Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 70 (30.8.1900)
- Date
- 1900-08-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1433 landen darf. Auf dein Dampfer bringt er dann alle Rumänier zusammen, die in Gemeinschaft mit den andern Zwischendeckspassagieren nach der Barge Office gebracht werden, wo sie das übliche Examen bezüglich ihrer Berhältnisse durchzumachen haben. Hat der Einwanderer nun etwa dreißig Dollars, wird ihm ohne Weiteres die Landung gestattet und er wird nach dem rumänischen Heim in Forsyt Sir. gebracht. Ist er aber ohne Geldmittel, wie sehr viele von den Einwanderern, so versucht die Gesellschaft seine Verwandten, falls er welche in Amerika hat, zu ermitteln. Ist die Suche erfolgreich und sind die Verwandten willens, ihn aufzunelnnen, tverden ihm die nöthigen Mittel zur Reise gegeben und er begibt sich zu ihnen. Die meisten Ankömmlinge haben indessen weder Verwandte noch freunde in Amerika und diese müssen von der Einwanderungsbehörde laut Gesetz zurückgehalten lverden, bis Jemand Bürgschaft dafür stellt, daß sie nicht der Oeffentlichkeit zur Last fallen lverden. Diese Bürgschaft wird von der rumänischen Gesellschaft geleistet. Sind die Einwanderer nun in dem Heim derselben, werden sie vollständig neu eingekleidet, und es wird ihnen mehrere Tage Gelegenheit gegeben, sich von den Strapazen der Reise auszuruhen. Sie erhalten gutes Essen und werden sogar mit Tabak und Cigarren versorgt. Inzwischen sind die Agenten der Gesellschaft in den größeren Städten Amerita's daran, für die Leute Arbeit zu finden. s.HUe Augenblicke lausen in der Centrale Telegramme ein, die etlva folgendermaßen lauten: „Pittsburg. Hier werden sofort zehn Zimmerleute gesucht", oder „Philadelphia. Hier ist eine Stellung für einen Uhrmacher frei." Sobald ein solches Telegramm ankoinmt, lverden sofort die betr. Handlverker aus den Einwanderern herausgesucht lind gefragt, ob sie nach Pittsburg oder den andern Orten, wo sie gewünscht lverden, gehen lvollen. Bis jetzt hat sich noch Keiner geweigert, die erste Arbeit, die ihm angeboten wlirde, anzunehmeu. Es lverden den Leuten, die dann abreifen müssen, alle nothwendigen Werkzeuge gekauft, sie erhalten die Bahnbillets, sowie einen Zehrpfennig u. werden in einen durchgehenden Zug gebracht. Am Bestimmungsort ist schon ein Agent der rumänischen Gesellschaft am Bahnhof, der die Leute in Empfang nimmt und in ein Kosthaus bringt, wo er die Garantie für die erste Woche Kostgeld übernimmt. Dann stehen die Leute auf eigenen Füßen und können sich fortan selber weiterhelfen. Welche Ausgaben die Gesellschaft für Werkzeuge allein hat, kann man aus den vom Schatzmeister derselben, Herrn Moritz Lazarus, geführten Listen ersehen, die von demselben dem Korrespondenten freundlichst zur Einsicht vorgelegt lvurden. Da stehen z. B. folgende Eintragungen: Für M. Silbermann, Holzschneider, Doll. 16.50, für M. L. Raphael, Uhrmacher, Doll. 16, für Karl Kaufts, Küfer, Doll. 6.20, Jacob Joseph, Ziinmermann, Doll. 9. Etlva ein Dutzend Seiten sind mit solchen Eintragungen gefüllt. Bei Einwanderern, die in Fabriken untergebracht werden, da sie kein Handlverk gelernt haben, oder bei Landarbeitern fallen natürlich diese Ausgaben fort, sonst würde die rumänische Gesellschaft, deren Mitglieder meist kleine Geschäftsleute und Arbeiter sind, schwerlich noch lange ihr Hülfswerl fortsetzen können. Sie hat sich noch nicht um Unterstützung von anderer Seite bemüht, sondern eine Ehre darein gesetzt, ihren Landsleuten aus eigenen Mitteln zu helfen. Da indessen anscheinend der größere Theil der Einwanderer noch aut dem Wege ist, wird sie wohl bald mildthätige Private oder andere Gesellschaften in Anspruch nehmen müssen. Wenngleich das Schatzamt, dem die Einwanderungsbehörde ja untergeordnet ist, in Europa Erhebungen über den voraussichtlichen Umfang der Judeneimvanderung anttetten läßt, ist man in amtlichen Kreisen durchaus nicht geneigt, derselben Hindernisse in den Weg zu legen. Die Ansicht, welche der Einwanderungs- Komnlissar Fitcbie dem Korrespondenten gegenüber in folgenden Worten zum Ausdruck brachte: „Diese Leute, welche augenscheinlich einem kräftigen, gesunden und arbeitswilligen Menschenschlag angehören, werden sich dem Lande von Vortheil erweisen und ich kann nicht verstehen, wie eine Regierung solches, doch jedem Staatswesen nur Vortheile bringendes Material zur Auswanderung zwingen kann," wird sowohl in amtlichen Kreisen wie in der Presse allgemein getheilt. Montreal, 27. Aug. (Die rumänischen I u d e n i n E a n a d a.) Betreffs der nach Eanada gekommenen rumänischen Juden kann ich die in einem früheren Artikel geäußerte Voraussetzung, man würde den nun eimnal hier Angelangten schließlich doch die Betretung canadischen Bodens gestatten, als zutreffend bestätigen. Die mit dem Dainpfer „Lake Champlain" angekommenen 350, sowie weitere 150 Personen, die mit der „Lake Megantie" vor einigen Tagen aus Liverpool hier eintralen und gleichfalls vorläufig im Hafen zurückgehalten lvurden, find auf Weisung von Ottowa hin aus ihrer unfreiwilligen Hast entlassen worden und versuchen nun, sich hier in Montreal durchzuschlagen. Sie haben dabei in erster Linie auf die thatkräftige Hülfe ihrer Religions-Genossen, sowie der unermüdlichen Baron Hirsch-Gesellschaft zu rechnen; daß es ihnen in der ersten Zeit schlecht gehen wird, ist leider anzunehmen. Es sind Fälle bekannt, in welchen hiesige Israeliten 50 bis 70 der Beklagenswerthen zeitweise in ihre an und für sich schon bescheidenen Behausungen aufgenomnien haben. Es zeigt dies wohl den Edelmuth dieser Leute, ist aber aus sanitären Gründen bedenklich. Die Abneigung der Bevölkerung gegen alle derartige Einwanderung wird durch solche Vorkommnisse nur vermehrt. Unsere Regierung ist mit einem Male sehr streng geworden und veröffentlicht soeben eine neue Verordnung, in welcher sie darauf hinweist, daß Einwanderern, die ohne genügende Baarmittel sind u. möglicher-