Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 71 (3.9.1900)
- Date
- 1900-09-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ffWWWWWWWW 1459 es nicht nöthig, derartige Geschenke anzunehmen! Wollten wir uns doch bewußt werden, eine wie kostbare Perle inmitten der Krone jüdischer Sittenlehren wir in dem lebenswahren, echten Toleranzgedanken besitzen. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin. (D i e I u d e n in China.) Ein Vertreter der „Daily Chronikle" hatte den guten Einfall, den chinesischen Gesandten in London, Mr. Chichen Lo Feng-Luh, über die Juden in China zu interviewen. Die Nachrichten, die der Interviewer dabei erhielt, sind äußerst interessant: In Kai-fong, Provinz Honan, am Whang-ho (gelber Strom) existirt seit undenklichen Zeiten eine beträchtliche („important") jüdische Colonie. Ihre unmittelbar am Wasser gelegene Synagoge hatte mehrere Mal von Ueberschwemmungen dieses Flusses zu leiden gehabt. Von den Chinesen werden sie als Angehörige ihres eigenen Volkes betrachtet. „Sie werden von uns sehr geschätzt und respektirt," betheuerte der Botschafter, sie leben in Freundschaft mit uns und erfahren nicht die mindeste Anfechtung. Selbst zu den Examen werden sie zugelassen und wenn sie dieselben bestehen, auch zu allen Aemtern. Ebenso wie ich selbst, so kann auch ein Jude bei uns, falls er sämmtliche vorgeschriebenen Prüfungen besteht, Mandarin und selbst Vizekönig werden. Die Verschiedenheit der Religion ist in China kein Grund zur Feindschaft, da die Chinesen auf die Art, wie Jemand seinen Gott verehrt, wenig Gewicht legen." Ueber die Zahl der Juden in China konnte Mr. Chichen keine näheren Angaben machen. T. Hamburg, im Elul. Die hiesige isr. Gemeinde hat einen bedeutenden Verlust erlitten. Am Ausgang des Sabbat Re-eh ist der bekannte Sofer und Buchhändler Herr Abr. G o l d s ch m i d t von hier in Travemünde, wo er zur Erholung bei seinem Sohne weilte, vom Tode ereilt worden. Obgleich sein leidender Zustand seit fast drei Jahren immer sehr Besorgniß erregend war, so kam doch sein Tod so plötzlich, daß er allgemeine Bestürzung erregte. Wir können das Leben dieses seltenen und vielseitig gebildeten Mannes nicht besser schildern, als wenn wir es eine ununterbrochene Kette von Thora, Mitzwos und Massim tauwim nennen. In seinem Fache entsprach er nicht blos allen, auch den strengsten Anforderungen, die das Gesetz an einen Sofer richtet, sondern er war auch ein Künstler darin. Er war anerkannter Sofer mumcheh für ganz Deutschland, und wie bedeutend er war, sehen wir am Vesten daran, daß der Würzburger Rabbiner s. A. ihm unbedingtes Vertrauen schenkte. Aber er beschränkte sich nicht daraus allein, er war ein Lamden und lernte und lehrte mit rastlosem Fleiß. Dabei war er wohlthätig im höchsten Grade; gar Manchem hat er die Möglichkeit verschafft, sich eine lohnende Existenz zu gründen und Jedem, der mit ihm bekannt wurde, war sein Haus zur gastlichen Aufnahme geöffnet. Er gehörte zu denjenigen, denen Tefilas hazibur ein Bedürfniß war, und so zählte er auch immer zu den Ersten im Gotteshause. Wie in seiner Heimath, so wurde er auch hier eines der thätigsten Mitglieder der pn und erhielt bald das Ehrenamt eines Vorsitzenden derselben, welches er bis zu seiner Erkrankung rastlos und eifrig verwaltete. Aber auch damit war seine Thätigkeit nicht erschöpft, denn auch in profanem Wissen u. Künsten war er bedeutend. Seine Leiche wurde hierher gebracht, nachdem in Travemünde durch die Lübecker hl. Brüderschaft die Thaaroh, bei der Dr. Carlebach in beredter Weise Worte der Trauer und des Trostes sprach, stattgefunden hatte. Bei der Bestattung hier sprachen der Oberrabbiner mit gewohnter Meisterschaft Namens der p'n und der Schwager des Entschlafenen, Dr. Nathan, als nächster Verwandter, der in kurzen Zügen sein Lebens bild entwarf. Möge das S'chus, welches der Heimgegangene sich erworben, seinen Kindern beistehen! Mögen ihnen im Geiste immer das Bild ihres edlen Vaters vorschweben, auf daß sie ihm als Mensch wie als Jehudi nachzueifern streben, und möge er selbst im Schutze der Schechinah weilen. Frankfurt a. M., 29. Aug. Als vor mehr wie Monatsfrist eines jener Lügenblätter, die seit Jahrzehn ten das „Geschäft" des Geldmachens durch die Verleumdung von Juden und Judenthum betreiben, die „Danz. Allgem. Ztg.", das blödsinnige Märchen von einem „jüdischen Sühnemord" auftischte — eine funkelnagelneue „Enthüllung," welche ein „zum Christenthum bekehrter jüdischer Strafgefangener" einem „Gefängnißgeistlichen" gemacht haben sollte — da meinten selbst vorurteilslose Blätter, an eine Dupirung durch den neuen „Kronzeugen" des Hetzgelichters denken zu müssen. Für Jeden, der die „Mache" der antisemitischen Erfindungen mit einiger Aufmerksamkeit verfolgt hat und kennt, mußte es sofort klar sein, daß jener „jüdische Sträflingskonvertit" ebenso wenig existirt, wie der „Gefängniß-Geistliche," daß vielmehr das ganze Gefasel mit den dabei betheiligten Personen von A bis Z von einem Soldscbreiber des Hetzblattes erfunden ist. Die Entlarvung des elenden „Jehuda Tillinger" weist nunmehr mit Bestimmtheit auf die Person jenes ßoldschreibers hin, dessen Leistungen ihn auch dieser Schurkerei durchaus fähig erscheinen lassen. Die Anzahl der Gefängniß-Geistlichen im gesammten Preußen ist nicht groß, und es müßte den Staatsbehörden ein Leichtes sein, durch Umfrage festzustellen, ob wirklich einer derselben jene Mittheilung erhalten und gutgläubig in dem Danziger Blatte mbi et orbi offenbart hat. Da auch die blödsinnigste Verunglimpfung unse-