Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 70 (30.8.1900)
- Date
- 1900-08-30
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1450 ich; „wissen Sie denn nicht, ry -imy lfrxa oyian l: D'B^ir e.na ':'ll das; wer in Zorn geräth, dem Götzendiener gleichsteht und daß alle Gehinnomstrafen Gewalt über ihn haben?" Rabbi Israel war, während er andere lehrte, ein starker Schnupfer. Vertieft in den Gegenstand seines Unterrichtes macht er von dem Inhalte seiner Tabatdose ganz automatisch Gebrauch. Für die 2—3 Stunden, die ich täglich bei ihm lernte, füllte ich jedesmal die Dose vor Beginn des Unterrichts und nach Beendigung desselben war sie zum großen Theile leer. Einmal hatte er von dem Inhalte seiner Dose während des Unterrichtes einen so ausgiebigen Gebrauch gemacht, daß sie während des Vortrages schon ganz leer war. Versunken in den Gegenstand seines Vortrages suchten die Finger, während der Kopf angestrengt arbeitete, zerstreut nach einem letzten Rest von Tabak; aber umsonst. Ich wollte, als ich das merkte, während des Unterrichtes in dem gegenüberliegenden Tabakladen die Dose füllen lassen, aber R. Israel gab es nicht zu, wegen einer solchen Lappalie das Lernen zu unterbrechen. Wir lernten weiter, weiter suchte R. Israel mechanisch alle Ecken der Dose nach etwas Tabak durch, aber mit demselben Resultat. Mir that es leid, dem greisen Lehrer nichts zur Befriedigung dieser Lieblingsgewohnheit thun zu können, aber gegen seinen ausgesprochenen Willen war nichts zu thun. Da kam ein feiner russischer Herr, der auf der Durchreise R. Israel besuchen wollte, und bot ihm während des Gespräches eine Prise aus seiner goldenen Dose an. Wie war ich aber erstaunt, als die Offerte einfach mit der Bemerkung refüsirt wurde: „Ich schnupfe nicht." „Schnupfen Sie überhaupt nicht?" fragte der Fremde. „Doch, nur jetzt nicht," erwiederte R. Israel. Als uns der Fremde verlassen hatte, fragte ich R. Israel, warum er die Prise nicht angenommen habe. „Der Tabak dieses Herrn ist meistens geschmuggelt," war die lakonische Antwort. Unvergeßlich ist mir folgendes Erlebniß. Eines Tages, als Rabbi Israel sich eben zur Ruhe auf sein Sopha niedergelegt hatte, kommt ein junger Mann direkt aus Rußland und klopft an die Thüre. Ich gehe zufällig über den Korridor und sage dem Klopfenden, daß R. Israel jetzt schlafe, er möge in 2—3 Stunden wiederkommen. Der Fremde thut, als ob er mich nicht höre und klopft noch lauter, und auf mein wiederholtes Remonstriren wird der Klopfgeist ausfahrend, frägt mich, ob ich hier Portier sei und gibt mir sehr eindeutig zu verstehen, daß mich sein Klopfen gar nichts angehe. Das war mir denn doch ein wenig zu bunt und ich sage dem jungen Mann, wenn er sich nicht mäßige und auch nur noch einen Schlag gegen die Thüre führe, so fliege er die Treppe hinunter. Der Eindringling ließ sich aber durch die Drohung nicht irre machen und klopfte weiter. Die Nemesis ließ nicht lange auf sich warten; ihn am Kragen packen und die Treppe hinunter kollern lassen, war das Werk weniger Sekunden. Als ich Abend mich bei R. Israel zum Abendgebet einfand, nahm mich dieser allein vor und sagte mir: ich sei heute bei ihm verklagt worden. Ein junger Fremder habe behauptet, ich hätte ihn öffentlich beschämt und mißhandelt. Ich erzählte darauf das Vorgefallene und sagte, daß mich das dreiste Auftreten des Menschen zwar gereizt, mich aber doch nicht verleitet hätte zur Selbst- Hülse zu schreiten, wenn es nicht die Rücksicht auf die gestörte Ruhe des Lehrers gewesen wäre, die meinen Unwillen entflammte. Da kam ich aber bös an. „Fürchten Sie sich denn gar nicht vor Gott, dessen Ebenbild der von ihnen Beschämte im Antlitz trägt? Und mich wollen Sie gar zum Complizen Ihres Racheaktes machen und ihn auf mein Konto setzen? Das muß ich mir allerdings sehr verbitten. Sie haben weder in meinem Auftrag, noch in meinem Sinne gehandelt und das, was Sie gethan haben, kann durch eine Bezugnahme auf mich nicht gemildert, sondern nur verschärft werden. Suchen Sie den jungen Mann in seiner Wohnung auf und bitten Sie ihn um Verzeihung, wenn es Ihnen gelingt, so dürfen Sie sehr zufrieden sein, denn er ist sehr entrüstet über Sie." Der „junge Mann" war ein sehr unverfrorener Geselle, der also den Spieß umgedreht hatte und statt seine Zudringlichkeit zu entschuldigen, die gekränkte Unschuld spielte und mich nun so in den Augen des theuren Lehrers hingestellt hatte. Aber da gab's kein Pardon. Ich suchte nach dem Namen und der Wohnung des von mir Beleidigten und ging noch denselben Abend in die Mulekstraße, kletterte die vier Treppen hinauf, die in seine Dachkammer führten und sah mein Schlachtopfer nun zum ersten Male ohne langen Kaftan, die langen Stirnlocken von einem schwarzen Sammtkäppchen eingerahmt. Derselbe empfing mich sehr hochmüthig, ließ sich ganz breit auf den einzigen Stuhl der Kammer nieder, während er mich an der Thüre stehen ließ, ohne ein Wort zu sagen, kurz, er machte es mir so schwer, als nur möglich, die Friedensoerhandlungen auch nur einzuleiten. Sie führten auch zu keinem Resultat, da mein Partner auf alle meine Ausführungen immer mit der einen stehenden Redensart antwortete, er werde mir das, was ich ihm da gethan, niemals, nicht in dieser und nicht in jener Welt verzeihen. Unverrichteter Sache zog ich ab, ging direkt zu R. Israel zurück und sagte ihm, daß ich jetzt das Meinige gethan habe und jetzt hätte ich doch jedenfalls meinen guten Willen gezeigt und meiner Pflicht genügt. R. Israel entgegenete mir, daß ich nur den ersten Schritt gethan hätte, von dem er sich selber bei der Größe der von mir begangenen Beleidigung noch keinen Erfolg versprochen hätte. Nach der religionsgesetzlichen