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Der Israelit · 1900-08-30 · Heft 70 (30.8.1900) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 70 (30.8.1900)
Date
1900-08-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1437 Folge der antisemitischen Verhetzung zu bezeichnen ist, zu vier Jahren Gefängniß. Monist, 28. Aug. (Zur Al o r d a s f a i r e.) Die Verhandlung gegen Jsraelski, welcher der Begünstigung des Mordes an dein Gvmnasiasten Winter angeklagt ist, findet am 8. September vor dem Landgerichte Hierselbst statt. Das Merkwürdige bei dieser Anklage liegt in dem Umstande, daß sie auf Begünstigung des Mordes lautet, während der Mörder selbst nicht eruirt werden konnte. Der bekannte Berliner Vertheidiger Justizrath Sello, der gegenwärtig in Karlsbad weilt, hat sich auf eine Air frage bereit erklärt, seine Eur zu unterbrechen, um die Vertheidigung Jsraelski'S zu übernehinen. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Budapest, im Aug. In der Ausivanderung m manischer Juden ist zeitweiliger Stillstand einnctrctcn. Das energische Auftreten der ungarischen Regierung hat die rumänischen Staatsmänner zur Raison ge bracht. Laut Privatineldungen werderr aber die armen Juden in einzelnen Thcilen des Landes noch schlechter als bisher behandelt. Von dein Arifenthalte der rumänischen l^migranten in Budapest verdient noch folgendes hervorgchobeti zu iverden. 114,000 Kronen ivurden in drei Tagen für die Expedition der Heimath tosen unter Leitung des hiesigen angesehenen .Lauf manns Paul S a n d o r aufgetrieben. Der geivesene Ministerpräsident Baron Desider Banfsy überraschte dieser Tage Herrn Sandor in seinem Geschäfte mit den Worten.' „Ich bin gekommen, Handdruck zu ivechselir mit dein Alaune, der »ritten in einer sozialen Verirrung den Math hatte, für seine hin rind hergestostenen Glaubensgenossen mit ganzer» Herzen, frank und frei, aufzntreten. Ich beglückwünsche Sie zu diesem groß artigen Erfolge." Baron Banfsv, einer der hochsinnlgsten Staate männer Ungarns, derzeit erster Obersthosmeister des Königs, hat sein Leben lang stets die Rechte der Juden vertheidigt und ihren Patriotismus und unbedingte politische Verläßlichkeit bei jeder Gelegenheit hervorge hoben. Anderthalb Jahre sind es, seitdem er seinem „liberalen" Nachfolger das Feld geräumt. In dieser kurzen Zeit hat aber der Begriff „liberal" eine ganz andere Bedeutung geiuonneir. Der Abgeordnete des hiesigen Judeirviertels, Vor ftandsmitglied Bl. Al e s e y , hat sich von der Stätte dev Elends feige zurückgezogen. Hingegen haben einzelne Juden und Richtjuden mit Leib und Seele gearbeitet. Der Piaristen-Prior Gabriel Alaghar hat in eigener Person die von ihm gesammelten Vietualien den Emigranten gebracht. Der junge Bankier Samuel G a st - m a n n hat sich auf mehrere Tage und Nächte bei den armen Verfolgten niedergelassen, von hiesigen Groß Händlern verschiedene Spezereien eingetrieben und in Gesellschaft einiger Damen von den Besuchern fast kreuzerweise den Betrag von 200 Kronen gesammelt, die er dem Komitee zur Verfügung stellte. Mit echtjüdischem Gefühl sorgte er für die kleinsten Bedürfniffe der armen Juden und Jüdinnen, die er im Schweiße seines Angesichtes mit leidenschaftlicher Humanität bediente. Eine edle Zerstreuung im Hochsoinmer „zwischen den Marlen." Herr Jakob W e i ß hat die großen Räume seiner Dampfwäscherei als Schlafstätte für die Emigranten eingerichtet. Gelegentlich eines Besuches gewahrte er, daß die Räume nicht gelüftet ivurden, weil die Fenster leine gute Oesfnung baden. Sofort drückte er an dreißig Glasscheiben ein, um gute Lüftung herbeizuführen. Die aimcn Juden erschrocken ob dieser Zerstörung fremden Eigenthums. Der edle Einbrecher stellte sich ihnen aber als Inhaber des Gebäudes vor. Polizei Inspektor Th. Beniezty gewährte ihnen nHc Frei Heiken und ließ sie ungehindert die Stadt bestchiigen. Sollten sie in der neuen Welt zu einem grünen Ziveig gelangen, wollen sie eine der Eolonien nach seinem Namen: Benieztp nennen. Amerika. Newtwrk, 17. Aug. (Die rumänischen I ii br ii i n A m e r i f a.» „Es thut uns gut, endlich unter Juden zu sein, die nicht unterdrückt werden, und unier Andersgläubigen, »oelehe einen Menschen nicht lvegen seiner religiöse» Ansichten verfolgen." So äußerte sieb gestern einer der letzten Ankömmlinge aus Rumänien, ein älterer Manu, der mit vielen seiner Glaubensgenossen aus dem Lande seiner Geburt hatte fliehen mästen, aem .Korrespondenten der „Frtf. Ztg." gegen, über. Die übrigen in der Nähe stehenden Flüchtlinge nickten zustimmend, Aus ihren Gesichtern lag hoff nungssreudige Zuoee sicht. sie hatten alle Fährnisse der Reise überstanden, sie Ivarcn hier von ihren Landsleuten ausgenommen ivorden und wußten, daß sie endlich in einem Lande angelangt waren, in welchem sie für immer ein Asyl linden würden unb in welchem, wie es in der Nnubhäugigkei Verklärung heißt, ihnen „Leben, Freiheit und das ungehinderte Streben nach Glückseligekit" garantirt wird. Wie es auch den rumänischen Flüchtlingen in Europa ergehen mag. loeun sie erst in Anierika angelangt sind, erlvächst ihnen neue Lehenshoffnung. Dafür hat die "Rttlnänische Hülssgescllschast" gesorgt, welche sich schon vor längerer Zeit gebildet hat und der nicht nur Juden, sondern auch andersgläubige Rumänier angebören. Diese Vereinigung hat das Hülfswerk in ein beivundernswürdiges Shsteur gebracht; sie hat es so organisilt, daß noch kein einziger Einwanderer die öffentliche Aohlthätigteit in Anspruch hat nehmen müssen. Sobald ein europäischer Dampfer von Fire Island ügnalisirt ist, begibt sich ein Vertreter der Gesellschaft aus das Schiffchen des Sanitätsbeaurten, der sich über die Gesundheitsverhältnissc an Bord jedes in den Hafen einlaufenden Schiffes informirt, bevor es

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