland" und „Neues Münch. Tagbl." gegen den Wiener Gemeinderath Lueian Brunner heftige Angriffe gebracht auf Grund einer demselben fälschlich zugeschobenen Aeußerung, welche derselbe in einer Sitzung des Wiener Gemeinderathes gebraucht haben sollte, laufend: „Ich verachte alle Christen." Hieraufhin hatte Herr Lueian Brunner gegen den Redakteur Georg Freiherr v. d. Tann, vom „Neuen Münch. Tagblatt", und gegen Otto Schoy vom „Bay. Vaterland" Klage angestrengt', die vor einiger Zeit beim tgl. Amtsgericht München 1 stattgehabte Verhandlung wurde bebuss Erhebung geeigneter, den Sachverhalt klarleaender Momente vertagt. Nun ist im „Neuen Münchener Tagblatt" zu lesen: „Zwischen dem Gemeinderath Lueian Brunner in Wien und den Redakteuren Georg Freiherr von der Tann vom „Neuen Münchner Tagblatt" und Otto Schon vom „Bayerischen Vaterland" kam zur Beilegung des von Herrn Lueian Brunner gegen die Redakteure von der Tann und Schoy bei dem kgl. Amtsgericht München I angestrengten Privatklage-Prozesses folgender Vergleich zu Stande: 7. Die Privatverklagten erklären, durch die Belveisaufnahme nicht die Ueberzeugung gewonnen zu haben, daß der Privatkläger die Aeußerung: „Ich verachte alle Christen" nürklich gebraucht habe. 2. Sie nehmen deßhalb den Vorwurf dieser Aeußerung, den sie dem Privatkläger im Vertrauen auf die Wahrheit der ihnen zngegangenen Berichte machten, ebenso wie die daran geknüpften sonstigen Beleidigungen mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück. 3. Sie übernehmen sämmtliche Kosten. Hiermit hat eine Angelegenheit, welche der Antisemitenpresse Gelegenheit bot, sich in dem bei ihr bekannten schönen Lichte zu zeigen, ihre Erledigung gefunden. Lautcrburg i. <?. Ich ersuche Sie, nachstehende Berichtigung in dem Artikel über die Beerdigung des Rabbiners Roller-Barr aufzunehmen: Nicht Herr Dr. Bloch-Oberehnheim, wie es irrthümlicher Weise in Ihrem Berichte heißt, hat im Sterbehause gesprochen, sondern Herr Rabbiner Glaser-Straßburg. Derselbe hielt eine solch tiesergreisende Rede, daß kein Auge thränenleer blieb. Nachdem Herr Oberrabbiner Ury in der Synagoge eine nach Form und Inhalt gleich gediegene Predigt gehalten, richtete Herr Dr. Bloch-Oberehnheim als Grenznachbar des Verewigten einige kurze Abschiedsworte an den Entschlafenen, die ebenfalls ihren Eindruck nicht verfehlten. Dr. L e v y. Frankreich. Pari««, 4. Sept. In Nummer 36 des „Israelit" erschien eine Notiz aus London über eine kunstvolle Dankadresse, welche die nebst Aufseher ihrem Präsidenten Sir Samuel Montagu zu seinem zwanzigjährigen Dienstjubiläum am 20. Juli überreicht haben, mit der Bemerkung, daß heute nicht zehn curw und sieben Aufseher, sondern 29 Schächter und 26 2'rwv bei der Herstellung von rituellem Fleisch beschäftigt sind. Von Paris iß diesbezüglich nichts so Erfreuliches zu berichten. Obgleich die Zahl der streng-orthodoxen Juden im letzten Jahrzehnt sich bedeutend vermehrt hat, ist trotz alldem eine ausreichende Beaufsichtigung der Schochtim und Metzger nicht vorhanden; die meisten Metzger haben Sabbat und Feiertage ihr Geschäft offen. Die wenigen Metzger, die unter Aussicht eines orthodoxen Privai-Rabbiners stehen, verkaufen ihr Fleisch zu einem bedeutend höheren Preis, als die übrigen, so daß Handwerker, die sich kümmerlich ernähren, aber auf streng-religiösem Standpunkte stehen, kaum im Stande sind, die Mittel zur Erlangung ihres Fleischbedarfes aufzubringen. Sollte in einer so großen jüdischen Gemeinde wie Paris, in der in der Jetztzeit so viele wahrhaft jüdische Männer leben, diesem Uebelstande nicht abzuhelfen sein? Möchten doch die hiesigen c’sv sich an London ein Beispiel nehmen und wacker für ihre armen Gesinnungsgenossen eintreten. Fersonatien. .Hanau, 3. Sept. In einer der letzten Nummern des „Israelit" las ich einen Artikel über einen preisgekrönten jüdischen Soldaten als bester Schütze. Als Gegenstück hierzu kann ich Ihnen mittheilen, daß ein hier lebender Veteran (Jude), Herr Ludwig Schulhaus, gelegentlich des Verbandstags deutscher Kriegsveteranen, beim Preisschießen den besten Treffer machte und zum Veteranenkönig ernannt wurde. Tutzing, 2. Sept. Am 21. v. Mts. beging hierselbst in stiller Zurückgezogenheit, am idyllischen Gestade des Starnberger Sees, im Kreise seiner Angehörigen, der praktische Arzt Herr Dr. med. Elias Mayer aus Nürnberg die seltene Feier seines 30jährigen Doktorjubiläums in körperlicher und geistiger Frische. Nachdem der Jubilar im Jahre 1830 in seiner Vaterstadt Würzburg zum Doktor der Medizin promovirt war und die ärztliche Staatsprüfung bestanden hatte, siedelte er bald darauf nach Nürnberg über, woselbst er seit jener Zeit ununterbrochen, zuerst einige Jahre als kgl. bayer. Militärarzt, späterhin als praktischer Arzt, in ausgedehnter Praxis ersprießlich und segensreich thätig war. Die zahlreichen Zuschriften und Glückwunschadressen von ärztlichen Vereinen, sonstigen Körperschaften und Kollegen sprechen in warmen Worten von der Anerkennung dieser langjährigen und verdienstvollen Lebensarbeit. Dem allgemein geachteten Jubilar sei noch ein recht langer und heiterer Lebensabend in wohlverdienter Ruhe gewünscht. tNenzenhcim, 3. Sept. Am 23. v. Mts. feierten Herr Ephraim Hahn und Frau Lea Hahn das Fest ihrer silbernen Hochzeit. Alles wetteiferte, durch Glückwünsche und Geschenke, von hier und auswärts, dem Jubelpaar ihre Liebe und Dankbarkeit zu bezeigen.