Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 70 (30.8.1900)
- Date
- 1900-08-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1439 weise dem Lande zur Last fallen können, nicht zuzulassen sind. Die zwei zuletzt angekommenen Transporte gab man erst frei, nachdem sich die Baron Hirsch-Gesellschaft, sowie die Dampfer-Linie (Elder-Dempster und Comp.) verflichtet hatten, in diesen beiden Fällen die etwaige Schadloshaltung der Kommunen zu übernehmen. Für eine Transportgesellschaft sind dies zu weitgehende Verpflichtungen. Sie stehen zu dem Ueberfahrtspreise in gar keinem Verhältnisse. In Zukunft wird man daher bei der Cinschiffung bedeutend vorsichtiger sein und nur solche Personen annehmen, die leine Schwierigkeiten hier verursachen. Uebrigens wurden die letzten Ankömmlinge nur unter der Bedingung entlasten, daß sie „nicht westlich gehen," eine Konzession, die man wohl dem dieser Cinwanderer-Klasse abgeneigten Farmer-Clcmente machen wollte. Auch dürfte dadurch die Kontrolle der etwa arbeitslos werdenden Personen wesentlich erleichtert sein. — Cs sieht also ganz danach aus, als ob in Zukunft auch Canada kein besonders anziehendes Land für die Rumänen sein wird. In hiesigen jüdischen Kreisen beschwert man sich bitter darüber, daß eine große Anzahl dieser Leute von canadischen offiziellen Cinwanderungs-Agenten drüben zuerst unter allen möglichen Versprechungen nach hier gelockt wurden, die dann bei der Ankunft von den Behörden einfach nicht gehalten werden. Wir müssen die Berechtigung dieser Klagen anerkennen. Die Agenten Canada's im Auslände, vielleicht hauptsächlich deren Unteragenten, sind — nicht ohne Schuld unserer Regierung, die bisher Alles nach hier schleppen wollte, was Andere nicht haben wollten — oft recht gewissenlos, wenn es sich darum handelt, eine gute Provision in Form eines Kopfgeldes zu verdienen. Zum mindesten hätte die Regierung ihren Leuten sehr genaue Instruktionen über die neu zu befolgende Cinwanderungspolitik geben müssen. Das ist aber anscheinend gar nicht, oder wenigstens nicht zur richtigen Zeit geschehen. Deßhalb trägt Ottawa größtentheils die Schuld an den jetzigen unangenehmen Vorkommnissen. Feuilleton Lin Schrill vom Wege. Iüöische Wovelle von Arnold Mann. u] ..Mit biblischen Dingen treibt man keinen Spott, Herr Meyer!" gab ich ihm kalt zur Antwort. ..Ra, ein harmloser Scherz ist doch noch kein Spott!" erwiederte er, „ich kann Ihnen sagen, der Mephisto hat tüchtig darüber gelacht!" „Der Mephisto?" fragte ich, „wer ist denn das?" Meyer sah mich ungläubig an. „Das wissen Sie nicht?" Und er begann mit den Augen im Saale umherzuspähen. „Sehen Sie," sagte er dann und wandte sich nach links, „dort hinten in der Ccke die knallrothe Pellerine flattern?" „Ganz recht!" „Das ist Mephisto! Cr tanzt gerade mit einer kleinen Montenegrinerin." „Aber wer ist cS," fragte ich dringender, meine Reugierde war nun doch rege. „Warten Sie einen Augenblick! Das Paar wird gleich hier vorbeitanzen!" Wirklich kamen die Beiden immer näher und Cndlich tanzten sie gerade uns gegenüber. „Meyer!" rufe ich und kneife den Bedauernsiverthcn in den Arm, daß er zusammenzuckte. „Das ist ja der neue Rabbiner!" „Ra, wer denn sonst?" fragte Meyer lachend. Sprachlos blickte ich dem Paare nach. „Scheu Sie nur," fuhr Meyer fort, „wie prachtvoll ihm das Kostüm steht! Cr ist aber auch mit seinem Spitzbärtchen und mit seinem konstanten ironischen Lächeln ivie geschaffen für den teuflischen Spötter! Rur vom Pferdefuß ist nichts zu merken: er tanzt so ebenmäßig, so schön lvenigstens wie dort der maitre de „Wissen Sie, Meyer," wandte ich mich endlich zu meinem Wegweiser, „das ist doch für mein Gefühl unerhört! Meine Schwägerin sagte mir ja, daß er hier sein werde, fügte aber besonders hinzu: Rieht im Kostüm! Und nun stellt sich dieser unbegreifliche Mensch vor seinen Vorstehern und seinen Gerneindemitgliedern in einer solchen Weise blos!" „Was wollen Sie?" erwiderte Meyer, „ich weiß, er macht damit Furore! Das gefällt! Vorhin erst sagte der Bankier Ohlauer zu mir: „Gut, in der Synagoge ist er unser Rabbiner! In der Gesellschaft soll er unseres Gleichen sein! Ganz schön so!" Und die jungen Mädchen sind förmlich wahnsinnig nach ihm. Cr versteht es aber auch, ibnen den Kopf zu verdrehen! Sehen Sie nur, wie er eben mit seiner Montenegrinerin schäkert!" In diesem Augenblick kam mein Bruder auf mich zu. Cr ging als sizilianischer Bauer. „Cndlich finde ich Dick!" ries er mir zu, „der Herr- Rabbiner hat vorhin den Wunsch geäußert. Dich kennen zu lernen! Komm' mit, ich werde Dich ihm vorstellen. Crschrick aber nicht, er ist heute zur Abwechslung ein bischen Mephisto! Aber ganz harmlos! Wir lvaren selbst überrascht, daß er doch im Kostüm kam!" Ich sagte Herrn Meyer: „Auf Wiedersehn" und folgte meinem Bruder. An der gegenüberliegenden Seite des Saales saß Mephisto im Kreise einer ganzen Schaar phantastischgekleideter Damen.