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Der Israelit · 1900-09-03 · Heft 71 (3.9.1900) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 71 (3.9.1900)
Date
1900-09-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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41. Jahrgang. Beilage zu M 71 des „Israelit". Leitender Artikel Ans Kin Abt« ciiits V " . Von Rabbiner Dr. Vhrrrrarrn in Baden (Schweiz.) HL (Schluß.) Von dem veredelnden, nachhaltigen Einfluß, den R. Israels Persönlichkeit auf seine Umgebung ausübte, sei hier noch ein Beispiel angeführt, das erst vor ca. sechs Jahren, also lange nach seinem Tode, zu meiner Kenntniß kam. Ich hatte die Ehre, Herrn Hofrath Dr. Dembo aus St. Ptersburg kennen zu lernen, der durch sein energisches, mannhaftes und geistvolles Eintreten für die Schechita, diese schwer bedrohte fundamentale Institution des jüdischen Gemeinde- und Einzellebens in Rußland gerettet und zu Ehren gebracht hat. Der unerschrockene Kämpfer hat zur Rettung der Schechita seine Praxis, sein Familienleben, seine ganze Carriere und alles, woran das Herz nur hängen kann, freiwillig hingegeben, um unbehindert der großen Idee zu leben und ihr zum Siege verhelfen zu können, wie ihm dieses in hunderten von Anerkennungsschreiben und Dankadressen bezeugt wird, welche die größten Gemeinden und Rabbinen Rußlands an ihn richteten. Im Laufe der Unterhaltung erlaubte ich mir dem illustren Gelehrten gegenüber die Bemerkung, daß ein Auftreten wie das seinige doch gewiß nicht geeignet sei, ihm in Rußland bei Behörden und außerjüdischen Kreisen Lorbeeren einzubringen, was ihn eigentlich bestimmt habe, in diesen Kampf einzutreten und ihm so große Opfer zu bringen. Mein Gast erzählte mir darauf, wie er in Kowno geboren und von einem streng-frommen Vater erzogen, im zwölften Jahre einen Durst nach profanem Wissen empfunden habe, den der Vater am liebsten unterdrückt hätte, weil er darin eine Gefährdung der jüdischen Zukunft seines Kindes sah. Er sei als Knabe aus dem elterlichen Hause fort zu R. Israel gegangen, der damals in Kowno seine Lehrthätigkeit entfaltet habe und habe ihm sein Leid geklagt. Rabbi Israel sagte, wenn er jeden Tag bei ihm 1—2 Stunden rrrn mei lernen wolle, so könne er ruhig Latein und alles andere treiben, und er wolle dies auch bei seinen Angehörigen verantworten. Aus diese Weise habe er 1\'.2 Jahre in täglichem Verkehr mit dem großen Manne gelebt und diese Jahre seien bestimmend für die ganze Richtung seines Lebens geworden. Von der fltPHpi mrrtt welche die ganze Umgebung dieses großen Mannes auszeichnete, sei ein Reflex auch auf seinen Lebensweg gefallen und habe ihm die Spur gezeigt, der er zu folgen habe. Die Anregung, die er davon mit in's Leben genommen, sei stark genug gewesen, alle Kämpfe und Versuchungen zu bewältigen, die sich seinen Bestrebungen entgegen stellten. Er habe nicht anders handeln können, als er gehandelt habe, ohne sich selber zu vergewaltigen, ohne sich mit sich selbst und dem hohen Ideale in Widerspruch zu setzen, das ihm aus den Tagen seiner frühsten Kindheit durch das ganze Leben geleitet habe! Wie tritt doch diese eine Thatsache für die erprobte Wahrheit einjn"naainvsnn'aaa'p''iara^-!:, daß die Wirksamkeit unserer Großen mit ihrem zeitlichen Hiersein nicht nur nicht abgeschlossen ist, sondern daß ihre Bedeutsamkeit Leben und Tod überdauert, und erst nach ihrem Hinscheiden zur vollen Entfaltung gelangt! Die vollendete Meisterschaft über jede Leidenschaft, ja über die bloße leidenschaftliche Aufwallung, war das charakteristische dieses großen Mannes, war das weithin leuchtende Kiddusch Haschem, den das Auftreten dieser Persönlichkeit bedeutete. Man konnte die Vorzüge dieses Mannes nicht anstaunen, ohne die mächtige Wunderkraft der Thora anzuerkennen, die allein dieses Wunder vollbrachte und jedem das Bekenntniß ntrya '-iH iraetp "i'oSi ^"i: von der Bedeutsamkeit des Thorastudiums abrang, das solche Thaten zeitigte. Ein vollendetes Bild von dem Denken und Wirken dieses Mannes würde man sich vielleicht am besten aus dem trefflichen, nur wenige Octavseiten enthaltenden Büchelchen eia" nS’ce von Rabbi M. CH. Luzatto s. A. construiren können. Dieses Schristchen enthält in gedrängter Kürze die Perlen einer jüdischen Ethik und hat den Ausspruch ben Jair's zur Grundlage, welcher Thorastudium, Achtsamkeit, sittliche Rüstigkeit, äußere Reinheit, Enthaltsamkeit, innere Reinheit, Liebeshingebung, Demuth, Sündenfurcht und Heiligkeit als die Stufen bezeichnet, welche zu dem Ideal höchster menschlicher Vollendung führen. Vau 'i von Wilna soll von diesem Buche gesagt haben, daß es eine Sammlung von goldenen Worten sei. R. Israel pflegte dasselbe durch die Bemerkung zu charakterisiren: Alle *ia:a nca lehren, daß man fromm werden soll; ant^ nb'aa aber lehrt, daß man es wird. Dieses Merkchen war R. Israels Vademacum. In seiner Bescheidenheit sagte er zwar: „unsereiner" bringt es in heutiger Zeit höchstens bis zum >r p"ie, aber wer dieses Capitel, welches ni’pjn nrra 'Cie überschrieben ist, mit Aufmerksamkeit liest, findet, daß auch die Verwirklichung der darin gelehrten Tugenden in der That ein für unsere Zeit seltenes Ideal repräsentirt. D03C

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