Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 71 (3.9.1900)
- Date
- 1900-09-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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MW WWWWWWWWM- 1461 beschwörung eines Duells einerseits und dein späteren tapferen Ausweichen vor des Gegners Kugel andererseits. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. ViikolSbnrg, 27. Aug. Freitag verschied hier Herr Emanuel M a st , der zweite Cantor unserer Geineinde, im FA. Lebensjahre. Charakterfestigkeit, Pflichttreue, Glaubensstärke, unerschütterliches Festhalten an dem Althergebrachten, waren Cigenschasten, tvelche nnsern allzufrüh verblichenen Glaubensbruder zierten. Sein Vortrag war würdevoll, Berständnist zeigend für jedes Wort unserer heil. Sprache. AK wahrer Meister zeigte er sich an den hohen Feiertagen. Wenn seine melodische Stimme im Tempel hallte, wenn er die Gebete nach althebr. Sangesweise mit innigstem Verständnist vortrug, da bemächtigte sich der Zu Hörer in unserer uralten Altschul eine Andacht, wie sie nur Derjenige empfinden kann, der Gelegenheit gehabt hatte, unserem pslichtgetreuen Beamten zuzuhören. Ein fast endloser Zug, ohne Unterschied der Consession, geleitete die irdische Hülle des Sängers zum letzten Gange nach unserem Friedhöfe. Daselbst hielt unser Rabbiner, Dr. David F e u ch t w a n g , eine Rede, bei welcher lein Auge thränenleer blieb. Der Redner, der selbst Mühe hatte, die Erregung zu bekämpfen, entrollte an der Hand des 116. Psalms wp rx w t:~s' in Lebensbild des Dahingeschiedenen, beleuchtete dessen musterhafte Tugenden als Cantor, Familienvater und Staatsbürger und sprach zuletzt Namens der Gemeinde dem Verblichenen den Danl für seine mehr als dreißigjährigen vorzüglichen Leistungen im Dienste der Gemeinde aus. Mit Emauel Mast, dessen Ahnen fast ein Jahrhundert dasselbe Amt versahen, bricht die Kette einer Cantorensamilie ab, deren Ruhm in unserem gan zen Kronlande sich verbreitet hatte. Nach Beendigung der ivahrhaft meisterhaften und ergreifenden Rede unseres beliebten Seelsorgers lvurde der Sarg nach dem Grabe geleitet, alllvo er nach den iiblichen Gesängen dem kühlen Schoße der Muttererde übergeben wurde, Als dann die Schollen in'S Grab rollten und der Hügel sich über dem Leichnain des Dahingeschiedenen gewölbt hatte, ging Jeder mit dem schmerzlichen Bewußtsein von der heiligen Stätte, daß eine treue ehrliche Seele, eine Zierde der Gemeinde und des Judenthums, für immer entschwunden ist. Turn - Tewerin. (Rückkehr n a ch R u m ä n i e n.) Der Dampfer „Karl Ludwig" kam hier an, um 1200 rumänische Juden, welche von Wien aus gewaltsam repatriirt wurden, an's Land zu setzen, und nicht weniger als 2000 Personen eilten zur Landungsstätte, um dem aufregenden Ereignist beizuwohnen. Die Leute sind reichlich auf die Kosten gekommen, da die Schaulust, die Neugier und selbst die rasfinirte Sensationslüsternheit in einer kaum geahnten Weise hier befriedigt wurden. Die Pastagiere weigerten sich nämlich, das Land zu betreten. Hafenbeamte, Matrosen und Schutzleute kamen herbei, um sie mit Gewalt vom Schiffe zu entfernen, allein die Unglücklichen kamen ihnen zuvor. Mit dem Rufe: Lieber in die Donau, als in Rumänien! sprangen Greise und Jünglinge, Männer und Frauen, ja selbst junge Mütter mit ihren Säuglingen im Arm, bevor man es verhindern konnte, in die Fluthen. Eine unbeschreibliche Verwirrung folgte. Der Kapitän befahl, die Pastagiere zurück und unter Deck zu bringen und sie da sorgfältig zu bewachen. Gleichzeitig befahl er die Rettungskähne klar zu machen, um die Ertrinkenden zu retten. Per Telephon lvurde Militär requirirt. Es gelang bald, die Verzweifelten lvieder aus dem Wasser zu ziehen, worauf sämmtliche Passagiere unter militärischer Eskorte und mit großer Vorsicht an's Land gebracht und dem Vertreter der jüdischen Gemeinde übergeben wurden. Nur eine Frau, die nicht mehr gerettet werden konnte, sowie ein Greis, der unerlvartet den Soldaten entkam und sich plitzschnell in die Donau stürzte, sind um's Leben gekommen. Weniger aufregend war die Rückkehr einer anderen 100«) Personen zählenden Gruppe, welche von Wien per Bahn anlangte. Die Leute waren aber vor langer Entbehrung stark herrintergetominen, und der Namensaufruf ergab das Fehlen von 66 Personen. Nicht weniger als -V.) Kinder. 10 Frauen und 8 Männer sind auf der Hin und Rückwanderung gestorben. Möge ihnen die Erde leicht werden! Ulrich sie waren Märtyrer, die für ihr Judenthum einen vorzeitigen Tod gefunden baden. T. Rumänien. Bukarest. Das Sündenregister des rumänischen Voltes hat sich um einige lveitere Gr'äuelthaten gegen die Juden vermehrt. In Lusa, Kreis Waslau, hat die Gemeinde beschlossen, die Juden aus der Stadt zu vertreiben. Der Beschluß wurde vom Kreisvorsteher bestätigt und am 12. Juli konnten die Bürger zur Ausführung ihres Beschlusses schreiten. Sie thaten es aber in einer so bestialischen Weise, daß inan Zweifel hegen must, ob Lte IHimiäncn in Lusa noch überhaupt zum menschlichen Geschlecht zu chhlen sind. Sie schlosten nämlich die Juden in ihren Wohnungen ein, quälten und marterten sie die ganze Nacht hindurch und banden sie schließlich gegen 'Morgen an herbeigebrachte Wagen, die vorher mit ihren Habseligkeiten bepackt wurden, um sie in Gemeinschaft mit einigen Strolchen so nach Waslau zu transportiren. Ein anderes nicht minder scheußliches Verbrechen hat sich die Polizei in Verlad schuldig gemacht. Dort prügelte ein Schutzmann ein sechsjähriges jüdisches Kind, tveil es eben ein jüdisches Kind war. Von dessen Mutter desthalb zur Rede gestellt, erklärte sie die Bestie in einer Schuhmannsuniform für verhaftet und schleppte sie unter Püffen und Stößen zur Wache. Hier wurde die Unglückliche von dem Wütherich und seinen